Wanderfische

Lachs und Meerforelle zählen neben dem Aal zu den bekanntesten Wanderfischarten.

Wanderfische sind Fische, die für ihren Lebenszyklus stromauf oder stromab sowie im Gewässerquerschnitt Wanderungen durchführen. Jedes Kind kennt aus dem Fernsehen die alljährlichen Laichwanderungen der kanadischen Lachse vom Meer in die Flüsse und Bäche des Binnenlandes. 

Dass es solche Massenwanderungen von Lachsen und Meerforellen bis ins 19. Jahrhundert auch in Deutschland gegeben hat, ist dagegen weitgehend unbekannt. In der Weser wurden, wie in allen anderen Stromgebieten Mitteleuropas,  noch Ende des 19. Jahrhunderts Zehntausende von Lachsen bei ihren Laichwanderungenvom Meer in die Flüsse und Bäche  gefangen. Welchen Weg die Meerforellen und Lachse der Wümme durchwandern zeigt folgende Karte.

Bis vor wenigen Jahren konnte man auch beim Aal alljährlich Millionen von Jungaalen (sog. Glasaale") bei ihren Wanderungen vom Meer in die Flüsse beobachten. Ihre Eltern waren zuvor die Flüsse hinabgeschwommen, umviele Tauend Kiometer von uns entfernt in der Sargassosee zu laichen.        Mehr zu den Wanderungen des Aals finden Sie hier.

Weitere Wanderfischarten, die im Laufe ihres Lebens unterschiedliche Gewässerabschnitte durchwandern (meist zur Fortpflanzung) sind Fluss- und Meerneunaugen, Störe, der Nordsee- und Ostseeschnäpel, die Barbe, der Rapfen und der Döbel.

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Bedeutung der ökologischen Durchgängigkeit für Fische und Wirbellose

Da Wanderfischarten darauf angewiesen sind, uneingeschränkt zu ihren Laichplätzen zu wandern, können Wehre, Staue und Sohlabstürze zum Erlöschen der Populationen führen. Die Sicherung und Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit ist für diese Arten also von existentieller Bedeutung !

Wanderfische sind also gute Indikatoren für den Grad der Verbauung unserer Fließgewässer.

Andadrome & potamodrome Wanderfische

Als geschlechtsreife Elterntiere führen Lachse & Meerforellen stromaufwärts gerichtete Wanderungen zu ihren Laichgebieten in den Oberläufen durch (= anadrome Wanderfische) . Nachdem sie Ihre Jugendstadien in den Oberläufen der Bäche (Hypo-Rhithral) verbracht haben, führen die Jungfische stromabwärts gerichtete Wanderungen in Richtung Meer durch, um hier in den nahrungsreichen Gebieten die Zeit bis zum Eintreten der Geschlechtsreife zu verbringen. Auch der Aal ist in besonderem Maße auf die Durchgängigkeit der Fließgewässer angewiesen. Als katadromer Wanderfisch wandert er, nachdem er bereits tausende Kilometer durch den Atlantischen Ozean geschwommen ist, als Jungfisch (Glasaal) die Flüsse hinauf, um hier mehrere Jahre bis zum Eintreten der Geschlechtsreife zu verbringen.Dann wandert auch er wieder ins Meer ab, um nach einer langen Wanderung in der Sargassosee vor der amerikanischen Küste zu laichen.

Potamodrome Wanderfische

Neben den o. g. Wanderfischarten führen aber auch alle anderen Fischarten mehr oder weniger stark ausgeprägte, jahresperiodische Wechsel zwischen Nahrungs-, Laich- und Ruhehabitaten durch oder besiedeln während bestimmter Entwicklungsphasen Gewässerabschnitte mit unterschiedlichen Lebensbedingungen. Diese Wanderungen der sog. potamodromen Wanderfischarten sind in vielfacher Hinsicht von Bedeutung:

Kompensatorische Aufwanderung: Aufgrund der ständigen Strömung laufen vor allem Jungfische ständig Gefahr, stromab verdriftet zu werden (z B. bei Hochwässern). Stromaufwärts gerichtete Wanderungen dienen der Kompensation der durch Verdriftung hervorgerufenen Terrainverluste.

Wechsel zwischen Teillebensräumen: Im Laufe des Jahres suchen Fische unterschiedliche Nahrungs- und Ruhehabitate oder besiedeln während bestimmter Entwicklungsphasen unterschiedliche Gewässerabschnitte. So leben z. B. Mühlkoppen als Jungfische in Gewässerabschnitten mit feinem Kies-Substrat und wandern als erwachsene Tiere bevorzugt in Abschnitte mit grobem Kiessubstrat und schnellerer Strömung. Im Winter ziehen sie sich dagegen in tiefere, strömungsberuhigte Abschnitte zurück.

Laichwanderungen: Ähnlich wie Lachs und Meerforelle führen auch andere Fische wie Bachforelle, Äschen, Mühlkoppen, Bachneunaugen und Aalquappen Laichwanderungen in die Bachoberläufe durch, wo sie bessere Lebensbedingungen für ihre Brut vorfinden (höhere Strömungsgeschwindigkeit, Kiesbänke, geringerer Feinddruck für Jungfische).

Populationsaustausch/Wiederbesiedlung katastrophenbedingt verödeter Gewässerabschnitte: Wanderungsbewegungen dienen auch dem Ausgleich unterschiedlicher Besiedlungsdichten und führen zum genetischen Austausch zwischen Teilpopulationen. Dies ist vor allem bei katastrophenbedingt verödeten Gewässerabschnitten von Bedeutung (z. B. nach Fischsterben), wodurch verloren gegangene Lebensräume rasch wieder besiedelt werden können.

Auch zahlreiche Wirbellose (Bachflohkrebse, diverse Stein-, Köcher- und Eintagsfliegenlarven) führen aktive Aufwärtswanderungen durch und kompensieren so die ständige strömungsbedingte Abdrift. Eine besondere Strategie haben dabei einige Muscheln entwickelt. So nisten sich z. B. die Larven der Flußperlmuschel (Margaritifera margaritiera) in den Kiemen von Bachforellen ein und lassen sich nach Beendigung dieser Entwicklungsphase in stromaufwärts gelegenen Bachabschnitten wieder auf den Gewässergrund fallen.

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Anadrom, katadrom, potamodrom ... ???

Fische, die zur Fortpflanzung vom Salz- ins Süßwasser wandern, nennt man anadrome Wanderfische (z. B. Lachs, Meerforelle, Fluss- und Meerneunauge)

Fische, die zur Fortpflanzung, vom Süß- ins Salzwasser wandern, nennt man katadrome Wanderfische (z. B. Aal).

Fische, die innerhalb des Süßwassers wandern (z. B. vom Unterlauf in den Oberlauf des Flusses), nennt man potamodrome Wanderfische (z. B. Bachforelle, Barbe, Döbel)

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Weiteres zum Thema Wanderfische:

Homepage der AOLG / Wanderfische

Wikipedia

ARGE Weser - Wiederansiedlung von Wanderfischen im Wesereinzugegebiet - 1996

Veranstaltung der FGG Weser - Fischfauna Weser - Vernetzung von Lebensräumen (30. Oktober 2006 in Kassel) - Wiederansiedlung von Wanderfischen