Aktuelles 2014

17.12.2014: Spektakuläres Meerforellen-Video von Rainer Stamm. Unser Mitstreiter Rainer Stamm hat wieder einen äußerst sehenswerten Meerforellen-Kurzfilm erstellt. Er zeigt große Meerforellen, die bei ihrer Laichwanderung offensichtlich große Probleme haben, das Stauwehr in der Wümme bei Rotenburg / Unterstedt zu überwinden und nach alternativen Aufwanderungswegen suchen.

In der irrigen Annahme, dass es hier zu den Laichplätzen in der Fintau, Ruschwede und Veerse gehen könnte, versuchen die Tiere fatalerweise in den Auslauf der städtischen Kläranlage einzuschwimmen. Das Video finden Sie hier auf YouTube.

Gegen Ende des Films kann man sehen, dass dieser Versuch für die Fische auch tödlich enden kann. Handlungsbedarf, diese Fischfalle zu entschärfen, wir kümmern uns darum !

Nachtrag: Die Stadt Rotenburg hat sich nach unserem Hnweis unverzüglich um die Entschärfung dieser Fischfalle gekümmert; großes Lob an die Mitarbeiter des städtischen Umweltbüros und der Kläranlage!




Spektakuläre Bilder von Rainer Stamm: Meerforellen bei  verzweifelten Versuchen, das Wümmewehr in Unterstedt zu überwinden.

Die Zustände weiter stromauf an den Wümmewehren in Scheeßel treiben uns derweil wieder mal die Zornesröte ins Gesicht. Während die Wasserkraftanlage weiter auf Hochbetrieb läuft und sogar die daneben liegenden Schotten voll gezogen wurden, kommt am Fischpass und dem grundsätzlich überwindbaren Wehr kaum ein Tropfen Wasser an. Hier werden wieder mal Bestimmungen des Wasserhaushaltsgesetzes (§ 33 WHG / Mindestwasserregelungen) mit Füßen getreten; Naturschutz und ökologische Belange spielen für den Wasserkraftbetreiber trotz gegenteiliger Beteuerungen ganz offensichtlich keine Rolle !

Am Turbinenhaus sind die Schotten gezogen, .... (Foto 13.12. Lothar Witt)

 
.... so dass am Fischpass und dem von Forellen grundsätzlich überwindbaren Stauwehr jegliches Wasser und Lockströmung fehlt (Foto 13.12. Lothar Witt)

Die Folge ist, dass angesichts der niedrigen Abflüsse dieses Jahr kaum eine Meerforelle die Laichgebiete in der Fintau und Ruschwede erreicht. Wo sich in den Vorjahren mehrere Hundert erwachsener Tiere um die besten Kieslaichplätze stritten, herrscht zur Zeit fast gespenstische Ruhe...

Nachtrag: Nach unserer eindringlichen Vorstellung bei der Gemeinde Scheeßel und der Wasserbehörde des Landkreises hat es ab dem 23.12. doch noch mit dem Meerforellenaufstieg geklappt. Das Wehr wurde so weit wie möglich runtergedreht und der nutzlose Abfluss zwischen den Turbinen zwischenzeitlich ordnungsbehördlich unterbunden. Zudem half das unerwartet starke Hochwasser ab Weihnachten dabei, dass zumindest ein Teil der Meerforellen noch die Laichplätze errreichen konnte. Von der vom Turbinenbetreiber seit Jahren zugesagten, freiwillig fischfreundlichen Gestaltung des Turbinenbetriebes während der Laichwanderung, war auch dieses Jahr nichts zu sehen; nur mit massiven Druck erreichen wir, dass bei Niedrigwasserständen zumindest ein eingeschränkter Laichaufstieg überhaupt möglich wird.

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26.11.2014: Erste Meerforellen laichen. Etwas später als in den Vorjahren, sind vor einigen Tagen die ersten Meerforellen zum Laichen in der Veerse bei Westervesede eingetroffen. In den renaturierten Strecken zeigen helle Kiesflächen die frischen Laichaktivitäten der bis zu 90 cm großen Salmoniden, die jeweils mehrere Tausend Eier in den kiesigen Bachgrund legen. Bis Ende Dezember ist das Schauspiel hier zu beobachten.

Erste Laichgruben 2014 in der Veerse bei Westervesede -gut zu erkennen an den hellen, frish umgedrehten Kiesen und Steinen.

2012 auf unserem Vorschlag vom UHV Obere Wümme renaturierte Laichstrecke mit einer dichten Abfolge von Kiesbänken und Strömungslenkern in der Veerse

Nur in der Fintau und Ruschwede herrscht noch weitgehend Ruhe, nur wenige Kiesbänke sind bereits von laichenden Meerforellen angeschlagen worden. Fast alle von der Nordsee heraufwandernden Meerforellen hängen vor dem Wehr an der Scheeßeler Mühle fest. Wenn nicht bald viel Regen fällt und die zur Zeit extrem niedrigen Wasserstände steigen, fällt bei Lauenbrück, Vahlde und Fintel dieses Jahr das Laichgeschäft der stark gefährdeten Art aus.

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26.11.2014: Niedersächsische Gewässerschutzexperten zu Gast im oberen Wümmegebiet. Ein Expertengremium mit Vertretern des Umweltministeriums, des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sowie von Planungsbüros und Unterhaltungsverbänden war letzte Woche zu Besuch an der Veerse, dem  Lünzener Bruchbach, der Fintau und der Ruschwede. Unter Führung von Gewässerwart Ralf Gerken und Jens Engelken wurden viele beispielhafte Renaturierungen des Unterhaltungsverbandes, der Stiftung Naturschutz, aber auch unserer Angelvereine eingehend besichtigt und hinsichtlich ihrer fachlichen Qualität diskutiert.

Das Experten-Gremium nach Abschluß der ganztägigen Bereisung im oberen Wümmegebiet (mit Reinhard Altmüller, Joachim Wöhler, Jens Kubitzki, Jens Schatz, Uwe Schmieda, Niels Bardowicks, Peter Sellheim, Peter Suhrhoff, Sascha Nickel, Ralf Gerken und Dieter Coldewey)

Die Bereisung fand im Rahmen der geplanten Fortschreibung des NLWKN-Maßnahmenleitfadens für Fließgewässerrenaturierungen statt. Vor allem die von uns durchgeführten Maßnahmen an der Ruschwede, aber auch die der Stiftung Naturschutz am Lünzener Bruchbach haben aufgrund ihrer hohen ökologisch-wirtschaftlichen Effizienz gute Chancen, als Positivbeispiele in den Leitfaden aufgenommen zu werden.




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19.10.2014: Fischpass an der Scheeßeler Mühle: Gemeinderat Scheeßel beauftragt die Erstellung der Genehmigunsunterlagen. In den vergangenen 11 Jahren wurden zahlreiche Überlegungen zur Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an der Scheeßeler Mühle angestellt. Nachdem die Studien von ADAM&SCHWEERS (2004) und HEIDT&PETERS (2011) keine bzw. nur teilweise umsetzbaren Fortschritte brachten und es mehreren Arbeitskreisen nicht gelungen ist, beim Wasserkraftanlagenbetreiber die Zustimmung für den Bau eines funktionsfähigen Fischpasses einzuwerben, hat die Gemeinde Scheeßel in diesem Jahr das renommierte Planungsbüro Sönnichsen & Partner beaufragt, umsetzbare Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Am letzten Donnerstag hat der Planer Sönnichsen dem Gemeinderat Scheeßel mehrere Planungsvarianten vorgestellt. Neben zwei Vorschlägen zur Anlage von Beckenfischpässen im Bereich des großen Wümmewehrs, wurde auch ein ca. 300 m langes, naturnahes Umgehungsgerinne vorgestellt. Fundiert und sachlich führte er die eindeutigen Vorteile des Umgehungsgerinnes gegenüber den anderen Planungsvarianten schlüssig auf. Entscheidender Vorteil ist die größte Effektivität für den Fischaufstieg. Entscheidender Nachteil dieser Variante ist die fehlende Verkaufsbereitschaft des Grundeigentümers für die benötigte Fläche.


Die vom Gemeinderat zur weiteren Planung in Auftrag gegebene Vorzugsvariante - hier im Detail

Der Gemeinderat hat nach den Ausführungen Sönnichsens mit einstimmiger, fraktionsübergreifender Mehrheit den Beschluss gefasst, das zur Umsetzung erforderliche Planfeststellungsverfahren zu eröffnen und das Planungsbüro mit der Erstellung der erforderlichen Genehmigungsunterlagen zu beauftragen. Die Einstimmigkeit des Beschlusses ist bemerkenswert: Auch frühere Befürworter der vom Wasserkraftanlagenbetreiber bevorzugten Fischpassvarianten haben sich - ohne Ansehen der Fraktionszugehörigkeit - von den deckungsgleichen Argumenten des Planers, des Landkreises, des NLWKN, des Umweltministeriums und des Unterhaltungsverbandes überzeugen lassen. Wahrlich keine Selbstverständlichkeit in der Scheeßeler Politiklandschaft !

Derweil zeigt sich der Wasserkraftbetreiber weiter uneinsichtig und hat angekündigt, das aus seiner Sicht vorhersehbare Ergebnis der Planfeststellung zu beklagen. Kurz vor der Beschlussfassung hat er außerdem eine weitere (rechtlich vom Landkreis als nicht genehmigungsfähig beurteilte) Planungsvariante aus dem Hut gezaubert und fordert den gesamten Planungsprozess noch einmal von vorne aufzurollen, nachdem Arbeitskreise mit ihm jahrleang erfolglos um einen Kompromiss gerungen hatten.

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18.10.2014 - Verkrautung wie noch nie. In nahezu allen Fließgewässern des Wümmegebietes war in diesem Jahr eine außerordentlich starke Entwicklung von Wasserpflanzenbeständen zu beobachten. Vor allem in gehölzfreien und besonnten Abschnitten hat das Wachstum der Bestände von Bachbunge, Igelkolben und Wasserpest ganze Gewässerquerschnitte zuwuchern lassen.

Massenwuchs vom Igelkolben am Graben E in Ostervesede

Am Lünzener Bruchbach in Westervesede war dieses Phänomen besonders eindrucksvoll zu bebachten. Ein Vergleich mit dem September 2012, dem ein langer, kalter Winter voranging, zeigt den drastischen Unterschied in der Krautentwicklung.

Dieses Phänomen hat vermutlich mehrere Ursachen: Zum einen war der letzte Winter enorm warm und fast frei von anhaltenden Frostperioden. Im ebenfalls sehr warmen Frühjahr fingen die Pflanzen mehrere Wochen früher an zu wachsen. Besonders in zu breit ausgebauten und schwach durchströmten Abschnitten können fließgewässeruntypische Wasserpflanzen, wie z. B. der Igelkolben, Massenbestände ausbilden.

Zum anderen bieten die diffusen und am Gewässergrund sedimentierten Nährstoffeinträge ein hervorragende Grundlage für das Wachstum. Aber auch direkte Gülleinträge im Einzugsgebiet der Bäche sind leider nach wie vor eine bedauernswerte Realität.

Beispiel im Juli: Eine einzige Gülledüngung an einem kleinen Nebenbach, bei dem die gesetzlichen Abstandregelungen missachtet wurden, hat den Ammonium-Stickstoff-Gehalt des Lünzener Bruchbaches auf den 120-fachen Wert explodieren lassen. Zwar starben vermutlich keine Fische, aber die stickstoffliebenden Pflanzen filterten die Nährstoffe auf großer Länge aus und gediehen immer prächtiger. Problematisch kann es werden, wenn die Pflanzen zum Winter absterben und dabei wiederum Sauerstoff verbrauchen.


Leider immer wieder vorkommend: Gülle wird zu nahe am Gewässer ausgebracht und führt immer wieder zu kritischen Nährstoffspitzen.

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16.10.2014: Kapitale Meerforelle aus der Fintau - Petri Heil ! Kurz vor dem Beginn der Schonzeit hatte unser Vereinskamerad Albert Kutzelmann noch einmal Glück und Können bewiesen. In der Fintau in Lauenbrück ging ihm ein stattlicher Meerforellen-Milchner von über 10 Pfund und über 80 cm Länge an den Spinner. Petri Heil !


Power pur - Kapitaler Meerforellen-Milchner aus der Fintau

Kurz danach ging ihm ein weiterer bemerkenswerter Fisch an den Haken. In der Oste unterhalb von Bremervörde fing Albert einen ebenfalls über 80 cm langen Lachs. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich der Fang allerdings als ein sog. Farm-Lachs, also ein Lachs, der aus einer der vielen maritimen Lachsfarmen vor den Küsten Schottlands, Norwegen oder Schwedens entwichen ist.

Leider nur ein Farmlachs - Albert Kutzelmann mit seinem Fang aus der Unteren Oste

Leider ist das kein Einzelfall in der Oste und auch in der Wümme. Im "besten Lachsfluss Deutschlands" steigen in manchen Jahren inzwischen mehr Farmlachse zum Laichen auf, als angestammte Tiere, die hier ihre Jugend verbracht haben und auf ihren Geburtsbach gepägt wurden. Weil immer wieder Tausende bis Hunderttausende Zuchtlachse ins Meer entweichen, ist eine langfristig erfolgreiche Wiederansiedlung des Lachses inzwischen höchst fraglich. Die domestizierten, genetisch verarmten und häufig stark von Parasiten befallenenen Zuchtachse werden sich früher oder später mit ihren wilden Verwandten kreuzen.

Wie man Wildlachse von Farmlachsen unterscheiden kann, hat Lachs- und  Bruthaus-Spezie Peter Wessendorf vom SFV Sittensen in einem hervorragenden Merkblatt beschrieben.

