Erbrütung von Lachs-/Meerforelleneiern und Besatzmaßnahmen



Da die kiesig-steinigen Laichplätze von Lachs und Meerforelle fast überall durch Gewässerausbau zerstört wurden bzw. von erheblichen Sandeinträgen beeinträchtigt werden, sind die Fortpflanzungsmöglichkeiten dieser Fische z. Z. stark eingeschränkt. Obwohl die Meerforellen auf den von uns wieder hergestellten Kieslaichplätzen laichen, reicht die Reproduktionsquote noch nicht aus, um den Bestand dauerhaft zu erhalten.

Seit 1987 betreibt der ASV "Forelle" Lauenbrück daher eine vereinseigene Brutanlageund sichert so den Aufbau und Bestand dieser bedrohten Fischpopulationen. Hier wurden seitdem inzwischen ca. 1,967 Millionen kleine Meerforellen erbrütet. Der Fang der Elterntiere, die Erbrütung und die anschließenden Besatzmaßnahmen erfordern einen erheblichen zeitlichen und personellen Aufwand, der jährlich mehrere Hundert ehrenamtliche Arbeitsstunden umfasst.

Bis zur Wiederherstellung ausreichender natürlicher Reproduktionsbedingungen (Kiesbetten) sind diese Maßnahmen zum Populationserhalt von Lachs und Meerforelle unbedingt notwendig.

Eine Übersicht der einzelnen Arbeitsschritte zeigen die folgenden Abbildungen:

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1. Fang der Elterntiere durch Elektrobefischungen

Die aus dem Meer zum Laichen aufwandernden Fische werden von Ende Oktober bis Anfang Januar durch geschulte Vereinsmitglieder und mit einer Sondergenehmigung der Fischereibehörde (LAVES) mit speziellen Elektrofischfanggeräten gefangen. Dabei werden die Fische nur kurz betäubt und können mit einem Kescher schonend entnommen werden. Bei richtiger Anwendung dieser Fangmethode erleiden die Fische keine Schäden.

 

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2. Zwischenhälterung

Die Elterntiere sind zum Zeitpunkt ihres Fanges z. T. noch nicht laichbereit. Möglichst noch am Gewässer wird deshalb entschieden, ob die Fische sofort zurückgesetzt oder zur "Reifung" ggf. einige Tage in eine Zwischenhälterung verbracht werden. Diese Fische bleiben bis zur Gewinnung ihrer Geschlechtsprodukte in einem großen Becken in der Brutanlage Lauenbrück, das ständig von frischem Wasser durchströmt wird.

   Noch am Gewässer wird durch Abtasten geprüft, ob die Rogner (Weibchen) schon laichbereit sind /  Zwischenhälterung der fast laichreifen Meerforellen

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3. Abstreifen der Geschlechtsprodukte

Anschließend werden den Tieren vorsichtig die Geschlechtsprodukte abgenommen. Durch sanften Druck geben die Tiere ihre Eier (Rogen) und den Samen (Milch) ab. Je nach Größe und Gewicht gibt jedes Meerforellen- Weibchen etwa 3.000 bis 8.000 Eier ab. 

   Abstreifen eines Meerforellen-Rogners und eines Meerforellen-Milchners    

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4. Befruchtung der Eier

Unmittelbar danach werden Eier und Sperma in einer Schale miteinander vermischt. Dabei achten wir darauf, nach Möglichkeit ein Geschlechterverhältnis von 1:1 einzuhalten und durch Kombination verschiedener Elterntiere eine große genetische Variabilität zu erreichen.

Abschließend werden die Eier mit klarem Wasser aufgefüllt und ruhen für ca. 10-15 Minuten, bis der Befruchtungsvorgang abgeschlossen ist. Der Befruchtungserfolg liegt bei dieser Methode bei annähernd 100 %. Die  Eier werden nun zu jeweils 10.000 Stück in Brutschalen (sog. Wiegen) gefüllt,  die in einer Brutrinne ständig von frischem, gefiltertem Wasser durchströmt werden.

