Die Wümme

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weitere Infos zur Wümme:

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Detaillierte Beschreibung der Wümme                                                                                   (Text aus Diplomarbeit von Patrick Thiel, geringfügig geändert)

Die Wümme durchfließt in ihrem Verlauf Räume unterschiedlicher naturräumlicher Ausstattung,
Nutzungsintensität und menschlicher Beeinträchtigung. 

Quellbereich:  Der Hauptquellarm der Wümme ist die Haverbeeke, die östlich von Schneverdingen bei  Niederhaverbeck (Landkreis Soltau-Fallingbostel) entspringt. Die Wümmequelle liegt ca. 2 km südlich
davon am Wulfsberg, wo sie in einem moorigen Quelltal entspringt. Beide Bäche vereinen sich östlich
von Niederhaverbeck am Schneverdinger Weg. Aufgrund des stark sandigen Untergrundes versickert das Wasser der Wümme schon kurz nach ihrer  Vereinigung mit der Haverbeeke in tieferen Bodenschichten (Bachschwinde). Auf den folgenden  Kilometern führt der Bach nur bei starken Niederschlägen und Sättigung des Bodens Wasser. Erst ab  der Ortschaft Wintermoor endet die temporäre Wasserführung der Wümme. Das Quellgebiet liegt im von Heide- und Waldflächen dominierten Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Das Profil des Baches ist hier sehr flach ausgeprägt und stellenweise stark zugewachsen.

     Wümme-Quellbereich am Schneverdinger Weg bei Niederhaverbeck / Wümme-Oberlauf bei Niederhaverbeek

Oberlauf der Wümme:  In ihrem Oberlauf ab der Ortschaft Wintermoor durchfließt die Wümme ein überwiegend sehr flaches  Muldental, das vielfach stark vermoort ist. Beim Verlassen des Naturschutzgebietes Lüneburger  Heide nimmt die Nutzungsintensität der Talaue zu. Hier unterliegt der Bach bereits intensiver Gewässerunterhaltung. Infolgedessen ist die Wümme hier stellenweise stark eingetieft und  morphologisch stark beeinträchtigt. Der Oberlauf der Wümme ist charakterisiert durch seine relativ hohe Fließgeschwindigkeit. Das  Gewässerprofil ist durch Ausbau und Begradigung häufig trapez- bis kastenförmig gestaltet und weist  im Bereich bis zur Ortschaft Lauenbrück stellenweise unnatürlich große Sohlbreiten zwischen 3,00 m und 6,00 m auf.  Die Wümme durchfließt hier Abschnitte, die durch eine intensive Grünlandnutzung ohne Randstreifen, aber auch durch Sukzessionsflächen und Wald geprägt sind. Die Linienführung des Baches reicht von stark schlängelnd, wodurch sich ausgeprägte Prall- und Gleitufer entwickelt haben, bis hin zu einem gradlinigen Verlauf. Die Sohlstruktur ist sandig instabil und weist eine hohe anthropogene Sandfracht auf. In vielen Bereichen wird das Ufer durch jungen Erlenwuchs bzw. ältere Erlenbestände gesichert. An den Stellen, wo dieser bachbegleitende Gehölzbewuchs fehlt, sind die Ufer steil  unterspült und neigen dazu, abzubrechen.

  Wümme bei Königsmoor                                                             Wümme oberhalb von Lauenbrück

Mittelauf der Wümme:  Im Mittellauf der Wümme, ab der Ortschaft Lauenbrück, verringert sich aufgrund der geringen  Geländeneigung die Fließgeschwindigkeit. Das Flussbett der Wümme ist hier bereits deutlich  verbreitert worden, um die größeren Wassermengen, die durch die Zuflüsse der Nebengewässer  entstehen, aus wasserwirtschaftlicher Sicht schadlos abführen zu können. Die durchschnittliche  Profilbreite beträgt zwischen 10 und 15 m. Das Sohlsubstrat besteht zum größten Teil aus Sand,  örtlich sind auch Kies, Lehm und Schlammbereiche vorhanden. Wiederum werden viele Abschnitte durch eine intensive Grünlandnutzung ohne entsprechende  Randstreifen genutzt. Allerdings zieht sich die Landwirtschaft in diesen feuchten bis staunassen Talräumen zunehmend zurück, so dass große Bereiche der Wümmeniederung, z. B. zwischen  Lauenbrück und Rotenburg, inzwischen brach gefallen sind.  Der Verlauf der Wümme reicht von mäßig mäandrierend bis hin zu stark begradigten Abschnitten. Das  eigentliche Gewässerprofil schneidet sich in der Regel 2,0 m bis 3,0 m tief in das Gelände hinein.  Stellenweise gibt es größere, zusammenhängende Gebüsch- und Gehölzgruppen und des Öfteren  sind Reste alter Uferbefestigungen vorhanden. Im Mittellauf der Wümme befindet sich noch eine Vielzahl von Querbauwerken, die bis heute die ökologische Durchgängigkeit verhindern, wie z.B. die Schleuse und Wehre bei Ahausen, Unterstedt und Hellwege.

