Mobiler Sand - das "Leichentuch" für unsere Gewässer

Eine der größten  Beeinträchtigungen unserer Bachläufe stellt die permanente Übersandung der Gewässersohlen dar. Anders als die stabilen, totholzreichen, z. T. kiesig-steinigen Sohlen naturnaher Bäche, sind fast alle unsere Bäche heute von einem "Leichentuch" aus mobilem Treibsand überdeckt, der sehr sauerstoffarm und somit absolut lebensfeindlich ist.                                                                                  

Der mobile Sand in unseren Bächen ist in der heutigen Menge völlig unnatürlich !!! Erst nach den Verkopplungen des 19. Jahrhundert, dem flächendeckenden Ausbau des Entwässerungsnetzes, den Fließgewässer-Begradigungen im 20 Jahrhundert und dem gegenwärtigen Mais-Boom stieg die Sandfracht enorm an (siehe auch Geschichtliches).

Quelle dieser Sandeinträge sind  Dränagen, Entwässerungsgräben und Straßenentwäs-serungen aber auch wilde Viehtränken im Bach, die infolge von Begradigungen entstehenden Uferabbrüche, Fischteiche oder auch Unterhaltungsmaßnahmen, die regelmäßig zur Mobilisierung der sandigen Gewässersohlen führen.

    Fast alle Bäche des oberen Wümmegebietes sind heute von starker Sandfracht beeinträchtigt.

Aber auch die Wasserkraftnutzung an der Fintau bei Eggersmühlen führt durch den Schwallbetrieb zu erheblichen Sohlerosionsprozessen im Unterwasser der Anlage und zur Übersandung weiter, ehemals kiesiger Gewässerstrecken (siehe auch Diplomarbeit von Malte Schindler). Ein Bohrkern aus der Fintau bei Fintel / Redderberg zeigt eindrucksvoll die Überlagerung der kiesigen Bachsohle.

Über die zahlreichen Bäche des Wümmegebietes wird so jährlich die enorme Menge von Zehntausenden Tonnen Sand abtransportiert, die in Form einer riesigen Walze in Richtung Meer fließt. Vor allem im Winterhalbjahr, wenn auf den Äckern die schützende Vegetation fehlt, Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden sowie bei Hochwässern und Starkregenereignissen, nimmt die schwallartige Übersandung der Bäche stark zu.

Im oberen Wümmegebiet kommen deshalb nur noch vereinzelt kleine Kiesrauschen vor. Von dieser Übersandung sind ausnahmslos alle Bäche des Wümmegebietes betroffen, was für die dort lebende Flora und Fauna z. T. katastrophale Folgen hat:

  • Überlagerung von Hartsubstraten - Der Treibsand überlagert alle Hartsubstrate am Gewässergrund (Kies, Totholz, Wasserpflanzen) und vernichtet so den Lebensraum zahlreicher Wirbelloser, die auf der mobilen Sandsohle keinen Halt finden und abgeschwemmt werden.
  • Einschränkung der Nahrungsketten - Die im Kieslückensystem des Baches lebenden Wirbellosen werden von der Sandwalze überdeckt und sterben infolge des Sauerstoffmangels unweigerlich ab. Damit wird auch die Nahrungsgrundlage für die gesamte Fischfauna und die daran anschließende Nahrungskette, zu der Schwarzstorch, Fischotter und Eisvogel zählen, entscheidend eingeschränkt
  • Schädigung der Fischbrut - Auch die Eier der Kieslaicher (Lachs, Meerforelle, Bachforelle u. a.), werden durch die Übersandung und Verfüllung des Kieslückensystems stark geschädigt. Der dadurch hervorgerufene Sauerstoffmangel führt zum Absterben der Fischbrut, sobald der Sauerstoffgehalt-Gehalt dort unter 5 mg/l sinkt. Aktuelle Untersuchungen von Meerforellen-laichplätzen an der Ruschwede und der Fintau zeigen, dass durch die Übersandung große Teile der dort abgelegten Eier bereits vor dem Schlüpfen absterben (DIRKSMEYER 2004 – 2005, TENT & OBERDÖRFER 2002). Die überlebenden Brütlinge können nach dem Schlüpfen z. T. nicht aus dem Kieslückensystem entweichen, da dessen obere Schichten oftmals durch Sand überdeckt sind.

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Was kann gegen die Sandfracht getan werden ? 

  • Hartes macht den Fluss gesund: Totholz, Wurzeln und  Kiese stabilisieren die Sohle des Gewässers. Sie sollten  bei der Gewässerunterhaltung  geschont und,  wo es nötig ist, wieder  eingebracht werden.
  • Naturnähere Ufer: Erlen geben instabilen Uferböschungen wieder neuen Halt.
  • Zurück ins alte Bett: Tief  eingeschnittene Bäche  können wieder in ein flaches, naturnahes Bett  gelegt und bestehende Altarme angeschlossen werden. Mitgeführter Sand kann sich so leichter im Talraum  ablagern, Ufer- und Tiefenerosion gehen zurück.
  • Sand einfangen: Sedimentfänge können den Sand zurückhalten und schützen auf diese Weise stromab liegende Bereiche des Gewässers.
  • Wasser zurückhalten: Bessere Regenrückhaltung mildert  Hochwässer ab und schützt so die Fließgewässer vor übermäßiger Erosion.
  • Auch die Landwirtschaft kann mithelfen: Durch Ausweisung  von Gewässerrandstreifen und landschaftsgerechte  Bodennutzung können Sandeinträge aus  angrenzenden Flächen verhindert werden.

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Weitere Infos zum Thema:

Flyer "Sandfracht als Problem für Meerforelle & Co"

 


Das Problem Sandfracht – Lösungswege in der Praxis. Präsentation von Dr. Uwe Koenzen
Planungsbüro Koenzen auf de Wümmetag 2008 in Rotenburg (Wümme)

Maßnahmen zur Reduzierung des Sedimenteintrages eines Geestgewässers                             - Diplomarbeit Christian KielhornHochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Auswirkungen der Feinsedimentfracht auf Muscheln und Fische - Vortrag von Dr. Altmüller auf der AFGN-Tagung im Mai 2009 in Gronau

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Treibsand-Fotos aus dem oberen Wümmegebiet

Hier eine kleine Auswahl von Treibsandwüsten-Fotos aus dem oberen Wümmegebiet           (Die Rippeln zeigen an, dass der Sand nicht stabil gelagert ist, sondern in Form einer Walze ständig wandert und alles unter sich begräbt)

    Wintermoorgraben                                        Obere Fintau                                              Reinsehlener Graben

   Florgraben                                                      Graben E

   Veerse bei Deepen                                                                    Rieper Forstgraben

   Rieper Reithbach                                                                       Postmoorgraben

   Kröpelbach                                                                                        Rehrbach

   Lünzener Bruchbach (Oberlauf)                                                                        Bartelsdorfer Kanal

   Fintau unterhalb Eggersmühlen                                               Obere Fintau

 Veerse bei Zahrensen

  Sandeintrag Rieper Reithbach