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7.10.2014 „Bachperle 2014“: Unser Meerforellenprojekt mit Sonderpreis ausgezeichnet !

Die Preisträger des niedersächsischen Gewässerwettbewerbs „Bach im Fluss" stehen fest. Umweltminister Stefan Wenzel prämierte am Montag in Hannover auch ein Projekt aus dem Landkreis Rotenburg. In der Kategorie Ehrenamt wurde unsere AG der Angelvereine Lauenbrück, Fintel und Westervesede ausgezeichnet. Um das „herausragende Engagement im Bereich der Umweltbildung und der Öffentlichkeitsarbeit“ zu würdigen, entschied sich die Jury, das Arten- und Gewässerschutzprojekt „Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle im oberen Wümmegebiet" mit einem Sonderpreis auszuzeichnen.

Umweltminister Stefan Wenzel (r.) und Klaus Wiswe (l.), Präsident des Nds. Landkreistrages, haben gestern unser Projekt mit dem Sonderpreis der Nds. Bachperle 2014 ausgezeichnet ! (v.l-n.r.: Klaus Wiswe, Ralf Gerken, Lothar Witt, Jens Engelken, Rainer Kruse, Arthur Thiel, MU Stefan Wenzel)

In seiner Laudatio fand Joachim Wöhler vom Umweltministerium, lobende Worte für unser Projekt: „Mit unermüdlichem Engagement und viel Herzblut haben die Angelvereine erfolgreich die Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle im oberen Wümmegebiet vorangetrieben und mit didaktisch-pädagogischem Geschick fachlich komplexe Sachverhalte mit Freude vermittelt und verfestigt.“ Besondere Auszeichnung verdiene, so Wöhler, auch die Internetseite www.wuemme-meerforelle.de, die Lust auf den Lebensraum Gewässer mache und zudem einen Fundus an fachlichen Informationen biete. Überzeugt haben die Jury auch die von den Anglern an der Ruschwede durchgeführten Renaturierungsarbeiten, wo mit dem „fachlich fundierten Einbau von Kiesbetten und Strömungslenkern dargestellt wurde wie auch mit einfachen Mitteln und geringen Kosten erfolgreich Gewässerrenaturierung betrieben werden kann.“

Für uns ist der Preis eine wohltuende Anerkennung. Viele tausend Stunden ehrenamtliche Arbeit haben wir seit 1981 in den Betrieb der Meerforellenbrutanlage, in Besatzmaßnahmen, in die Anlage von Meerforellenlaichplätzen, in Kontrollbefischungen, Pflanzaktionen sowie in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gesteckt. Damit wird die von unserem Projektgründer Wolfgang Prien vor 33 Jahren begonnene und von vielen Mitgliedern weitergeführte Naturschutzarbeit angemessen gewürdigt.

Doch nur in Kooperation mit vielen Partnern können wir die  vielen Aktivitäten erst umsetzen ! Wir freuen uns besonders, dass der von uns jahrelang propagierte Gewässerschutzgedanke auf fruchtbaren Boden fällt. So wurden allein in diesem Jahr vom Unterhaltungsverband Obere Wümme zahlreiche Gewässerrenaturierungen u.a. an Veerse, Lünzener Bruchbach und Ruschwede umgesetzt, von denen besonders auch unsere Meerforellen, aber auch Eisvogel, Fischotter und Flussneunaugen profitieren.

Das Preisgeld wollen wir übrigens vsl. für Infotafeln verwenden, die in Fintel über die Schutzwürdigkeit von Fintau und Ruschwede informieren.

Weitere Infos zum Wettbewerb auch auf der Homepage des Nds. Umweltministeriums 

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27.9.2014: "Die Rückkehr der Abwasserpilze". Zweifelhaften Ruhm hat das obere Wümmegebiet überregional vor allem wegen der zahlreichen Gewässerverunreinigungen durch Gülle und Silagesickersäfte erlangt. Dies liegt v. a.  an dem Biogasboom und der enormen Zunahme des Maisanbaus in unserer Region.

Im Landkreis Rotenburg hat sich - auch dank unseren intensiven Öffentlichkeitsarbeit - inzwischen der wasserbehördliche Vollzug an Biogasanlagen, Güllebehältern und Silagelagerflächen erheblich verbessert. Nach den Biogas- und Güllehavarien des Jahres 2012 hat der Landkreis nach Beschluss des Kreistages die Stellen in der Wasserbehörde erheblich aufgestockt. Nach unserem Eindruck werden Missstände in deutlich besserer Form als zuvor aufgearbeitet.

Auf dem Abwasserkolloqium der TU Hamburg-Harburg am 23.9. war die Biogas-Gülle-Sickersaft-Entwicklung der letzten Jahre Thema eines Vortrages des Landessportfischerverbandes Niedersachsen - Titel: "Die Rückkehr der Abwasserpilze !?", u. a mit zahlreichen, gut dokumentierten Fällen aus der Biogas-Mais-Hochburg des Landkreises Rotenburg.

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10.9.2014: Renaturierung auf Hochtouren. Unsere jahrelange Öffentlichkeitsarbeit und das Werben bei Behörden und Verbänden für forellengerechte, naturnahe Gewässer trägt endlich und zunehmend Früchte: In den kommenden vier Wochen laufen zwei große Renaturierungsmaßnahmen des Unterhaltungsverband Obere Wümme im oberen Wümmegebiet. Nachdem kürzlich bereits fast 4 km der Veerse mit ca. 4.000 Tonnen Kies-Steinschüttungen versehen wurden, sind nun Lünzener Bruchbach und Ruschwede an der Reihe.

Seit einer Woche wird der Lünzener Bruchbach auf einer Länge von ca. 2.300 m naturnah restrukturiert. Fast 5.000 Tonnen Kiese und Steine geben hier dem Bach wieder die durch Ausbau, Unterhaltung und Sandfracht beeinträchtigte Struktur und das Geschiebeinventar zurück. Auch wenn das Umfeld der Baustelle durch den Maschineneinsatz noch recht wüst aussieht, erwarten wir viele postive Effekte für Meerforelle, Elritze, Mühlkoppe & Co. Dazu passt, dass der Unterhaltungsverband hier ausdrücklich die Entwicklung eines Schatten spendenden Erlensaumes fördern will und die Gewässerunterhaltung extensivieren will. Zuvor hat die Stitung Naturschutz im Landkreis Rotenburg im Rahmen des laufenden Flurbereinigungsverfahren in der ganzen Gemarkung Ostervesede beidseitig 5 m breite Gewässerrandstreifen erworben.

Der Lünzener Bruchbach in Ostervesede wird zur Zeit mit Strömungslenkern und Kiesbänken restrukturiert.

Auch an der Ruschwede werden zwischen Fintel und dem Quellbereich bei Insel insgesamt 11 Teilstrecken mit einer Gesamtlänge von ca. 1.800 m vorhandene kleine Staue umgebaut, an deren Stelle vielfältig mit Kiesbänken und Strömungsenkern (ca. 1.100 Tonnen Kiese u. Steine) strukturierte Abschnitte von jeweils 50-250 m Länge treten sollen. Dabei werden auch instabile, von Breitenerosion betroffene Ufer instandgesetzt, so dass sich hier wieder Erlen ansamen können und Sandeinträge künftig minimiert werden.


Baueinweisung heute an der  Ruschwede mit Ingenieurbüro, Baufirma und Angelverein Fintel


Hier wird in den nächsten Tagen Hand angelegt: Auch an der Ruschwede in Haswede wird der überbreite, von Tiefen- und Breitenerosion geprägte Bach wieder mit Kiesen und Steinen instandgesetzt.


Vorbild der aktuellen Maßnahmen sind unsere 2006 und 2009 als Pilotprojekt hergestellten Meerforellenlaichplätze in Haswede: Gewässertypisch vielfältige Sohlstrukturen, stabile Ufer und eine ideale Kolk-Rauschen-Abfolge mit unzähligen Koppen und Forellen sind ein gutes Beispiel für sog. Instream-Restoration à la Ludwig Tent.

Auch in diesem Jahr werden Maßnahmen der naturnahen Gewässergestaltung am Kröpelbach (Nebenbach der Veerse bei Zahrensen), dem Florgraben bei Vahlde und dem Königsgraben bei Stemmen vom UHV Wümme umgesetzt. Im Graben C bei Vahlde, der einer der größten Treibsandquellen für die Fintau darstellt, wird ein Sandfang angelegt.

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25.8.2014: Gute Nachrichten für Grundwasser und Bäche: Düngeverordnung soll verschärft werden. Das Bundesagrarministerium stellt Ende der Woche den ersten konkreten Entwurf zur Novellierung der Düngeverordnung vor. Wesentliche, auch von uns geforderte Punkte sind in dem Entwurf enthalten.

Für das Grundwasser und die Bäche in unseren Biogas-Hochburgen besonders gut: In die Nährstoffbilanz wird endlich auch der Stickstoff aus den Gärresten der Biogasanlagen mit eingerechnet. Bisher konnte über die maximal 170 kg Stickstoff / ha / Jahr noch die Gärreste oben drauf ausgebracht werden. Weiterhin sollen Ausbringungssperrzeiten im Winter verlängert und besonders emissionsfördernde Ausbringungstechniken (z. B. Prallteller) mit Übergangsfristen verboten und bisher geltende schwammige Ausnahmetatbestände konkretisiert werden.


Nährstoffe pur in Agrarvorlluter - auch die Folge der laschen Düngeverordnung

Das Papier geht allerdings noch in diverse Ressort- und Verbandsbeteiligungen. Das wird spannend, wie viel da am Schluss von übrig bleibt. Aber die EU macht mächtig Druck auf die Bundesregierung, die Novelle wirksam und zügig umzusetzen. Ansonsten drohen erhebliche Vertragsverletzungsstrafen
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22.8.2013: Beste Meerforellen-Laichplätze Niedersachsens im oberen Wümmegebiet ! Vor vier Jahren haben wir den seit 1982 jährlich durchgeführten Initialbesatz mit Meerforellenbrütlingen eingestellt und unsere Brutanlage bis auf Weiteres geschlossen. Nachdem die Meerforellen-Population im Wümmegebiet auf mehrere Hundert Laichfische pro Jahr angewachsen ist und zahlreiche neue Kiesplätze angelegt wurden, war die Zeit da, der Natur freien Lauf zu lassen.


Von uns 2006-2009 wiedergestelltes, kiesreiches Optimalhabitat für Meerforellen und Koppen - Ruschwede bei Haswede

Seit 2010 befischen wir jährlich repräsentative Abschnitte von Fintau, Ruschwede und Veerse, um den natürlichen Reproduktionserfolg der Meerforellen und anderer Fische zu dokumentieren.Die bisherigen Befischungsergebnisse 2014 in der Fintau und Ruschwede sind außerordentlich ermutigend und erfreulich.

Wie in vermutlich keinem anderen Gewässersystem Niedersachsens, pflanzen sich die Meerforellen ohne jegliche Besatzunterstützung im oberen Wümmegebiet in sehr großer Zahl fort. In gut strukturierten weil renaturierten, kiesreichen Abschnitten von Ruschwede, Fintau und Veerse sind auf kurzer Strecke Hunderte von 0-2-jährigen Forellen anzutreffen. So konnten wir kürzlich in der Ruschwede in Fintel auf einer Strecke von 50 Metern gut 140 Forellen und in der Fintau auf 500 m Länge 335 Forellen fangen - Dunkelziffer der entwischten Fische nicht mitgerechnet.

Ergebnis eines Kescherzugs in der Fintau bei Lauenbrück - sieben junge Meerforellen


Fangergebnis in der Fintau bei Lauenbrück, renaturiert vom ASV Forelle Lauenbrück (2003-2004) und UHV Obere Wümme (2012)


Größenverteilung der Bach-/Meerforellen in der Fintau bei Lauenbrück, renaturiert vom ASV Forelle Lauenbrück (2003-2004) und UHV Obere Wümme (2012)

Hochgerechnet auf das obere Wümmegebiet schaffen es vermutlich mehrere Tausend, vielleicht Zehntausende kleine Meerforellen, zumindest das kritische erste Lebensjahr zu überleben. Ein Ergebnis, das Wissenschaftler und Fachbehörden bis vor Kurzem für unsere stark kulturlandschaftsgeprägten Tieflandbäche für sehr unwahrscheinlich gehalten haben.

Diese Zahlen sind ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass die von zahlreichen Akteuren aus Angelvereinen, Unterhaltungsverband, NLWKN Verden, Landkreis und Stiftung Naturschutz geförderten und umgesetzten Renaturierungsmaßnahmen sinnvoll und zielführend sind !

In vielen anderen Gewässerabschnitten ohne Randstreifen, Erlen, Wurzeln, Kiese und Steine und mit hoher Sandfracht sieht es dagegen noch sehr düster aus. Vor allen an den sog. Agrarvorflutern sind verstärkte Anstrengungen nötig, die Ansprüche von Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Gewässerschutz besser unter einen Hut zu bekommen.

