Ökologische Durchgängigkeit des Wümme-Systems                                        - freie Bahn für Wanderfische ?!

 

Unsere Bäche waren vor Beginn wasserbaulicher Eingriffe des Menschen durchgehend frei von Wanderungshindernissen für Fische und wirbellose Tiere. Alle Tiere, die in ihrem Lebenszyklus auf Wanderbewegungen angewiesen sind, konnten die für die Aufrechterhaltung ihrer Population notwendigen Wanderungen durchführen, ohne auf unüberwindbare Barrieren zu stoßen.

Durch den Bau zahlreicher Wehre und anderer Sohlbauwerke ist die lineare Durchgängigkeit im oberen Wümmegebiet noch vielfach beeinträchtigt. Stromauf- und stromabgerichtete Fischwanderungen, die essentieller Bestandteil im Lebenszyklus vieler Fischarten sind, werden durch die Wanderhindernisse stark eingeschränkt.

Dies gilt insbesondere für Wanderfische wie Lachs, Meerforelle,  Aal, Flussneunauge und Meerneunauge.

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Wanderhindernisse im Wümmesystem

An der Wümme und ihren Nebenbächen sind gegenwärtig noch Hunderte von Sohlbauwerken (Stauwehre, Sohlabstürze, Verrohrungen etc.) zu finden, die das Gewässersystem vielfach in voneinander isolierte Abschnitte zerteilen. Je nach Bauart, Absturzhöhe und Sohlsubstrat ver- bzw. behindern sie in unterschiedlicher Intensität die Wanderungsbewegungen der meisten Fischarten.

                                     Sohlbauwerke im oberen Wümmegebiet - jeder Punkt ein Wanderhindernis ! (C-Bericht - WRRL BG 24)

Während große und schwimmstarke Fische wie Lachs und Meerforelle in der Lage sind, selbst Höhen von bis zu 2 Metern zu überspringen, scheitern kleinere Fische bei stromaufwärts gerichteten Wanderungen schon an scheinbar kleinen Hindernissen. So kann ein Sohlabsturz von nur 5 cm Höhe für Kleinfische wie Mühlkoppe und Bachneunauge eine unüberwindbare Barriere darstellen.

Das Problem der mangelnden ökologischen Durchgängigkeit der Wümme ist zwischenzeitlich vor allem im Unterlauf des Flusses erkannt und mit großem Aufwand z. T. schon behoben worden. Seit Mitte der 1990er Jahre wurden im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Fischerhuder Wümmeniederung“ viele der hohen, für die meisten Fische unüberwindbaren Stauwehre in flache, kaskadenartige Sohlgleiten umgebaut. Damit ist die Wümme für die meisten Fischarten von der Nordsee bis etwa zur Kreisgrenze Verden – Rotenburg (Wümme) wieder uneingeschränkt passierbar.

   Wümme bei Fischerhude-Ottersberg: Viele Wehre wurden in den letzten Jahren zu flachen Sohlgleiten umgebaut.

  Eigener Entwurf; Kartengrundlage: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Karte_W%C3%BCmme.png

Im Bereich des Landkreises Rotenburg (Wümme) ist die Wümme aber bis heute durch mehrere Stauwehre in ihrer Durchgängigkeit unterbrochen. Vor allem die Stauwehre bei Hellwege, Unterstedt  und der Scheeßeler Mühle schneiden die oberhalb liegenden Bäche vom übrigen Wümmegebiet ab. Diese Wehre sind aufgrund ihrer hohen Absturzhöhe nur zeitweise von besonders leistungsfähigen Fischen wie Lachs und Meerforelle zu passieren, die Höhen bis zu zwei Metern im Sprung überwinden können. Im Rahmen des Niedersächsischen Fließgewässerschutzsystems (RASPER et al. 1991) wurden diese Stauwehre daher als „sehr große Beeinträchtigung“ der ökologischen Durchgängigkeit bewertet.