   Befruchtung der Meerforellen-Eier / Lagerung der befruchteten Eier in sog. Wiegen (=durchströmte Brutkästen)

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5. Zurücksetzen der Elterntiere

Die Elterntiere werden nach dem Abstreifen wieder unversehrt zurückgesetzt. Die Meerforellen wandern nach wenigen Tagen wieder in Richtung Meer, um im nächsten Jahr erneut zum Laichen zurückzukehren. Untersuchungen aus dem Ostegebiet haben gezeigt, dass Meerforellen bis zu 6 mal wieder zum Laichen in ihren Heimatbach zurückkehren können. Bei den Lachsen ist die natürliche Sterblichkeit nach der Laichzeit höher. Aber auch bei ihnen kehrt der überwiegende Teil - im Gegensatz zu den pazifischen Lachsen - wieder ins Meer zurück.    

   Die Elterntiere werden nach dem Abstreifen wieder unversehrt in die Bäche zurückgesetzt.

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6. Betreuung bis zum Schlüpfen

Bis zum Schlüpfen der Jungfische vergehen je nach Wassertemperatur etwa 2 – 3 ½ Monate (ca. 420 Tagesgrade, d. h. bei einer Temperatur von 4°C benötigen die Eier ca. 105 Tage, bei 8°C hingegen ca. 52-53 Tage). In dieser Zeit werden die Eier täglich kontrolliert.  Abgestorbene Eier müssen entfernt werden, damit es zu keinen Verpilzungen der gesunden Eier kommt. Dank der intensiven Betreuung sterben im Durchschnitt nur 1-5 % der Eier vorzeitig ab. Die Mortalitätsrate ist somit wesentlich geringer als unter natürlichen Freilandbedingungen, wo die meisten Eier durch Übersandung der Kiesbetten und der dadurch resultierenden Sauerstoffarmut im Kies ersticken, nicht befruchtet oder von Feinden gefressen werden.

Aufgrund der ungewöhnlich milden Winter der letzten Jahre wurden wir in der Brutanlage mehrfach vor große Probleme gestellt: Bei Wassertemperaturen von bis zu 13-14°C nahm die Mortalitätsrate der Forellenbrut zeitweise dramatisch zu. Um diesem Problem zu entgehen, wird das Wasser in den Brutwiegen ab der Saison 2008-2009 bei Bedarf mit einem Aggregat auf Temperaturen unter 10°C gekühlt.

  Befruchtete Meerforelleneier mit zwei hellen, d.h. abgestorbenen Eiern, die täglich entfernt werden müssen.

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7. Aussetzen der Jungfische

Von Ende Januar bis März schlüpfen die kleinen Fische und zehren für 2 bis 3 Wochen von ihrem Dottersack. Kurz bevor sie anfangen selbständig Nahrung aufzunehmen, werden die kleinen Lachse und Meerforellen von Ende Februar bis April in die Freiheit entlassen. Dabei werden die Jungfische großflächig verteilt, um Verluste durch innerartliche Verdrängung sowie Prädationsgefahren durch Hechte, große Forellen, Fischreiher u. a. zu minimieren. In gut strukturierten und nahrungsreichen  Gewässern gilt als Faustregel für den Besatz : 1 Meerforellen-Brütling pro m².

Die kleinen Meerforellen wachsen in den meisten unserer Bäche aufgrund des großen Angebotes an Bachflohkrebsen und anderen Kleintieren hervorragend ab.

  Frisch geschlüpfte und etwa 4-5 Wochen alte Meerforellen, die nun ausgesetzt werden

  Ab in die Freiheit !

   Kleine Meerforellen: Nach etwa 2 Monaten (ca. 4 cm) und  nach etwa einem Jahr (10-12 cm groß)