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22.8.2014: Renaturierungsarbeiten an der Veerse bei Deepen und Westervesede abgeschlossen. Die von uns vor zwei Jahren vorgeschlagenen Renaturierungsmaßnahmen an der Veerse sind nun abgeschlossen worden. In Trägerschaft des Unterhaltungsverbandes Obere Wümme wurden hier in den vergangenen Wochen auf einer Strecke von rund 3,5 km 4.000 Tonnen Kiese und Steine als Laichbetten und Strömungslenker sowie zur Stabilisierung der zum Teil extremen eroderten Ufer in den Bach gebracht. Um natürlichen Erlenaufwuchs zu initiieren wurde in Teilbereichen auch die Böschung abgeflacht; auf dem Rohboden haben die Erlensamen im nächsten Frühjahr gute Möglichkeiten zu keimen - Grundlage für gewässertypische Beschattung, stabile Ufer und viele Fischverstecke.

im Rahmen einer Baustellenbegehung wurde das Ergebnis heute von Vertretern des Unterhaltungsverbandes, des NLWKN Verden, des Planungsbüros Heuer-Jungemann, der Baufirma Priebe aus Visselhövede sowie des Landessportfischerverbands begutachtet. Vor allem der in den letzten Jahren aufgrund der starken Sandfracht in Deepen stark zurückgegangene Forellenbestand wird von den Maßnahmen hoffentlich stark profitieren.












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16.8.2014: Gewässerschutzwettbewerb des Nds. Umweltministeriums "Bach im Fluss" - Wir sind in der Endrunde ! Das Nds. Umweltministerum hat dieses Jahr den Gewässerschutzwettbewerb  "Bach im Fluss" zum dritten Mal ausgelobt. Den Auslobungstext finden Sie hier.

Unter zahlreichen Mitbewerbern hat es die Bewerbung unseres Projektes in die Endrunde geschafft. Mitte September wird uns eine hochrangige Delegation aus Umweltministerium, Behörden und Verbänden besuchen und beispielhafte Renaturierungsmaßnahmen an der Ruschwede / Fintau besichtigen.



Die Preisträger des Wettbewerbs Bach im Fluss 2012 sind in einer anschaulichen Broschüre dargestellt, die auf der Homepage der WIB Wasserrahmenrichtlinien-Infobörse heruntergeladen werden kann.

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15.8.2014: Ursache für Ruschwede-Fischsterben wohl nicht mehr zu ermitteln. Auch die Untersuchungen der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben keine auffälligen Befunde gezeigt, so dass die Ursache für das Fischsterben wohl weiter ungeklärt bleibt.

Die Samtgemeinde Fintel hat in den vergangenen Tagen zusammen mit der Unteren Wasserbehörde intensiv das Kanalisationssystem untersucht und nach möglichen Einleitungsquellen geforscht. Aber weder das Freibad noch private Hausanschlüsse konnten als Einleitungsquelle für mögliche Schadstoffe ermittelt werden. Somit sind die Ermittlungen wohl leider an das Ende der Fahnenstange angekommen....

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15.8.2014: Veerseniederung ab heute als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Nach mehrjähriger Diskussion und zahlreichen Abstimmungsgesprächen mit Eigentümern, Verbänden und Behörden ist heute die Verordnung über das  Naturschutzgebiet Veerseniederung in Kraft getreten. Das Gebiet hat eine Größe von 442 ha und umfasst fast die gesamte Talaue des Baches innerhalb der Landkreis Rotenburg, d.h. von der Mündung bei Veersebrück bis zur Kreisgrenze östlich von Deepen. Größe Teile der Talaue weisen zum Teil sehr naturnahe Strukuren auf. Der Bachlauf der Veerse hat dagegen aufgrund der Begradigung, fehlender Randstreifen und Ufergehölzen sowie der hohen Sandfracht ein relativ großes Entwicklungspotenzial.

Veerseniederung in Westervesede - ab sofort Naturschutzgebiet

Aus gewässerökologischer und fischereilicher Sicht sind Schutzzweck und Entwicklungsziele der Verordnung absolut zu begrüßen. So ist die Veerse ausdrücklich als naturnaher Lebensraum zahlreicher Fischarten wie Meer-, Fluss- und Bachneunauge, Steinbeißer, Lachs, Groppe, Meerforelle und Elritze zu erhalten und zu entwickeln. Außerdem wird die schon weitgehend moderate Gewässerunterhaltung auf dem Prüfstand gestellt und soll auf Grundlage eines neuen Unterhaltungsrahmenplanes nach Möglichkeit weiter extensiviert werden.  Auch die von uns seit Jahren geforderten und zum Teil bereits umgesetzten Maßnahmen zur Sohlgestaltung mit Kiesen und Steinen sind ausdrückliches Entwicklungsziel der Verordnung. Und die Angelfischerei bleibt im bisherigen Umfang weiterhin zulässig.

Die Verordnung und die Begründung der NSG-Verordnung finden Sie hier.

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15.8.2014: Sohlgleite in der Wümme in Ahausen fertiggestellt.Die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Wümme schreitet zügig voran. Vor einigen Tagen wurde der neue, vom Unterhaltungsverband Mitlere Wümme als flache Sohlgleite gestaltete Wümmelauf an der Schleuse III bei Ahausen geflutet, so dass nun auch schwimmschwache Arten das relativ kleine Hindernis überwinden können.

Hintergründe zum Projekt berichtete auch die Rotenburger Kreiszeitung am 2. Juli 2014

Die verbliebenen Wehre im Wümme-Mittellauf bei Hellwege und Untersted, die wesentlich größere Wanderhindernisse für Fische darstellen, werden vsl. in den nächsten 2-3 Jahren zu Sohlgleiten umgestaltet.

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8.8.2014: "Mysterium Ruschwede" - Ursache für das Fischsterben weiterhin ungekärt. Auch eine Woche nach dem Tod vieler Meer- und Bachforellen in der Finteler Ruschwede, konnte die Ursache trotz intensiver Recherche von Angelverein, Landkreis und Samtgemeinde immer noch nicht ermittelt werden. Alle Wasserproben zeigten hinsichtlich der Ammonium- Nitrat-, Nitrit-, Sauerstoff-. Leitfähigkeits- und Temperaturwerte keine auffälligen Werte, was daran liegen kann, dass eine kurze tödliche Belastungsspitze nicht von den Proben erfasst wurde.Die Rotenburger Rundschau spricht in der aktuellen Ausgabe daher von eimem "Mysterium".

Wie es aussieht ist die Ruschwede aber mit einem großen blauen Auge davon gekommen. Dennoch sind auf fast einem halben Kilometer des Baches alle Forellen gestorben. Genaue Erkenntnisse bringen erst Kontrollbefischungen, die wir in Kürze durchführen werden.

Der Angelverein ermittelt weiter und hat die toten Forellen zur Untersuchung in die Tierärztliche Hochschule Hannover geschickt, allerdings mit wenig Hoffnung auf erhellende Erkenntnisse. Auch die Samtgemeinde ermittelt weiter nach möglichen, bisher unbekannten Einleitungsquellen im Bereich des Regenwasserkanals und des Freibades. Wir bleiben am Ball !

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31.7.2014: Erneutes Fischsterben in der Ruschwede / Pressemitteilung vom 31.7.2014

Fintel (r). In der Ruschwede ist es am vergangenen Donnerstag zu einem Fischsterben größeren Ausmaßes gekommen. Aufmerksame Anwohner machten den Angelverein Fintel auf den Vorfall aufmerksam, dessen Mitglieder hilflos mit ansehen mussten, wie zahllose Meerforellen, Bachforellen und Mühlkoppen qualvoll verendeten.


Erste Bilanz: Rund 100 tote Meerforellen, bachforellen und Mühlkoppen auf 250 m Bachlänge

Zusammen mit der sofort herbeigerufenen Wasserbehörde und Naturschutzbehörde des Landkreises konnte der Angelverein auf einer Strecke von 250 Metern in der anbrechenden Dämmerung noch über 100 tote Forellen aller Altersklassen bergen. Auch Mühlkoppen, eine bedrohte und seltene Kleinfischart, wurden Opfer der Gewässerverunreinigung.


Probenahme durch das Wasserlabor des Landkreises an der offensichtlichen Verunreinugungsquelle, einem Regenwasserkanal n Höhe des Freibads Fintel.

Als wahrscheinliche Quelle der Gewässerverunreinigung wurde von den Anglern ein Regenwasserkanal am Schützenweg in Höhe des Freibades identifiziert. “Unterhalb dieser Stelle war der Bach mit toten Forellen übersät, oberhalb des Rohrs war dagegen nicht ein toter Fisch mehr zu finden“, so Arthur Thiel, Vorsitzender des Finteler Angelvereins. Über die genaue Ursache des Fischsterben und die Art der Gewässerverschmutzung herrscht indes noch große Unklarheit. Dr. Heinrich Keusen, Leiter des Wasserlabors vom Landkreis, nahm zahlreiche Wasserproben, die zur Zeit noch analysiert werden. Zusammen mit dem Bürgermeister Rüdiger Bruns will der Landkreis bis zum Wochenende versuchen, die Quelle der Verunreinigung aus dem Kanal ausfindig zu machen. In den nächsten Tagen wird sich der Angelverein in Zusammenarbeit mit dem Landkreis einen Überblick verschaffen, wie groß das Ausmaß des Schadens am Fischbestand tatsächlich ist.

Für die Angler und Gewässerschützer an der Ruschwede ist das Fischsterben auf jeden Fall ein weiterer herber Rückschlag. „Dieser Vorfall ist das dritte Fischsterben innerhalb von nur zwei Jahren in den Meerforellen-Laichbächen des oberen Wümmegebietes. Nach der Havarie an der Biogasanlage in Schultenwede 2012 und der Silagesafteinleitung in Insel 2013 waren bereits große Strecken des Lünzener Bruchbachs und der Ruschwede massiv verunreinigt worden und Tausende von Fischen gestorben“, so Ralf Gerken, Sprecher des Meerforellen-Wiederansiedlungsprojektes der Angelvereine Lauenbrück, Fintel und Westervesede. Zuvor gab es bereits 1988, 1991 und 1994 große Fischsterben in der Ruschwede, ausgelöst durch Schlammeinleitungen aus einem Fischteich sowie einen Ammoniakunfall im Finteler Freibad.


Opfer des Fischsterbens: Forellen aller Größen und Altersklassen, aber auch Mühlkoppen


Das aktuelle Fischsterben hat nach Angaben Gerkens einen sehr naturnahen Abschnitt der Ruschwede getroffen, der landesweit zu einem der besten Meerforellen-Kinderstuben zählt. In fast keinen anderen Gewässerabschnitt Niedersachsens pflanzt sich die stark gefährdete Meerforellen so gut fort wie hier. „Was auch immer die Ursache für das Fischsterben war, wenn diese Verunreinigungen nicht aufhören, werden sich empfindliche Fischarten wie die Meerforelle und Mühlkoppe nicht dauerhaft etablieren können“.

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30.7.2014: Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit am Gewässer - Auch wenn die Arbeit dafür nicht immer genug Zeit lässt, versuchen wir immer wieder unsere Themen praxisnah unter das interessierte Volk zu bringen. So z. B. am letzten Freitag, als wir beim "Lernort Natur" mit der Grundschule Lauenbrück zusammen mit den Jägern des Hegering Lauenbrück einen ganzen Vormittag praktischen Biologieunterricht gemacht haben.

Neben allerlei jagdlichen Themen stand für die 77 hoch interessierten Schüler/-innen auch der Lebensraum Wümme auf dem Programm. Nach dem Besuch unseres Standes wussten alle Kinder, warum die Erle für unsere Fische und den Eisvogel so wichtig ist. Außerdem konnten alle in einem großen Aal-Becken hautnah erfühlen, woher der Begriff "aalglatt" kommt.



Bereits im April stand eine größere Exkursion an die Veerse auf dem Programm. Mehr als 30 NABU-Mitglieder und weitere Interessierte, wagten den oft vernachässigten Blick unter die Wasseroberfläche. Viele sahen zum hier zum ersten Mal im Leben seltsame Fische, wie Mühlkoppen, Elritzen, Bachschmerlen oder Zwergstichlinge, erfuhren, dass Kiese, Steine und Holz auch für den Eisvogel wichtig sind und dass Angler sich aktiv um den Lebensraum Bach kümmern.

Folgende Fotos von Lars Renken (Westervesede), vielen Dank dafür !


Ein Bach wie er nicht sein sollte - Exkursionsstart in der "Sandwüste" Lünzener Bruchbach


Dann modellhaft, warum wir natürlicher Weise keine Sandbäche haben: Bildung einer Kiessohle nach wenigen Sekunden, wofür die Bäche nach der Eiszeit tausende Jahre Zeit hatten


Endlich das wohltuende Kontrastprogramm zur Sandwüste - Vielfältige Veerse mit Erlen, Totholz, neu angelegtem Kiesbett und vielfältiger Strömung


Hoch interessierte Zuhörer


Und so laichen hier im Winter die Meerforellen im sauberen Kieslückensystem - simuliert im Schau-Aquarium

               Todeszone Kiesbett - Das droht den empfindlichen Eiern wenn infolge gerodeter Erlen, umgepflügter Randstreifen und falscher Gewässerunterhaltung Treibsand im Massen über den Kies rauscht:

Unscheinbare Schätze aus der Veerse - Koppen, Bachschmerlen und Gründlinge


Und diese Wesen leben nebenan im alten verkrauteten  Fischteich - Massen von Teichmolchen und Stichlingen


... begehrte Foto-Objekte




Nachhilfe für stabile Ufer: Jeder Teilnehmer musste eine kleine Erle pflanzen !


Kescherprobe aus der Veerse: Dort wo Erlenblätter im Bach liegen, tobt das Leben


....und mittendrin viele kleine Meerforellen, die frisch aus dem Kiesgrund geschlüpft sind.