   Die Wümme bei Lauenbrück (unterhalb Wümmetal)       Wümme bei Scheeßel (Höhe Freibad)

   Die Wehre an der Scheeßeler Mühle stauen den Fluss zu einem großen Teich auf und beeinträchtigen die ökologische Durchgängigkeit des Flusses massiv.

   Wümme bei Veersebrück                                                          Wümme bei Wohlsdorf

Unterlauf der Wümme: Im Unterlauf ab der Bundesautobahn A1 teilt sich die Wümme oberhalb der Ortschaft Ottersberg in  Nord- und Südarm auf. Vom Nordarm zweigt nach etwa 5 km der Wümme-Mittelarm ab. Nach einem ca. 15 km langen getrennten Verlauf vereinigen sich die Flussarme in Höhe der Ortschaft Borgfeld  wieder. Dieses für den gesamten norddeutschen Raum einzigartige Binnendelta wies um 1850 noch die unglaubliche Zahl von 85 Wümmearmen auf, die im Laufe der Zeit aber für die Reusenfischerei, die Aufstauung zur Pooljagd und zur besseren landwirtschaftlichen Nutzung  zugeschüttet wurden. Vor allem in den 1920er und 1970er Jahren wurde die Wümme in diesem  Bereich massiv ausgebaut.

   Begradigung  der Wümme bei Ottersberg mit einem Dampfbagger  um 1926

Nach der Begradigung aller Arme wurden zahlreiche Stauwehre errichtet und die Talaue auf großer Länge eingedeicht. Der Wümme-Südarm hat eine Profilbreite zwischen 10 m und 15 m. Die Sohlstruktur des  Gewässerbettes ist aufgrund der geringen Fließgeschwindigkeit meist sandig-schlammig. Der Mittelarm fließt mit einer durchschnittlichen Breite zwischen 5,0 m und 7,0 m leicht mäandrierend  durch die Aue. Der im Durchschnitt ca. 10 m breite Nordarm ist aufgrund einer großen Anzahl von  Renaturierungsmaßnahmen naturnah entwickelt worden. Er durchfließt  mäandrierend die Auenlandschaft mit einer Vielzahl von Biotopen und Sukzessionsflächen. Nach dem Zusammenfluss von Nord-, Süd- und Mittelarm hat die Wümme eine Profilbreite zwischen 10 m und 15 m mit einer relativ geringen Fließgeschwindigkeit. Die Linienführung ist weitgehend  gerade.

   Wümme-Südarm bei Fischerhude                                              Wümme-Mittelarm bei Fischerhude

Erst unterhalb der Ortschaft Lilienthal ist die Linienführung der Wümme wieder stark  mäandrierend. Das Flussufer ist streckenweise mit Steinschüttungen befestigt. Bei Ritterhude fließt die Wümme in die Lesum.

 Die Wümme im Bremer Blockland (Quelle: LK Verden)

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Wümme sowohl zahlreiche naturnahe Bereiche, aber überwiegend anthropogen mehr oder weniger stark überformte Abschnitte aufweist. Es  wird deutlich, dass eine Vielzahl von Nutzungsansprüchen auf den gesamten Wümmeverlauf einwirkt.  Der Flusslauf verbindet mehrere große naturräumliche Regionen und hat aus diesem Grund  hinsichtlich der großräumigen Vernetzung von Lebensräumen ein großes Potenzial.