Leitbilder für die Gewässerentwicklung /-renaturierung
Vorrangiges Ziel unseres Wiederansiedlungsprojektes ist eine Gewässerentwicklung, die einem möglichst naturnahen Zustand nahe kommt, soweit dies unter den gegebenen Bedingungen möglich ist. Auch die Wasserrahmenrichtlinie fordert, in allen Gewässern bis zum Jahr 2015 einen sog. "guten ökologischen Zustand" zu erreichen.
Zu Bewertung, ob ein Gewässer in einem "guten ökologischen Zustand" ist, sind Leitbilder erforderlich, die einem möglichst naturnahen Referenzzustand entsprechen.
Leitbild & Vorbild: Der naturnahe Bach
Naturnahe Bäche können uns als Beispiel und Leitbild dienen, wie der von der Wassserrahmen-richtlinie geforderte und auch von uns angestrebte "gute ökologische Zustand" unserer Bäche aussieht.
Leitbild & Ziel der Gewässerentwicklung: Ein naturnaher, strukturreicher Bach
Die Fintau bei Lauenbrück 1899 (= nahe am Leitbild)
Die Fintau bei Lauenbrück heute (= relativ weit vom Leitbild entfernt)
Gewässertypen nach Wasserrahmenrichtlinie im oberen Wümmegebiet
Die EG-Wasserahmenrichtlinie (WRRL) fordert eine typspezifische, d. h. auf den jeweiligen Gewässertyp und Naturraum angepasste Beschreibung des naturnahen Zustandes der Bäche und Flüsse. Ein Gewässertyp nach WRRL fasst verschiedene Gewässer nach gemeinsamen Merkmalen zusammen und wird in der Regel aufgrund seiner morphologischen, physikalisch-chemischen, hydrologischen und biozönotischen Charakteristika gebildet. Ein Gewässertyp stellt immer einen „Idealfall“ dar, der in der Realität individuell ausgestaltet auftritt.
Im oberen Wümmegebiet sind fast alle Fließgewässer als Typ 14 - Sandgeprägte Tieflandbäche, und Typ 15 - Sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse ausgewiesen worden. Nur kurze, quellnahe Bereiche der Wümme sind als Typ 16 - Kiesgeprägte Tieflandbäche beschrieben. Eine ausführliche Beschreibung dieser Referenztypen nach WRRL finden sie hier:
- Steckbrief Typ 14 - Sandgeprägte Tieflandbäche
- Steckbrief Typ 15 - Sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse
- Steckbrief Typ 16 - Kiesgeprägte Tieflandbäche
(Treib-)Sand oder Kies als Leitbild für unsere Bäche ?
In Fachkreisen wird diese Typenbeschreibung z. T. sehr kritisch betrachtet. Kernpunkt der Kritik ist die undifferenzierte / ungenaue Darstellung des natürlichen Sohlmaterials in den Gewässertypen 14 und 15. Unserer Auffassung nach, die von zahlreichen Experten wie REUSCH, TENT, ALTMÜLLER u.a. gestützt wird, sind auch in naturnahen "sandgeprägten" Bächen erhebliche Anteile an Kiesen und Steinen vorhanden, die insbesondere Grundlage für die erfolgreiche Reproduktion zahlreicher gewässertypischer Fischarten wie Lachs und Meerforele sind.
Eine Studie der Hafencity-Universität (HCU - DICKHAUT & SCHWARK 2006 - Überprüfung der Leitbildzuordnung der Wümme und ihrer Nebengewässer Fintau, Wiedau und Rodau) bestätigte diese Auffassung. Demnach werden Anteile von 10-20 % Kiese und Steine in "sandgeprägten" Bächen des oberen Wümmegebietes als plausibel angesehen. Den ausführlichen Bericht der HCU finden Sie hier.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Links zum Thema:
Kritische Anmerkungen von Herbert Reusch zum "sandgeprägten" Leitbild finden Sie auch hier:
"Gibt es im Norddeutschen Tiefland überhaupt sangeprägte Fließgewässer ?"
Dass "sandgeprägt" aber nicht automatisch "Sandwüste" heisst, stellen auch Sommerhäusser & Pottgiesser (2005) klar - siehe hier: Die Gewässertypen der sandgeprägten Bäche und Flüsse sowie der kiesgeprägten Bäche und Flüsse im Norddeutschen Tiefland
Warum heisst der Steinbach Steinbach
Einblicke in Entstehungsgeschichte und Nutzungsveränderungen der Geest
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Leitbilder für die Fischfauna im oberen Wümmegebiet finden Sie hier.