.......und wo die Talaue in Ordnung ist, gibt es auch von ihm noch eine Menge

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29.6.2014: Renaturierungsarbeiten an der Veerse in vollem Gange. Seit einigen Tagen rollen an der Veerse in Westervesede und Deepen wieder die Bagger und LKWs. Die vom Angelverein Westervesede vorgeschlagenen Renaturierung wird vom Unterhaltungsverband Obere Wümme auf einer Gesamtstrecke von etwa 3,5 km zügig umgesetzt. Mehrere Tausend Tonnen Kiese und Steine sollen in Form von Strömungslenkern, Kiesbänken, Bermen und Kiesdepots dafür sorgen, dass der durch Erosion, Uferabbrüche und starke Sandfracht beeinträchtigte Bach wieder gesundet. Außerdem sollen Baumstubben und Findlinge für stabilere Ufersturkturen und neue Fischunterstände sorgen. Besonders instabile Uferabbrüche werden streckenweise abgeflacht und mit Lesesteinen befestigt, damit der Sandeintrag beendet wird und junge Erlen wieder Fuß fassen können. In Teilbereichen werden die standortuntypischen Fichten aus der Talaue entfernt und weichen einem Erlen-Eschenwald.

Beeindruckendes Kies-Steinlager - mehrere Tausend Tonnen des Materials werden in diesen Tagen in der Veerse zur Strukturverbesserung eingebracht.

   
Mit Kies- und Steinschüttungen neu strukturierter Abschnitt der Veerse bei Deepen


Auch in der Veerse oberhalb von Westervesede wurden in den vergangenen Tagen zahlreiche Kiesbänke und Strömungslenker eingebracht.

Welchen Effekt diese Maßnahmen haben können, zeigte sich bei einer Kontrollbefischung an diesem Wochenende in Deepen: In den strukturarmen (noch nicht renaturierten) Abschnitten waren nur wenige Fische zu finden. In einem turbulent fließenden Abschnitt mit alten Erlen, Steinen, flutenden Erlenwurzeln, Kolken, Tiefrinnen, Flachwasserzonen und Treibholzansammlungen gedeiht dagegen eine üppige Fischwelt. Vor allem Mühkoppen, Bachschmerlen, Elritzen, Steinbeißer, Aale und Stichlinge sind zu Hunderten auf kleinster Fläche zu finden, wie die Elektrobefischung zeigte.

Kontrollbefischung an diesem Wochenende: Wo Struktur am Gewässergrund ist, sind auch Koppen, Schmerlen, Elritzen u .a. Arten noch (und hoffentlich in allen anderen Abschnitten bald wieder) da.

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25.6.2014: Erholung der Fischbestände und naturnahe Gestaltung des Lünzener Bruchbachs in Ostervesede. Nach dem verheerenden Fischsterben im April 2012, als Gärreste aus der Biogasanlage in Schultenwede den Fischbestand des Lünzener Bruchbachs auf großer Länge ausgelöscht hatten, gibt es nun wieder Positives vom Bach zu berichten.

Zwei Jahre nach der Havarie erholt sich der Fischbestand langsam wieder. Vom Landkreis angeordnete Kontrollbefischungen eines Fischereibiologen zeigten, dass sich z. B. die Bestände von Mühlkoppe, Elritze und Gründling wieder deutich im Aufwind sind. Insgesamt sind wieder 13 Fischarten im geschädgiten Bereich nachzuweisen. Nur der Bach- und Meerforellenbestand ist nach wie vor am Boden. Im gesamten Bachlauf findet sich nach wie vor kaum eine Forelle.

Durch den Unterhaltungsverband Obere Wümme wird in den nächsten zwei Jahren der gesamte Bachlauf in der Gemarkung Ostervesede naturnah umgestaltet. In einem ersten Abschnitt wird ab August eine ca. 2.300 m lange Strecke mit Strömungslenkern, Kiesbänken und Kiesdepots ausgestattet. Abflachungen steiler Erosionsufer sollen es der Erle zudem wieder ermöglichen, geschlossene, stabile Bestände aufzubauen und den Wasserkörper zu beschatten. In den kommenden zwei Jahren wird auch der übrige Bachabschnitt bis zur Kreisgrenze bei Siedlung Großenwede renaturiert.


Noch Luft nach oben: Der Lünzener Bruchbach in Ostervesede, der in diesem Abschnitt ab August renaturiert wird, zeigt sich bisher nur bedingt naturnah.

Wie eine gute Renaturierung im Lünzener Bruchbach aussehen kann, hat die Stiftung Naturschutz bereits vor einigen Jahren gezeigt (vgl. Aktuelles vom 4.4.2014). Bereits vor 2 Jahren wurden in der Gemarkung Ostervesede im Rahmen der laufenden Flurbereinigung fast alle Gewässerrandstreifen in einer Breite von jeweils 5 m gesichert und der Stfitung Naturschutz im Landkreis Rotenburg (w.) überschrieben. Auch die alten Kulturwehre im Bereich Westervesede wurden 2012 bereits zu naturnahe Sohlgleiten umgestaltet.

Also gute Aussichten auf dem Weg zum naturnahen Forellenbach !

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9.6.2014: Weitere Renaturierungsmaßnahmen an der Wümme in Lauenbrück geplant. Auf Vorschlag des ASV Forelle Lauenbrück hat der Unterhaltungsverband Obere Wümme umfangreiche Maßnahmen der naturnahen Gewässergestaltung in der Wümme bei Lauenbrück in Auftrag gegeben. Wie in vielen anderen Abschnitten ist der Fluß hier von zunehmender Tiefenerosion, erheblichen Sandeinträgen, instabilen Uferstrukturen, Verlust des Erlenbewuchses und zunehmendem Verlust der Strukturvielfalt im Gewässer betroffen. Infolgedessen ist auch der Fischbestand in den vergangenen Jahren erheblich zurückgegangen.Selbst relativ anspruchslose Arten, wie Rotauge, Häsling, Hecht und Gründling finden in der sich größtenteils als Sandwüste präsentierenden Wümme kaum noch Unterstände, Laichplätze und Nahrung.

Ziele der Fließgewässerentwicklung auf dem 3.000 m langen Abschnitt zwischen Lauenbrück und Rehr sind hier die Erhöhung der strukturellen Vielfalt und die Verbesserung der Gewässerstrukturgüte durch Sicherung und Wiederherstellung stabiler Sohl- und Uferstrukturen, Verhinderung einer weiteren Eintiefung, Minimierung der Sandeinträge, Verbesserung der Habitatbedingungen für die aquatische Fauna sowie die Entwicklung gewässertypischer Erlensäume. Dazu sind auf rd. 3.000 m Gewässerlänge folgende Maßnahmen geplant:

Anlage von Kiesbetten aus gewässertypischen Kiesen und Steinen / Wiederherstellung gewässertypischer pool-riffle-Strukturen (Kolk-Rauschen-Abfolge). Erhohung der Strukturvielfalt mittels Kiesbetten aus gewassertypischen Kiesen und Steinen. Aus fischokologischer Sicht ist ein flachenbezogener Anteil an Kiessubstraten von 10 % bis 20 % in der
Gewassersohle erforderlich/ausreichend, um eine naturliche Reproduktion an Kieslaichern zu gewahrleisten.

Die langerfristige Entwicklung eines Ufergeholzsaumes und eines auetypyschen Geholzbestandes im Bereich der Uferrandstreifen. Zeitnah die Entwicklung von Ufergeholzsaumen und Rohricht- /Grasbestande im Bereich der Abgrabungen der Kiesbanke.

Erhohung der Ausuferungshaufigkeit durch punktuelle Abgrabung und Anlage von Flutmulden. Hierdurch kann die Schleppspannung bei Hochwasserabfluss reduziert und so die Quellen der Versandung minimiert werden.

Daruber soll durch die Sicherung besonders erosionsgefahrdeter Prallufer der fortschreitenden Boschungserosion vorgebeugt werden.

Wümme bei Lauenbrück unterhalb der B75, die auf 3.000 m naturnah umgestaltet wird.

Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt vsl. im nächsten Jahr; geplant sind Investitionskosten von über 370.000 €, die aus Mitteln des Nds. Umweltministeriums und des Landkreises Rotenburg (W.) bereitgestellt werden.

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8.6.2014: Aliens in der Wümme !? Merkwürdige Kreaturen bevölkern zur Zeit die Wümme. In unmittelbarer Nähe der badenden Jugendlichen und Pfingstauflüger schwimmen Vertreter einer ca. 500 Millionen Jahre alten, blutsaugenden Spezies träge über den Grund des Flusses.

   Aliens in der Wümme ? - Kopf undSchwanzspitze der rätselhaften blutaugenden Spezie...

Bei näherem Hinsehen, entpuppt sich das Tier als ein schlagenartiger Fisch, genauer ein sog. fischähnliches Rundmaul, ein Meerneunauge. Selbst Angler bekommen dieses Tier so gut wie nie zu Gesicht, denn das Meerneunauge zählt zu den bedrohtesten und seltensten Arten Niedersachsens.

Ähnlich wie die Meerforelle leben die erwachsenen Meerneunaugen in der küstennahen Nordsee und kommen nur zur Fortpflanzung in die Binnengewässer, wo sie von Ende Mai bis Anfang Juli über kiesig-steinigem Grund ihre Eier ablegen. Durch zahlreiche Ausbaumaßnahmen der Wümme und der Errichtung unzähliger, unüberwindbarer Wehre verloren die Tiere Laichhabitate und Lebensraum. Bis vor wenigen Jahren schien das Meernereunauge in der Wümme ausgestorben.

Erwachsenes Meerneunauge aus der Wümme - eine der seltensten Spezies Niedersachens (Foto: C. Edler)

Seit Schleifung fast aller Wümmewehre und der Anlage zahlreicher kiesig-steiniger Sohlgleiten in den vergangenen 20 Jahren hat sich das Blatt gewendet. Mehrere von Fischereibiologen seit 2010 durchgeführten Kartierungen haben ergeben, dass die untere Wümme bei Fischerhude und Ottersberg inzwischen der bedeutendste Laichplatz der Meerneunaugen in Niedersachsen geworden ist

    Meerneunaugen-Laichplatz im Wümme-Südarm - gut zu erkennen an den hellen, frisch umgedrehten Steinen, die von den Meerneunaugen für den Bau der Laichgrube umgelagert wurden.

Wer das Schauspiel beobachten möchte, kann das z. B. am ehemaligen Wehr 1 des Wümme-Südarms bei Fischerhude tun. Bei gutem Licht und ausgerüstet mit Gummistiefeln/Wathose und einer Polarisationsbrille sieht man die bis zu 1 m langen, fast armdicken Tiere beim Laichen in Gruppen von 2-3 Tieren.
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4.4.2014: Wieder ein Güllebehälter havariert - Jeerbruchgraben bei Schleessel verseucht. Gestern ist es in Schleeßel (Gemeinde Resseum) zu einem Austritt großer Mengen Gülle gekommen, die über  eine landwirtschaftliche Hoffläche und die Gosse der Dorfstraße in den Moorgraben/Weidebach C und anschließend in den Jeerbruchgraben am Rande des Naturschutzgebietes Wiestetal geflossen sind. Ursache war nach Angabe des Besitzers offensichtlich eine unbeabsichtigte Fehlbedienung des Abflussschiebers.

Nachtrag 7.4.: Nach Informationen des Landkreises sind wohl ca. 50.000 bis 100.000 Liter Gülle aus dem Behälter geflossen, also wesentlich mehr als bisher von uns angenommen.

Obwohl die Polizei nach Zeugenaussagen am Donnerstag abend die eilig durchgeführte Reinigung der Straße absicherte und zweifellos eine erhebliche und offensichtliche Gewässerverunreinigung vorlag, wurde die Untere Wasserbehörde als Gefahrenabwehrbehörde erst mit Stunden Verzögerung von dem Vorfall informiert: Ein Zeuge hatte den NABU Rotenburg informiert, der umgehend Meldung an den Landkreis machte.

          Nach intensiver Reinigung: Unscheinbare Reste der Güllehavarie auf der Hoffläche und einem rasch ausgebaggerten Straßengraben lassen am Tag danach nichts Schlimmes vermuten....

Durch die Reinigung von Straße und Hoffläche mit reichlich Wasser wurde das Güllegemisch auf dem Weg in die Gewässer noch beschleunigt. An eine vorherige Abschottung des Straßengrabens hat leider niemand gedacht.


Trotz Reinigung beträgt die Leitfähigkeit im Moorgraben/Weidebach C auch heute stellenweise noch 11,6 mS/cm statt normal 0,3-0,4 mS/cm.

Auf einer Ortsbegehung mussten wir heute feststellen, daß sich die festen Bestandteile der Gülle augenscheinlich bereits auf einer Länge von über einem halben Kilometer in Graben ausgebreitet hatten. Erst auf Anordnung des Landkreises wurde der Graben heute ausgebaggert, um zumindest die festen Bestandteile der Gülle aus dem Gewässer herauszuholen. In welchem Umfang sich flüssige Bestandteile im Gewässer stromab verteilt haben und ggf. auch die Wieste mit giftigen Ammoniakfrachten verunreinigt haben, ließ sich heute abend nicht mehr feststellen. Die aus dem Gewässer gebaggerte Gülle lagert derweil nun fett im Randstreifen des Gewässers.

Nach der Reinigung des Jeerbruchgrabens bleibt eine tief gebaggerte, trostlose und tote Güllewüste zurück. Die ausgebaggerten Güllereste wurden zum Teil direkt im Randstreifen wieder eingearbeitet.

Die Folgen dieses Unfalls sind wieder einmal das Ergebnis der Lobbypolitik des Bauernverbandes, der seit Jahren erfolgreich gegen die von Experten und Anglerverbänden geforderte Nachrüstungspflicht von alten Güllebehältern, z. B. mit Havariewällen kämpft. Wer`s nicht glaubt kann die unglaublichen Thesen des Bauernverbandes zur Ungefährlichkeit von Gülle für Gewässer hier nachlesen.