  Schleuse 4 in der Wümme bei Hellwege - v. a. im Sommer ein für alle aquatischen Arten unpassierbares Hindernis

Der Betrieb einer Wasserkraftanlage an der Scheeßeler Wümme verschärft bei niedrigen Wasserständen die Barrierewirkung der Wehranlage: Die Fische werden durch die Lockströmung ins Unterwasser der Turbine geleitet, wo keine ausreichenden Aufstiegswege bestehen. Aber auch der Fischpass und das andere Wehr am Ausleitungsarm sind nur zeitweise von besonders schwimm- und sprungstarken Fischen wie Lachs und Meerforelle zu überwinden. In Trockenperioden, wie z. B. im Herbst 2003, scheitern aber auch diese Großsalmoniden an diesem Wanderhindernis.  Hier besteht ein sehr großer & dringender Handlungsbedarf ! Wie die Durchgängigkeit an der Scheeßeler Mühle wieder hergestellt werden kann, zeigen die Gutachten von  ADAM 2004  und Heidt&Peters 2007.

   Die Wehre in Scheeßel & Unterstedt zählen zu den größten Wanderhindernissen in der mittleren und oberen Wümme

  Selbst für Meerforellen stellen  hohe Wehre (hier an der Scheeßeler Mühle) zeitweise große Wanderhindernisse dar.

In den Nebenbächen des oberen Wümmegebietes sind vor allem die Oberläufe der Veerse, der Lünzener Bruchbach und die Fintau durch eine Vielzahl von weiteren Stau- und Kulturwehren beeinträchtigt. Somit ist keiner dieser Bäche mehr von der Quelle bis zur Mündung für Fische und andere Kleintiere vollständig passierbar.

   Im Oberlauf der Veerse bei Lünzen behindern über 20 Wehre & Sohlabstürze die Durchgängigkeit des Baches

Verbesserungen der ökologischen Durchgängigkeit im oberen Wümmegebiet zeichnen sich nur langsam ab. So wurde bisher lediglich im Jahre 1999 das Stauwehr an der Fintaumündung in Lauenbrück zu einer Sohlgleite umgewandelt und damit der Jahrhunderte lang geschlossene Zugang zur Fintau und zur Ruschwede wieder geöffnet. Auch an der oberen Veerse bei Zahrensen wurden 2007 zahlreiche Sohlabstürze zu flachen Sohlgleiten umgewandelt (Näheres hier). Der dringend notwendige Um-/Abbau der Wümme-Wehre in Hellwege, Unterstedt & Scheeßel sowie der unzähligen anderen kleinen Stauwehre zu flachen Sohlgleiten steht dagegen immer noch aus.

Siehe auch folgende Pressartikel zum Thema:

Bericht in der Rotenburger Kreiszeitung vom 4.2.2010 - Dirk Benjes fordert Umbau der Schleuse IV

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Fazit

Unzählige Stauwehre und Sohlabstürze zerschneiden die Bäche des Wümmesystems in voneinander isolierte Abschnitte und verhindern so vielfach die Wanderungsbewegungen der meisten Fischarten und Kleinlebewesen.

Als größte Beeinträchtigung für die ökologische Durchgängigkeit der Wümme sind die Wehre in Hellwege, Unterstedt und vor allem an der Scheeßeler Mühle anzusehen.

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Links & weitere Infos zur Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit:

Hin und her, kreuz und quer - ein Beitrag zur Durchgängigkeit von Gewässern 

Was tun mit verrohrten Gewässern?!

Homepage der AOLG /  Wanderfische    

Kritische Anmerkungen des DAV zur Wasserkraftnutzung

Broschürenreihe des Landesumweltamtes Baden-Württemberg:

Leitfaden  Grundagen

Leitfaden Umgehungsgewässer und fischpassierbare Querbauwerke

Leitfaden Durchlässe, Verrohrungen sowie Anschluss Seitengewässer und Aue