Und auch der niedersächsische Umweltminister Wenzel sieht offensichtlich keinen Handlungsbedarf alte Güllebehälter mit Havariewällen nachzurüsten, wie aus seiner butterweichen Antwort auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion zu Anforderungen an den Bau und die Unterhaltung von Jauche-, Gülle- und Sickersaftbehältern in Bezug auf den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen hervorgeht.

Für das Nds. Umweltministerium und den Bauernverband haben alte Güllebehälter also ganz offensichtlich einen höheren Schutzstatus als Gewässer...

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4.4.2014: 10 Jahre Gewässerentwicklung am Lünzener Bruchbach in Ostervesede.               Seit ca. 10 Jahren wird eine Teilstrecke des Lünzener Bruchbachs in Ostervesede auf Drängen der Stiftung Naturschutz im Landkreis Rotenburg (W.) in reduzierter Form unterhalten, um eine naturnähere Gewässerentwicklung zu ermöglichen. Ungenutzte Uferrandstreifen wurden vorher von der Stiftung, die hier Flächenbesitzerin ist, bereitgestellt und bieten den nötigen Spielraum für mehr Naturnähe.

Wo früher der Mähkorb jeglichen Erlenbewuchs und viele eigendynamische Entwicklungsansätze unterbunden hat, darf der Bach nun selber gestalten. Unterstützt durch einige Strömungslenker aus Kies und Steinen fängt der Lauf nun an zu pendeln und bildet Tiefrinnen, kleine Kolke, Flachwasserzonen sowie turbulent strömende Rauschen aus. Und immer mehr kleine Erlen befestigen die Ufer und beschatten die Wasseroberfläche. Ein Blick ins Fotoarchiv zeigt, wie sich der monotone Kanal seit 2005 einen entscheidenden Schritt in Richtung naturnaher Forellenbach entwickelt hat.


2005: Intensive Unterhaltung mit dem Mähkorb schafft instabile, gehölzfreie Ufer und erhält den monotonen Gewässercharakter.

2014: Kaum wiederzuerkennen - Unterstützt durch wenige Strömungslenker darf der Lünzener Bruchbach wieder (fast) frei gestalten und entwickelt sich zurück zum naturnahen Forellenbach.

Dieses positives Beispiel hat mit dazu beigetragen, dass in Trägerschaft des Unterhaltungsverbandes ab diesem Jahr der Bach auf mehreren KIlometern naturnah umgestaltet wird.Geplant sind die Anlage von Strömungslenkern und Kiesbetten, die Initiierung von Erlenbewuchs und der Umbau von Sohlabstürzen zu naturnahen Sohlgleiten.

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1.4.2014: Homepage des Deutschen Angelfischerverbands mit Wümme-Meerforellen. Auch der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) berichtet heute wie die Fisch und Fang und der Blinker von der wohlwollenden Antwort des nds. Landwirtschaftsministers zu den Leistungen der Angelfischerei für den Arten- und Gewässerschutz (vgl. Aktuelles vom 25.3.2014). Alle Berichte enthalten zur Illustration übrigens Bilder unseres Projekts, wie z. B. von der Reaktivierung des Fintaualtarms, von der Anlage von Kieslaichplätzen im Lünzener Bruchbach oder von einer prächtigen Meerforellen aus der Fintau.

                                Auszug aus der heutigen DAFV-Homepage

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30.3.2014: Frühlingsboten am Bach als Zeugen der Waldgeschichte. Nicht nur gefährdete Fischarten, auch seltene Pflanzen sind noch an einigen Stellen entlang der Veerse zu finden. Zur Zeit kann man z. B. in einem naturnahen Waldstück eine kleine Kolonie der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior) finden. Im oberen Wümmegebiet gibt es nur noch ca. vier kleine, isolierte Kolonien dieser Art. Außerdem wachsen hier mit Einbeere, Siebenstern, diversen Farnen, Buschwindröschen, Ilex  u.a. weitere Arten, die dem Botaniker zeigen, wie dieser Wald mindestens seit dem Mittelalter bewirtschaftet wurde.

Hohe Schlüsselblumen an der Veerse - Schöner Frühlingsbote und Zeiger für einen "historisch alten Wald"

Besonders artenreich und schützenswert ist dieser Wald, weil er ein sog. "historisch alter Wald" ist, d.h. ein Wald, der im Laufe der letzten 500 Jahre niemals gerodet und als Acker, Heide oder Grünland genutzt wurde. Weil bis zum Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge der frühneuzeitlichen Rodungen und der Heidewirtschaft so gut wie alle Wälder im Rotenburger Raum vernichtet wurden, haben wir hier also eine kleine kulturlandschaftliche Rarität.

Wenn der Wald gerodet wurde, brauchen viele typischen Tier- und Pflanzenarten der Wälder sehr lange Zeträume, zum Teil mehrere Hundert Jahre, bis sie einen aufgeforsteten Wald wieder besiedeln. Neue Wälder sind also i. d. R. artenarm, alte Wälder fast immer artenreich.

Wer sich für regionale Waldgeschichte und die Bedeutung alter Wälder für den Naturschutz interessiert, findet Lesenswertes dazu auf der Homepage der Norddeutschen Naturschutzakademie.

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29.3.2014: Kurz vor dem Start der Flussneunaugen-Laichzeit. Die Laichzeit der Flussneunaugen steht kurz bevor. Den ganzen April über kann man im Wümmegebiet überall, wo Kiese und Steine wieder ins Gewässer gebracht wurden, die Tiere bei der Fortpflanzung beobachten. (Vorausgesetzt, sie können ihre Laichplätze erreichen...)

Besonders gut geht dies zum Beispiel im Wümme-Südarm bei Fischerhude, wo die ehemaligen Wehre 1 und 2 seit 2012 zu naturnahen Sohlgleiten umgebaut wurden. Ein echtes Highlight ist die Laichzeit der beeindruckenden und bis zu 1 m langen Meerneunaugen, die im Juni hier eintreffen.

Wie in 2010 und 2012 hat das LAVES, Dezernat Binnenfischerei auch dieses Jahr eine Erfassung der Fluss- und Meerneunaugenfortpflanzung durch Fischereibiologen in Auftrag gegeben. Die Untersuchungen der Vorjahre hatten das erfreuliche Ergebnis gebracht, dass die Wümme dank der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit und der Neuanlage von Laichhabitaten inzwischen wieder zu den besten Neunaugengewässern Niedersachsens zu zählen ist. Über die Ergebnisse der diesjährigen Kartierarbeiten werden wir laufend berichten.

Naturnahe Sohlgeite am ehemaligen Wehr 2 im Wümme-Südarm - guter Neunaugen-Laichplatz

                                  Noch unberührt: In den nächsten Wochen werden hier die Flussneunaugen den Kies umdrehen und hell leuchtende Laichgrüben anlegen.

           Er hat anderes im Sinn: Dieser Fliegenfischer hat´s wohl auf die erste Frühlingsforelle in der Wümme abgesehen,


... und er geniesst die unerwartet warme Frühlingssonne !

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25.3.2014: Landwirtschaftsminister Meyer bescheinigt Anglern in Niedersachsen große Verdienste im Arten- und Gewässerschutz. Der Landessportfischerverband Niedersachsen berichtet in einer aktuellen Pressemitteilung von unerwartet hohem Lob des grünen Landwirtschaftsministers Christian Meyer für die Angelfischerei in Niedersachsen. Und: Deutlicher als jeder andere grüne Spitzenpolitiker hat sich Meyer gegen die fragwürdigen Argumentationslinien der umstrittenen Tierrechtsorganisation PETA gewandt.

   Voll des Lobes für die Arten- und Gewässerschutzarbeit der niedersächsischen Angelfischerei: ML Christian Meyer (Foto:. Homepage ML)

Hier der Wortlaut der LSFV-Presseerklärung:
„Die Landesregierung misst der Angelfischerei in Niedersachsen einen erheblichen Stellenwert bei“, so der Minister wörtlich. Eine deutlichere Wertschätzung für die Leistungen der Angler in Niedersachsen hätte Christian Meyer kaum finden können: „Herausragend“ nennt er das über 30-jährige Engagement für die Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle. Örtliche Fischereivereine seien in ihrem Einsatz für die Natur „wichtige Partner des Naturschutzes“. Und Kinder und Jugendliche erlernten seiner Meinung nach durch das Ablegen der Fischerprüfung den respektvollen Umgang mit dem Mitgeschöpf Fisch.

In seiner Antwort zu einer kleinen Anfrage der FDP-Landtagsfraktion findet der Minister klare Worte gegen die Aussage der Tierrechtsorganisation PeTA, Kinder würden beim Angeln an den „Haken der Grausamkeit“ genommen und verlernten das Mitgefühl mit anderen Lebewesen. Das Heranführen von Kindern an das Angeln bewirke genau das Gegenteil, urteilt Meyer. „Kinder lernen hierdurch, dass der Verzehr von tierischen Nahrungsmitteln eine hohe Verantwortung mit sich bringt, da er mit dem Töten von Lebewesen verbunden ist. Dies ist eine wertvolle Erfahrung.“ Der Landwirtschaftsminister lobt außerdem die Nachwuchsarbeit der organisierten Angelfischerei, die „den Jugendlichen einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen“ vermittele.

Das Präsidium von Niedersachsens größtem Naturschutzverband, dem Landessportfischerverband Niedersachsen e.V. (LSFV), freut sich über die positive Stellungnahme der Landesregierung: „Wir Angler sind DIE fachliche Instanz, wenn es um den Erhalt und die Wiederherstellung intakter Gewässer
und ihrer Artenvielfalt geht. Unser wichtigstes Anliegen ist, unser Wissen über die nachhaltige Nutzung und den Schutz unserer Gewässer an nachfolgende Generationen weiterzugeben.“

Auch der Landwirtschaftsminister befürwortet diese verantwortungsvolle Nutzung: Fisch aus Niedersachsens Gewässern liefere „einen wertvollen Beitrag zur Eigenversorgung mit frischen, hochwertigen Nahrungsmitteln regionaler Herkunft.

Im Rahmen ihrer gesetzlichen Hegepflicht führen Niedersachsens Angler in einem beispiellosen freiwilligen Engagement hunderte von Programmen zum Schutz bedrohter Fischarten, zur Förderung der Biodiversität und zur Renaturierung von Gewässerlebensräumen durch – meist auf eigene Rechnung.

LSFV - Präsident Werner Klasing fühlt sich durch die Aussagen des Ministers ermutigt, verstärkt Fördermittel und weitreichende ideelle Unterstützung der Landesregierung einzuwerben, um diesem Hegeauftrag gerecht zu werden: „Intakte Gewässerlebensräume sind unser Vermächtnis. Sie sind ein gemeinsames Naturerbe, das wir Angler mit viel Leidenschaft und Aufwand bewahren und nachhaltig nutzen. Genauso wie viele tausend Menschen, die Tag für Tag die Natur an diesen Gewässern zu ihrer Erholung aufsuchen.“

Trotz der lobenden Worte hat der LSFV ebenso klare Forderungen an Minister Christian Meyer. Im Spannungsfeld Landwirtschaft und Gewässerschutz müsse die Landesregierung ihre Aktivitäten deutlich für den Schutz von Gewässerhabitaten verstärken, fordert Ralf Gerken, Gewässerschutz-experte beim LSFV. „Ob bei der Gülleausbringungspraxis oder bei der Anlagensicherheit von Güllesilos und Biogasanlagen: Wir fordern eine konsequentere Einhaltung und Überprüfung der Gesetze zum Schutz unserer Gewässer. Gleichzeitig erwarten wir nachhaltige Maßnahmen für einen besseren Schutz von Gewässerrandstreifen.“

Den kompletten Text von ML Meyer zur kleinen Landtagsanfrage der FDP: „Wie steht es um den Angelsport in Niedersachsen?“, Drucksache 17/1346 finden sie hier.

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24.3.2014: Vermaisung und Landschaftswarte - Wahlkampf im Landkreis Rotenburg . Der Wahlkampf um den Landrats- und die Bürgermeisterposten im Landkreis Rotenburg ist in vollem Gange. Viele umweltpolitische Themen bestimmen die Diskussionen und Wahlkampfauftritte der Kandidaten in der lokalen Presse. Für Sprengstoff sorgen insbesondere landwirtschaftliche Themen.

Für den Vorschlag ehrenamtliche Landschaftswarte zu bestellen, die auf Gemeindeebene für einen besseren Schutz unserer Kulturlandschaft beitragen und auch die Landwirtschaft mit einbeziehen sollen, erntete der Vorsitzende des Umweltausschusses, Volker Kullik ungewohnt scharfe und unsachliche Angriffe. Diese gipfelten u.a. in Stasi- und Nazi-Vergleichen ("Informelle Mitarbeiter" / "Wehret den Anfängen"). Kullik nannte die Vorwürfe, "eine Verhöhnung von Menschen, die in totalitären Regimen leben." Ob es einen Bedarf gibt, Vollzugsdefizite im Naturschutz- und Wasserrecht zu beheben, möge jeder Leser dieser Hompepage selber beurteilen.

Auch die unzweifelhaften, negativen Folgen von Biogasboom und Vermaisung für Böden, Grundwasser und Bäche werden im laufenden Wahlkampf unterschiedlich bewertet. Obwohl objektive Daten vorliegen, die z. B. kürzlich vom NLWKN Verden vor dem Kreisumweltausschuss präsentiert wurden, sorgt nun der amtierende Landrat Herrmann Luttmann für eine aufsehenerregende Interpretation des Problems.

In einer Diskussion vor Abiturienten in der Scheeßeler Eichenschule hat Luttmann einem Bericht der Rotenburger Kreiszeitung zufolge nun geäußert, dass "die Vermaisung ein rein ästhetisches Problem" sei. Welchen Wahrheitsgehalt diese Aussage hat, kann jeder z. B. auf unserer Homepage überprüfen.

Vermaisung unserer Landschaft: "Ein rein ästhetisches Problem" ? ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

11.3.2014: Winter ohne Hochwasser - für die Flussneunaugen wird´s eng. Die Wümme mit ihren Nebenbächen zählt landesweit zu den bedeutendsten Lebensräumen und Fortpflanzungsgebieten des stark gefährdeten Flussneunauges. Für das FFH-Gebiet Wümmeniederung ist das Flussneunauge auch eine der maßgeblichen Arten für die naturschutzfachliche Sicherung und Entwicklung dieser Flusslandschaft.

Die Neunaugen haben in den letzten Jahren enorm von den Lebensraum verbessernden Maßnahmen (v.a. die Anlage von Kieslaichplätzen), aber auch von der weit fortgeschrittenen Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit (Anlage von Sohlgleiten anstelle von Wehren) profitiert.

Die als Elterntiere in der Nordsee lebenden Flussneunaugen ziehen als sog. anadrome Wanderfische in diesen Tagen über die Weser ins Wümmegebiet, um hier ab Anfang April abzulaichen. Angesichts der noch vorhandenen Stauwehre bei Fischerhude-Ottersberg, Hellwege, Ahausen, Unterstedt und Scheeßel sind die relativ schwimmschwachen Tiere dabei auf ausreichend hohe Wasserstände angewiesen, die es ihnen ermöglichen, diese Hindernisse zu überwinden.


Wümmewehr `Schleuse II` bei Unterstedt: Wegen der niedrigen Wasserstände zur Zeit für die Flussneunaugen nicht passierbar.

Weil es aber seit Wochen nicht mehr geregnet oder geschneit hat, sind die Pegel der Wümme auf fast hochsommerliche Werte gesunken. Wie im ebenfalls sehr trockenen Winter/Frühjahr 2013 droht nun auch dieses Jahr ein kompletter Ausfall der Flussneunaugenwanderung ins obere Wümmegebiet. Sollte es in den nächsten Tagen also keine ergiebigen Niederschläge geben, bleiben die Laichplätze in der Veerse, Lünzener Bruchbach und Fintau also vermutlich zum wiederholten Male verwaist.

Aber: Das NLWKN Verden, die Unterhaltungsverbände und die Landkreise Rotenburg und Verden arbeiten intensiv daran, alle Wehre in den nächsten Jahren komplett zu beseitigen und durch Sohlgleiten zu ersetzen. Als nächste Maßnahme wird im Sommer 2014 z. B. die Schleuse III in Ahausen umgebaut. An allen anderen Wümme-Wehr-Standorten laufen zur Zeit intensiv die Planungen, so dass für Meerforelle und Flussneunauge in den nächsten Jahren eine vollständige Durchgängigkeit von der Quelle bis zur Mündung erreicht ist.

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22.2.2014: Novelle der Düngeverordnung weiter aufgeschoben. Die Belastung von Oberflächengewässern mit Stickstoff und Phosphor geht maßgeblich auf landwirtschaftliche Einträge zurück. Die aus Gewässerschutzgründen eingeführten Rahmenbedingungen (Abstände von (1-)3 m zur Böschungsoberkante,  max.170 kg/Stickstoff/ha/a, Verbotszeiträume im Winter etc.) konnten nicht verhindern, dass Grundwasser sowie Fließ- und Küstengewässer vielfach immer noch viel zu stark mit Nährstoffen belastet sind., wie u.a. das NLWKN 2013 für die Fließgewässer und das Grundwasser im Wümmegebiet gezeigt hat. Vollzugsdefizite bei der Einhaltung dieser Regelungen sind auch bei uns leider an der Tagesordnung und mitverantwortlich für die vielfach ausbleibenden Erfolge.


Gülle und Mineraldünger bis in die Böschung - leider auch im Wümmegebiet kein Einzelfall

2013 veröffentlichte der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) der Bundesregierung eine Kurzstellungnahme zum Thema. Er stellte in dem Papier „Novellierung der Düngeverordnung: Nährstoffüberschüsse wirksam begrenzen“ fest, dass das Düngerecht geändert, Regelungen zu Nährstoffvergleichen verbessert, Änderungen im Düngungsmanagement vorgenommen und düngerechtliche Vorschriften besser durchgesetzt bzw. kontrolliert werden müssen (siehe auch Aktuelles - 24.1.2014).

Nach einer kleinen Anfrage zur Novellierung der Düngeverordnung teilt die Bundesregierung nun mit, dass Ende 2014 Verschärfungen im Düngerecht und eine Novelle der Düngeverordnung geplant sind. Viel konkreter wird es allerdings nicht: Das Papier glänzt mit einem unglaublichen Maß an Unverbindlichkeit und gibt zu keiner Frage eine klare Antwort: Man "prüft", "wägt ab", "zieht in Erwägung" oder "äußert sich zu gegebener Zeit". Selbst zu der Frage, zukünftig Nährstoffe aus Biogasanlagen (Gärreste) mit in die Nährstoffbilanz einfliessen zu lassen, wie es alle Experten fordern, gab es nur unverbindliche Antworten.

Die Art, wie die Bundesregierung die Anfrage behandelt, lässt befürchten, dass die Lobbyverbände bis dahin alles daran setzen werden, die erforderlichen Gewässerschutzbestimmungen aufzuweichen.

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16.2.2014: NNA-Seminar zur naturnahen Gewässerentwicklung mit Exkursion an die Ruschwede. Unter dem Titel Kleinmaßnahmen zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern - Finanzierungswege, Konzepterstellung, Hinweise zur Umsetzung haben die Norddeutsche Natuirschutzakademie und die Kommunale Umweltaktion vergangene Woche ein gut besuchtes Seminar durchgeführt. 50 Teilnehmer, vorwiegend aus Angelvereinen, Naturschutz- und Unterhaltungs-verbänden sowie Naturschutzbehörden, konnten durch die hervorragenden Referate von Joachim Wöhler (Nds. Umweltministerium) Peter Sellheim (NLWKN), Heiko Brunken (Hochschule Bremen), Dr. Jens Salva (LFV Weser-Ems) und Dr. Ludwig Tent (Edmund-Siemers-Stiftung) einen guten Einblick gewinnen, wie fachlich gute Gewässerrenaturierung aussehen muss.

Dabei wurde deutlich, dass ein fundiertes Wissen zu gewässerökologisch-naturraumspezifischen Leitbildern und handwerkliches Können die Grundvoraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung sind. Für kleine Maßnahmen mit begrenztem Budget bietet das auch von uns praktizierte Instream-Restaurieren à la Tent eine bewährtes und effizientes Mittel. Gewässertypisch schmale, nicht eingetiefte Profile, Hartsubstrate (Kies, Steine & Holz) und Erlenbewuchs sind dabei als herausragende Habitatstrukturen für Fische und Makrozoobenthos vorrangig wiederherzustellen. Einen Kurzbericht zum Seminar finden Sie auch auf dem Gewässerschutzblog von Ludwig Tent.

Exkursion an die Ruschwede mit Gewässerwart Ralf Gerken (Foto: Kommunale Umweltaktion U.A.N.)

Eine Exkursion führte anschließend an die Ruschwede bei Haswede, wo wir vor einigen Jahren eine etwa 200 lange Strecke durch den Einbau von Kiesbänken naturnah gestaltet haben. Gewässerwart Ralf Gerken zeigte dabei anhand eines dynamischen Modells Grundzüge der nacheiszeitlichen Gewässerentwicklung. Außerdem konnten sich die Teilnehmer spielerisch erarbeiten, dass Kiese, Steine und Holz die dominierenden Lebensraumstrukturen für Fische & Makrozoobenthos der Geestbäche sind, woran sich alle Renaturierungen zu orientieren haben. Ein Handout zur Exkursion finden Sie hier.

Bei der Vorstellung der renaturierten Ruschwede, die hier bis 2013 den besten Forellen- und Mühlkoppenbestand des oberen Wümmegebietes aufwies, wurde auch eine Elektrobefischung durchgeführt: Trotz hervorragender Gewässerstrukturen ist hier auch ein Jahr nach der extremen Silagesickerwassereinleitung im Ruschwede-Quellgebiet nur noch ein Bruchteil der ehemaligen Forellen- und Koppenpopulation nachzuweisen.

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15.2.2014: Arbeitsdienst für Teichmolch, Ringelnatter und Sonnentau: Ein Schwerpunkt der Arbeitsdienste des ASV Forelle Lauenbrück liegt dieses Jahr wieder bei den Ziegeleiteichen. Um dieses landschaftliche Kleinod und den Lebensraum zahlreicher gefährdeter Arten zu erhalten, sind wir in den Wintermonaten kontinuierlich dabei, rasch wachsende Bäume, v.a. Zitterpappeln, Birken und Spätblühende Traubenkirsche, zurückzuschneiden. Durch die Gehölzarbeiten wird der Laubeintrag reduziert und der Lichteinfall erhöht - wichtig, um die fortschreitende Verlandung und die Sauerstoffzehrung in dem flachen Gewässer zu verringern.

Heute haben wir außerdem einen mehrere Hundert Quadratmeter großen Komplex flacher Teiche und Tümpel an den Ziegeleiteichen instandgesetzt. Hier lebten bis vor einigen Jahren noch viele Teichfrösche und Teichmolche. An den Ufern wuchsen zudem zahlreiche Sonnentau-Pflanzen, eine bei uns inzwischen sehr seltene, fleischfressende Pflanze. Auch Eidechsen und Ringelnattern liebten die Ufer und Flachwasserzonen der sonnigen Kleingewässer. Durch den Laubeintrag und die völlige Gehölzbeschattung wurden die Lebensbedingungen für den Sonnentau sowie die Amphibien und Reptilien allerdings immer schlechter.


Die Teichmolch-Tümpel vorher: Verlandet und zugewachsen mit Birken und Pappeln

Wir haben daher den ganzen Kleingewässerkomplex von Gehölzen befreit und stellenweise auch das Laub aus den Gewässern herausgeschaufelt. Neue Offenbodenbereiche geben den ggf. verbliebenen Sonnentausamen die Möglichkeit, wieder auszukeimen. Der Gehölzschnitt wurde zu großen Reisighaufen aufgeschichtet - gute Versteck- und Nistmöglichkeiten für Ringelnattern, Igel, Rotkehlchen und Zaunkönig.


Schweißtreibender Arbeitseinsatz: Gehölzrückschnitt und Laubentnahme aus den Tümpeln 


Lohnendes Ergebnis: Wiederhergestellter und sonniger Lebensraum für Teichmolch, Teichfrosch und Ringelnatter


Hoffentlich wird sich an den Ufern nun der Bestand des lichtliebenden Sonnentaus wieder erholen.

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9.2.2014: Renaturierungsmaßnahmen an der Veerse bei Deepen & Westervesede für 2014 geplant. Auf Initiative und Vorschlag unseres Projektes wurden kürzlich weitere umfangreiche Fördergelder des Landes Niedersachsen sowie des Landkreis Rotenburg (W.) für Gewässerrenaturierungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt. Träger der Maßnahme ist der Unterhaltungsverband Obere Wümme, der hier auf zwei Teilstrecken mit insg. über 3.500 Meter Länge Strömungslenker und Kiesbänke einbauen, Ufer stabilisieren sowie Erlenbewuchs initiieren will.

Um die Ziele des Naturschutzgebietes und der Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen und um den gewässertypischen Fischbestand mit den dominierenden Kieslaichern zu fördern, sind strukturverbessernde Maßnahmen in der Tat erforderlich: Der im Zuge der Rieselwiesenwirtschaft im 19. Jahrhundert begradigte Lauf der Veerse leidet streckenweise unter Tiefenerosion, vielen starken Uferabbrüchen, schwindendem Gehölzbewuchs und einer sehr starken Sandfracht. Wo noch ein alter Erlenbestand vorhanden ist, findet sich aber auch noch eine annähernd gewässertypische Strukturvielfalt. Um Nährstoff-und Sedimenteinträge zu minimieren, müssten hier eigentlich auch Gewässerandstreifen gesichert und ausgewiesen werden, was aber aufgrund fehlender Flächenverfügbarkeit weder in der aktuellen Planung noch in der NSG-Verordnung vorgesehen ist.

Veerse bei Deepen: Streckenweise mit gewässerstrukturierender und schattenspendender Erlen-Galerie. Die Wurzelansätze der Erlen zeigen die in den letzten Jahren  stark zunehmende Tiefenerosion.


Veerse bei Deepen: Wo der Erlensaum fehlt ist der Breiten- und Tiefenerosion Tür und Tor geöffnet. Tonnenweise Sand wird aus Ufer und Sohle ausgespült und überdeckt die für alle Lebewesen wichtigen Kiese, Steine, Holz und Wasserpflanzen.


Veerse bei Deepen - Ackernutzung und Grünlandumbruch im Überschwemmungsgebiet tun das Übrige - Sand und Nährstoffe haben freie Bahn in den Bach.

Rückblick auf 2013 - Illegaler Grünlandumbruch an der Veerse bei Deepen

Während in Westervesede und Barteldorf zahlreiche Flächen aus der Nutzung genommen wurden, hat der Nutzungsdruck in der Deepener Talaue in den letzten Jahren zugenommen. Grünland wurde auf großer Strecke in Acker umgewandelt, so z. B. im Frühjahr 2013 als eine als FFH-Lebensraumtyp streng geschützte, fast 8 ha große Grünlandfläche gesetzteswidrig vernichtet wurde. Der Landkreis hatte daraufhin ein Verfahren wegen Verstosses gegen das Umweltschadensgesetz eingleitet und wegen des sog. Biodiversitätsschaden ein Sanierungsgutachten in Auftrag geben lassen.

April 2013 - Umbruch einer nach FFH-Richtlinie geschützten 8ha-Grünlandfläche im Überschwemmungsgebiet der Veerse.


Selbst der gesetzlich geschützte Randstreifen an der Veerse wurde auf einer Strecke von fast 1 km umgepflügt.


Dabei wurden auch Erlen samt Stubben herausgerodet und so die Uferstruktur auf großer Länge zerstört.


Statt Erlen zu erhalten, wurde zur Ufersicherung vielfach Bauschutt und anderer mineralischer Abfall in die Veerse und ihre Ufer gekippt.

- siehe auch Berichte in der Rotenburger Rundschau vom April 2013 und Mai 2013
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30.1.2014: Veerse wird Naturschutzgebiet. Der Landkreis Rotenburg (W.) bereitet zur Zeit die Ausweisung der Veerseniederung als Naturschutzgebiet vor.Das Gebiet hat eine Größe von 492 Hektar und umfasst auf einer Länge von ca. 12 km die Talaue von Veersebrück bis zur Kreisgrenze bei Deepen.Seit 2004 war dieses Gebiet bereits als sog. Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet gesichert worden.

Die Ausweisung bezweckt u. a. die naturnahe Gewässerentwicklung sowie den Schutz gefährdeter Arten, wie Mühlkoppe, Meerneunauge, Flussneunauge, Bachneunauge, Steinbeißer, Meerforelle, Elritze, aber auch Fischotter und Schwarzstorch - siehe auch Begründung des Landkreises zur NSG-Veerse-Ausweisung

Vorausgegangen war ein monatelanger  intensiver Abstimmungsprozess der Naturschutzbehörde mit allen Interessenverbänden, der maßgeblich zur Entschärfung der anfangs heftigen Kritk der Landwirtschaft geführt hat. Eine Einschränkung der Angelfischerei, die hier durch unser Projekt maßgebliche Förderer des Gewässer- und Artenschutzes sind, ist übrigens nicht geplant. Voraussichtlich im Frühjahr wird der Kreistag den NSG-Entwurf verabschieden.

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29.1.2014: Breite gesellschaftliche Kritik an Biogasförderung und Maisanbau. Nicht nur Angler sehen die Auswüchse der Biogasnutzung zunehmend kritischer. Viele Wissenschaftler und Verbände erkennen die Folgen einer umweltpolitisch aus dem Lot gelaufenen Subventionspolitik.

                          Statt traditionellem erosionsarmen Grünland: Graben und Bäche des Wümmegebietes im Würgegriff des Mais.
  •  So fordert das Umweltbundesamt in einer aktuellen Publikation u.a.: " ...Entscheidend ist, dass bei der fälligen Neuausrichtung der Biogaspolitik sämtliche Aspekte der Biogasproduktion betrachtet werden müssen. D.h. nicht nur ihr Beitrag zur Deckung des Energiebedarfs ist zu berücksichtigen, sondern auch die sonstigen ökologischen, ökonomischen und sozialen Leistungen und Lasten, wie z.B. Folgen für die Pachtpreise, die Milchbetriebe, den Ökolandbau, die Biodiversität, Fruchtfolgen, Klimaschutzbeitrag, Eutrophierung, Erosion, Nahrungsmittel-preise, Agrarhandelseffekte etc."
  • Nach Jahren der lukrativen EEG-Förderung sind in den letzten Jahren deutschlandweit über 7.000 Biogasanlage aus dem Boden geschossen. Das Wümme- und Ostegebiet im Landkreis Rotenburg (W.) ist mit 150 Anlagen zu einem der bundesdeutschen Schwerpunkträume der Biogasproduktion geworden - mit den bekannten Kollateralschäden für Boden, Gewässer und Artenvielfalt. Für die Norddeutsche Naturschutzakademie Anlass genug, Biogas und Gewässerschutz zum Schwerpunkthema des Wümmetages 2013 zu machen, u.a. mit einem kritischem Vortrag aus Sicht des Landessportfischerverbande - "Gewässerschutz auf der Kippe?!".
  •  Bundesregierung plant Kürzung der Biogasförderung. Im Entwurf einer EEG-Novelle will die Bundesregierung nun die sog. Ökostromförderung erheblich senken. Bevor die Novelle in Kraft getreten ist, arbeitet die Biogaslobby aber bereits kräftig daran, dass bestehende Anlagen von Kürzungen verschont bleiben. Für das Wümmegebiet bringt die EEG-Novelle vsl. also keine Veränderungen, da hier bereits fast alle Potentiale für Biogasanlagen ausgeschöpft sind. So wurde nach Jahren des Booms im Jahr 2013 im LK Rotenburg nur eine weitere Biogasanlage genehmigt.
  •  Wasserversorgerverband kritisiert Biogasentwicklung. In ungewöhnlich deutlicher Form äußert sich auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) zu den Auswirkungen der Biogasnutzung auf Oberflächen- und Grundwasserkörper. In einer aktuellen VDK-Verbandsbroschüre "Gewässerschutz und Biomasseanbau" warnen mehrere Wasserversorgerverbände vor einer irreversiblen Nitratüberlastung ganzer Grundwasserkörper und fordern u. a. ein rasches und deutliches Gegensteuern der bisherigen Förderpolitik und schärfere gesetzliche Vorgaben beim Biomasseanbau und Düngerecht.   
             
  • Selbst das Landvolk Rotenburg räumt ein, dass der Biogasboom viele landwirtschaftliche Existenzen bedroht und den Strukturweandel zu immer größeren Betrieben forciert. Carsten Hipp vom Rotenburger Landvolkverband beklagt die u.a. durch die lukrativen Biogasanlagen verursachte Zunahme der Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen, die z. B. für Klein- und Milchviehbetriebe immer problematischer wird- siehe aktuelle Rotenburger Rundschau vom 26.1.2014 - Ächzen unter hohen Preisen

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26.1.2014: Gülle läuft aus Biogasanlage aus. Rund 2.000 m² Gülle sind heute aus einem Silorohr in einer Biogasanlage in Brokenlande im Kreis Segeberg (Schleswig-Holstein) ausgelaufen. Ursache war offensichtlich ein abgerissenes Ventil. Obwohl ein dafür angelegter Wall, die Gülle weitgehend auf der Hoffläche halten konnte, ist Gülle auch in einen angrenzenden Bach gelaufen - ökologische Folgen bisher unbekannt. Auch der NDR berichtete.

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26.1.2014: Silageproblem an der Wörpe - eine unendliche Geschichte I? Der Oberlauf der Wörpe bei Steinfeld, nahe Zeven wird seit Jahren immer wieder von erheblichen Gewässer-verunreinigungen und Fischsterben heimgesucht. Vor allem die Einleitung von Silagesickerwasser belastet den Bach immer wieder.

In Sorge um die Wasserqualität hat der Fischerei- und Gewässerschutzverein Lilienthal und Umgebung den Landkreis Rotenburg im Jahr 2010 (siehe Bericht des Weserkurier v. 1.10.2010) über den unzulässigen Betrieb einer sog. Feldmiete (unbefestigtes, temporäre Lagerfläche) unterrichtet. Die Feldmiete wird nicht wie vorgeschrieben jährlich an einen anderen Standort verlegt, sondern wird jedes Jahr mit frischem Erntegut wieder am gleichen Standort neu errichtet. Außerdem liegt das Grundwasser weniger als 2 m unter der Oberfläche, so dass hier gar keine Feldmiete hätte errichtet werden dürfen. Insgesamt ein klarer Verstoss gegen den Feldmietenerlass und die Anlagenverordnung VAwS.

Um diese unhaltbaren Zustände zu beheben, wurde vom Landkreis Anfang 2011 eine Baugenehmigung zum Bau einer befestigten, flüssigkeitsdichten Siloplatte erteilt, die Sickersäfte auffangen kann und so die Gefahr für Boden, Grundwasser und Gewässer verhindert.

Martin Schüppel, Artenschutzbeauftragter des Landessportfischerverbandes, berichtet nun in der Zevener Zeitung, dass sich, mehr als drei Jahre nach seiner Meldung, immer noch nichts getan hat.

Feldmiete an der Wörpe bei Steinfeld im Januar 2014 - trotz Auflage des Landkreises zur Herstellung einer ordnungsgemäßen Siloplatte aus dem Jahr 2010 sickert hier immer noch die Suppe in den Boden. Im Hintergrund der Oberlauf der Wörpe.

                                                                            Stark erhöhte Leitfähigkeit im Sickerwasser der Feldmiete; 1.974 µS/cm; Kennzahl für eine massive Verunreinigung

Die Zevener Zeitung berichtet hierzu: "Am Silage-Lager nahe der Wörpe hat die Rotenburger Kreisbehörde nichts auszusetzen. Sie gab dem Landwirt Anfang 2011 eine Baugenehmigung für eine Siloplatte. Das sagte gestern Gert Engelhardt, Amtsleiter für Wasserwirtschaft. Eine Siloplatte hat einen festen Standort, der nicht jedes Jahr wechseln muss. Gärfuttersilo und Auffangbehälter müssen von Gewässern mindestens 50 Meter entfernt sein. Ob die gesamte Anlage dicht ist, wolle seine Behörde in den kommenden Tagen überprüfen, kündigt Engelhardt an." - siehe auch den Bericht der Zevener Zeitung vom 22.1.2014. Auf das Ergebnis der Prüfung sind wir gespannt.

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25.1.2014: Fisch des Jahres 2013 und 2014. Zwei neue Flyer zum Fisch des Jahres 2013 und 2014 hat der Landessportfischerverband Niedersachsen kürzlich herausgegeben.

Bachforelle und Meerforelle, die Leitarten unseres Projektes, werden als Fisch des Jahres 2013 im ersten Flyer vorgestellt, den Sie hier als pdf-datei herunterladen können. Auf der Geschäftsstelle des Landessportfischerverbandes bekommen sie ihn auf Anfrage auch in Papierform.



In einem zweiten Flyer wird der Europäische Stör (Acipenser sturio), Fisch des Jahres 2014, vorgestellt, der in unserem Nachbarfluss, der Oste, vor einer aufsehenerregenden Rückkehr steht. Die Oste-Aktivitäten sind eingebettet in den Nationalen Aktionsplan zum Schutz und zur Erhaltung des Europäischen Störs.  Weitere Infos zur beispielhaften und ambitionierten Wiederansiedlung des Störs an der Oste, finden Sie auch auf den Internetseiten  www.oste-stoer.de und www.sturgeon.de

Flyer zum Download - klick aufs Bild !

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24.1.2014: 2.200 Ausnahmen vom Gülleausbringungsverbot in Niedersachsen. Um das Grundwasser und angrenzende Bäche und Flüsse vor übermäßigen Nährstoffeinträgen zu schützen, gelten in Niedersachsen v.a. im Winterhalbjahr Einschränkungen bei der Düngemittelausbringung. So ist eigentlich bis 31.1. die Gülledüngung grundsätzlich verboten -siehe Nds- Düngeverordnung.

Grundsätzlich heisst: Es gibt Ausnahmen. Wie uns die Landwirtschaftskammer Oldenburg heute mitgeteilt hat, wurde in Niedersachsen in diesem Winter 2.200 landwirtschaftlichen Betrieben die Ausnahmegenehmigung erteilt, schon im Januar stickstoffhaltige Dünger auszubringen. Ob bei der Erteilung der Ausnahmegenehmigungen fallbezogen auch Gewässerschutzbelange eine Rolle spielen, entzieht sich unserer Kenntnis, zumindest sind Zweifel angebracht.

Gülledüngung im Spätwinter und ohne Abstände zu Gewässern ...

Unsere Erfahrungen der Vorjahre zeigen, dass eine Januardüngung v.a. in Gewässernähe nicht viel mit grundwasser- und gewässerschonender Landwirtschaft zu tun hat. Die Gefahr einer oberflächlichen Abspülung oder ungenutzten Ausschwemmung ins Grundwasser ist zu dieser Zeit v.a. auf den schwach bindigen Sandböden des Wümmegebietes enorm hoch.

Wir begrüßen daher die von der Landes- und Bundesregierung geplante Verschärfung des Düngerechts, die auch vom Bericht des Sachverständigenrat der Bundesregierung im August 2013 zur Novellierung der Düngeverordnung dringend empfohlen wurde.

    ....führt oft zu solchen Ergebnissen: Algenblüte trotz Frosttemperaturen.

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23.1.2014: Gewässerverunreinigungen des Jahres 2013 im Landkreis Rotenburg. Weitgehend umbemerkt von der Öffentlichkeit hat nun der Landkreis Rotenburg Ende 2013 eine Zusammenstellung der bekannt gewordenen Gewässerverunreinigungen des vergangenen Jahres auf seiner Homepage veröffentlicht. Hauptursache der Verunreinigungen ist die Landwirtschaft: Vor allem durch Missachtung gesetzlicher Vorgaben bei der Silagelagerung, aber auch durch Unfälle und menschliches Versagen an Güllebehältern und Öltanks kam es zum Austritt von Schadstoffen. Eine Übersicht finden Sie hier: Bekannt gewordene Gewässerverunreinigungen 2013 im LK ROW.

Verbesserungen im Gewässerschutz im Lk Rotenburg angeschoben

Diese neue Transparenz ist u.a. das Ergebnis unserer zahlreichen Gespräche mit dem Landkreis und den Fraktionen des Kreistages. Vor allem der Vorsitzende des Umweltausschusses, Volker Kullik und der Abgeordnete M. Damberg haben sich unserer Probleme angenommen und das Thema Biogas-Gewässerschutz immer wieder auf die Tagesordnung gebracht. Auch die Verwaltungsspitze des Landkreises hat 2013 endlich eine erste Aufstockung der personellen Ausstattung der Wasserbehörde veranlasst und offen die lange Zeit bestrittenen Vollzugsdefizite bei der Anlagenüberwachung eingeräumt. Angesichts von 150 Biogasanlagen, ca. 1.500 Güllebehältern und Silagelagerungen in unbekannter Zahl sind dies erste Schritte in die richtige Richtung.

Die Gewässerverunreinigungen im benachbarten Heidekreis sind dagegen nicht öffentlich dokumentiert. Hier kam es im April 2013 zu einer massiven Verunreinigung der oberen Ruschwede. Von Insel bis nach Fintel war der Bach im Februar und März mit Abwasserpilzen bedeckt, was auf mehreren Kilometern zur fast völligen Zerstörung der Meer- und Bachforellenbrut des Jahres führte.

 
Illegale Form der Silagelagerung im Quellgebiet der Ruschwede: Scheinbar harmlose Sickersäfte, die nicht ordnungsgemäß aufgefangen werden, führen 2013 zu massive Beeinträchtigungen: Bis nach Fintel war die Ruschwede von Abwasserpilzen bedeckt. Die gerade schlüpfende Forellenbrut in den vollständig verplizten Kiesbetten ging elendig zugrunde.


         Ruschwede 1 km unterhalb der Einleitung: Abwasserpilze

       Ruschwede 6 km unterhalb der Einleitung bei Haswede: Abwasserpilze.


Ruschwede 9 km unterhalb der Einleitung bei Fintel: Abwasserpilze

Bei einer stichprobenhaften Kontrolle im März 2013, mussten wir im Quellgebiet der oberen Ruschwede bei weiteren 5 von 6 Biogasanlagen erhebliche Verstösse gegen wasserrechtliche Auflagen feststellen, hier einige Eindrücke:

Silage quillt über den befestigen Rand und sickert in den Boden und den angrenzenden Graben.

Illegale gestaltete Feldmiete mit  unsachgemäß gelagertenSilageresten und hoch anstehendem Grundwasser

Aber auch im Landkreis Harburg: Erschreckende Bilder, z. B. von einer Biogasanlage am Rande des NSG Obere Wümmeniederung. Offensichtlicher als hier, kann man als Betreiber die unsachgemäße Silagelagerung eigentlich nicht dokumentieren. Merkwürdig, dass dies trotz seiner Lage an einer großen Kreisstraße wochenlang niemandem aufgefallen ist.


Silagelagerung: Sickersäfte quollen wochenlang über die Lagerfläche, brachten das Gras zum Absterben und verunreingten  das oberflächennah anstehende Grundwasser ...


.. und den Graben am Rande des Naturschutzgebietes Obere Wümmeniederung.
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Gewässerverunreinigungen bis 2012 im LK ROW dokumentiert

Eine von uns initiierte Anfrage der Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände im Landkreis Rotenburg hatte bereits 2012 erschreckende Zustände offenbart: Für den Zeitraum 2004-2012 sind beim Landkreis aktenkundig geworden: 21 Schadensfälle an Biogasanlagen und 12 Schadensfälle an Güllebehältern, bei denen es zu überwiegend zu erheblichen Verunreinigungen von Boden, Grundwasser und Oberflächengewässern gekommen ist. Eine Statistik zu den Schadensfällen an den Hunderten von Silagelagerflächen, die nicht im Zusammenhang mit Biogasanlagen betrieben werden, liegt leider nicht vor. Eine tabellarische Zusammenfassung der Schadensfälle an Biogas- und Güllebehälter finden Sie hier: Biogasfälle bis Mai 2012 / Güllebehälterfälle bis Mai 2012.

  Bekannt gewordene Schadensfälle für Boden, Gewässer und Grundwasser im LK ROW bis Mai 2012 (Daten vom Landkreis Rotenburg / Wümme), hier die Karte in besserer Auflösung.

Sicher ist diese Liste nicht vollständig und die Dunkelziffer ungewiss. Aber auch die nun bekannten Zahlen zeigen eindrücklich, dass hier weiterhin ein waches Auge bei der Anlagenüberwachung erforderlich ist.

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19.1.2014: Meerforellen-Laichsaison abgeschlossen. Vor wenigen Tagen haben die Meerforellen das Laichgeschäft in Fintau, Ruschwede, Veerse und Lünzener Bruchbach abgeschlossen. Anders als bei allen anderen Meerforellenwiederansiedlungsprojekten in Niedersachsen geschieht dies bei uns seit drei Jahren ohne jegliche Störung durch Elektrobefischungen und künstliche Erbrütung. Auf den Videos von Rainer Stamm ist sehr schön zu sehen, wie jeweils ein großes Männchen als "Platzhirsch"die Laichgrube des laichenden Weibchens vor aufdringlichen Konkurrenten schützt - wichtig für die natürliche Partnerwahl und unbeeinflusstes survival of the fittest.

Nach den erheblichen Verlusten an der Forellenbrut im Lünzener Bruchbach und der oberen Ruschwede durch Silagesickersäfte und Biogashavarien in 2012 und 2013 hoffen wir, dass die Folgejahre ohne weitere bestandsgefährdende Katastrophen ablaufen.


Frustrierender Anblick - Erfolglose Versuche das Wümmewehr in Scheepßel zu überwinden - klickt aufs Bild

Für die meisten Meerforellen war es bis dahin ein hartes Stück Arbeit. Am Wümmewehr in Scheeßel stauten sich zeitweise zahlreiche aufstiegswillige Fische,die tage- bis wochenlang erfolglos versuchten, das Hindernis auf ihrem Weg zu den Laichplätzen zu überwinden. Dank eines Hochwassers und der Gemeinde Scheeßel, die im Dezember auf unsere Bitte das Wehr so weit wie möglich absenkte, kam es dann doch noch zu einem happy-end ....

  Frisch geschlagene Meerforellen-Laichgruben in der Veerse (links) un der Fintau (rechts)
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18.1.2014 - Neues von der Scheeßeler Mühle - Planungsauftrag für Fischpass vergeben !
Zehn Jahre nach unseren ersten Bemühungen für die Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit an der Scheeßeler Wümme, scheint sich auch hier alles zum Guten zu wenden. Nachdem hier 10 Jahre nahezu alles Wasser für die subventonuierte Stromerzeugung genutzt  und zum Ausquetschen der letzten Kilowattstunde genutzt wurde, sind nun die politischen Weichenstellungen für einen gewässerökologischen Interessenausgleich gelegt Ein Jahr nach der Beschlussfassung der Gemeinderates und zahlreichen Hintergrundgesprächen hat nun der Gemeinderat einem Planungsbüro den Auftrag zur Erstellung einer Genehmigunsplanung vergeben. Ziel der Planung ist der Abriss des alten und die neuanlage eines großen Fischpasses nach dem Stand der Technik, der mit einer Mindestwassermenge von 400 l/s beaufschlagt wird.

Nachdem er sich jahrelang allen Versuchen zu einem angemessenen Interessenausgleich zu kommen entzogen hat, versucht der Wasserkraftbetreiber nun auch mit rechtlichen Mitteln eine alternative Lösung durchzusetzen und droht mit jahrelangen Prozessen durch alle Instanzen- siehe
Schreiben an die Untere Wasserbehörde vom 31.12.2013. (Nachtrag: Schreiben nicht mehr online !)

Sowohl die Gemeinde, als auch der Landkreis, das NLWKN und das Umweltministerium haben aber seit langem diese Alternativplanung als aus rechtlichen Gründen nicht umsetzbar bewertet und deshalb verworfen.

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24.12.2013 - Neuanfang: Warum wir weiter machen !

Nach den unsäglichen Vorfällen in den letzten beiden Jahren, von denen die Biogasanlagen- und Güllesilounfälle sowie die Sickersaftschlampereien nur die Spitze des Eisberges darstellten, wollen wir uns nun wieder kritisch, konstruktiv sowie als Anwalt unserer Gewässer und Fische zu Wort melden. Wir danken allen Freunden und Unterstützern, die uns ermuntert haben, weiter zu machen und nicht das Handtuch zu werfen.

   Leider kein Bild mit Seltenheitswert - Durch Biogas-Silage verseuchter Graben (Oberlauf der Ruschwede)
 
In den nächsten Tagen und Wochen werden wir versuchen, die Entwicklung in Sachen Gewässerschutz der letzten 20 Monate aufzuarbeiten.

Es ist sicher auch unser Verdienst, dass nach den massiven Verunreinigungen des Lünzener Bruchbachs durch die Biogasanlage in Schultenwede, der Ruschwede durch diverse Silagesickersafteinleitungen und der Bade durch die geplatzte Rohrleitung eines Güllesilos, Behörden und Politik auf Landkreis- und Landesebene nun endlich anfangen, dieses Gefahrenpotential mit der gebotenen Intensität wahrzunehmen. Erste Schritte für eine bessere Anlagenüberwachung und -sanierung wurden eingeleitet; sowohl vom Landkreis Rotenburg als auch vom Heidekreis haben wir die feste Zusage, dass alles getan wird, z. B. durch Einstellung zusätzlichen Personals, dass sowas nicht wieder passiert. Wir werden das kritisch beobachten und hoffen, dass dieses Versprechen im behördlichen Alltag auch langfristig Bestand hat.

Die Schäden am Fischbestand durch die o.g. Unfälle in Lünzener Bruchbach, Ruschwede und Bade sind enorm, auch wenn in der Presse zwischenzeiltich die Meldung verbreitet wurde, (fast) alles sei wieder in Ordnung.


Die landwirtschaftlichen Kollateralschäden v.a. an den kleineren Gewässern, durch fehlende Randstreifen, Ackernutzung bis in den Böschungskante, unsachgemäße Düngeausbringung halten weiterhin an. Infolge des unsäglichen Biogasbooms und mangelhafter Umsetzung von Gewässerschutzvorschriften sind die Bäche des Wümmegebiets wohl noch auf Jahre dieser Geißel unterworfen.

Trotz dieser düster wirkenden Hintergrundkulisse gibt es aber auch viele positive Impulse:

Die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Wümme und einiger Nebenbäche macht, wie in kaum einem anderen Flussgebiet Niedersachsens, enorme Fortschritte. Dank einer beispielhaften Kooperation von NLWKN Verden, den Unterhaltungsverbänden Untere, Mittlere und Obere Wümme, den Landkreisen Verden, Rotenburg und Heidekreis fällt zu unserer Freude ein Wehr nach dem anderen und weicht Sohlgleiten. Selbst an der Scheeßeler Mühle, wo wir seit mittlerweile 10 Jahren für einen Fischpass kämpfen, steigt die Gemeinde in diesen Tagen in die Genehmigungsplanung ein.

Umbau des Rodauwehres an der Godemühle in Rotenburg zu einer Sohlgleite (April 2013)

Die aktive naturnahe Gewässergestaltung hat in den letzten drei Jahren eine enorme Dynamik aufgenommen. Nachdem bisher -  i. d. R. auf Vorschlag unserer Angelvereine - meist kleinere Maßnahmen umgesetzt wurden, soll nun der gesamte Lauf der Ruschwede, große Teile des Lünzener Bruchbaches und der Fintau und zahlreiche andere Gewässer in Trägerschaft des Unterhaltungsverbandes Obere Wümme naturnah ungestaltet werden. Auch wenn wir teilweise Verbesserungsbedarf bei der  fachlichen Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen sehen und diesen auch deutlich formulieren, begrüßen wir das Engagement der Unterhaltungsverbände außerordentlich ! Auch wir werden 2014 weitere Kieslaichplätze anlegen.

In den von Gewässerverschmutzung verschonten Abschnitten von Fintau und Veerse pflanzen sich unsere Meerforellen weiter erfolgreich fort. Nachdem wir seit mittlerweile 3 1/2 Jahren keinen Besatz mehr tätigen, haben wir allen Skeptikern zum Trotz streckenweise ein enorm hohes, natürliches Aufkommen kleiner Meerforellen - in dieser Form wohl einmalig in Niedersachsen !

Viele kleine und große Unterstützer und Gewässerfreunde in Behörden, Verbänden und Politik machen uns Hoffnung, dass es möglich ist, unsere Bäche nachhaltig zu sichern und zu verbessern.  Also viel Arbeit und viel zu berichten - bleiben Sie uns treu und empfehlen uns weiter !

So, nach so viel Text nun ein erstes optisches Schmankerl: Unser Freund Rainer Stamm hat tolle Video-Aufnahmen laichender Meerforellen in der Fintau und Veerse gemacht. Bilder, die Mut machen für neue Taten.

   Video: Laichende MeFos in der Fintau                        Video: Laichende MeFos in der Veerse

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5.11.2013
: Es geht weiter !!!!
Nach 1,5 Jahren biogas- und agrarbedingter Sendepause - siehe Aktuelles 2012 - in Kürze hier wieder
Aktuelles, Brisantes,Skandalöses, Innovatives, Hintergründiges, Erfreuliches,Spektakülares rund um Meerforelle, Fischfauna, Gewässer, Gewässerschutz, Wasserrahmenrichtlinie, Politik, Verbände u.v.m