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30.4.2012: In eigener Sache: Ende der Webseitenbetreuung und der Gewässerwartetätigkeit

Die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, dass sowohl die wasserwirtschaftlich-landwirtschaftlichen als auch die behördlichen Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Weiterführung unseres Projektes nicht mehr gegeben sind.

Der Zustand fast aller Gewässer im oberen Wümmegebiet zeigt seit Jahren einen eindeutig negativen Trend in Richtung schlechter Zustand. Die Sandfrachten erreichen inzwischen derartige Ausmaße, dass viele einst inidividuen- und artenreiche Gräben und Nebenbäche fast fischleer geworden sind. Gesetzliche Abstandsregelungen bei der Dünge- und Pestzidaufbringung werden in der Praxis der Bewirtschaftung durchgehend ingnoriert.  Wo früher erosionsarmes Grünland die Bäche säumte, wurde in unzähligen Fällen selbst im gesetzlich geschützten Randstreifen verbotener Weise Ackerland umgebrochen, wo nun auf großer Länge Mais bis in die Gewässerböschung angebaut wird und Sand-, Gülle- und Pestzideinträge auf der Tagesordnung stehen.

Unsere jahrelangen Versuche, hier auf dem Wege der Überzeugung Verbesserungen im behördlichen Vollzug herbeizuführen, müssen als vollständig gescheitert angesehen werden.

Die vereinzelten von uns durchgeführten Gewässerrenaturierungen sind angesichts dieser Umstände ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Aufgrund eindeutiger Aussagen der zuständigen Behörden, gehe ich weiterhin davon aus, dass die zahlreichen Biogasanlagen, Güllebehälter und Silagelagerflächen nicht im ausreichenden Maße im Sinne des Gewässerschutzes nachgerüstet werden. Ich erwarte daher für die nächsten Jahre ähnliche schwere katastrophale Havarien, die ganze Gewässersysteme und deren Fischbestände auslöschen werden.

Besonders frustrierend war zudem die Erkenntnis, dass sich im Zuge der aktuellen Gülle-und Biogashavarien nicht eine staatliche Stelle für die biologische Qualitätskompente Fischfauna zuständig fühlte. Es scheint so, dass ohne unsere ehrenamtliche Tätigkeit selbst schwerste Gewässer-verunreinigungen in Bezug auf die Fischfauna völlig undokumentiert und unbearbeitet bleiben.

Da ich nicht davon ausgehe, dass sich diese Rahmenbedingungen auf absehbare Zeit maßgeblich ändern werden, halte ich die langfristig erfolgreiche Fortführung unseres ehrenamtlichen Projektes für wenig aussichtsreich. Trotz größter Anstrengungen können wir offenbar keine nachhaltigen und essentiellen Impulse in Richtung besserer Gewässer und gesetzeskonformer Randbedingungen setzen, sondern reiben uns stattdessen erfolglos an den zum Teil haarsträubenden Randbedingungen auf.  Daher stelle ich meine Arbeit als Betreuer dieser Webseite und als Gewässerwart unserer Angelvereine bis auf Weiteres ein.

Über die Weiterführung unseres Projektes werden sicherlich die Verantwortlichen unserer Vereine zeitnah entscheiden.

gez. Ralf Gerken, Webadministrator & Gewässerwart

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11.4.2012: Weiteres Fischsterben nach Güllesilo-Havarie im Ostegebiet / Skandalöse Zustände an Güllebehältern !

Fassungslos müssen wir innerhalb weniger Tage das zweite schwere Fischsterben im Landkreis Rotenburg (W.) zur Kenntnis nehmen. Am gestrigen Dienstag nachmittag kam es an in Badenstedt bei Zeven zu einem Störfall an einem Güllebehälter, aus dem ca. 200 m³ (!!!!) Gülle in die unmittelbar angrenzende Bade flossen, einem kleinen, ca. 5 m breiten Nebenfluss der Oste. Der örtliche Angelverein Badenstedt-Bademühlen, der das Unglück als erster der Polizei meldete, konnte nur noch hilflos mit ansehen, wie unzählige Meerforellen, Bachforellen, Häslinge, Gründlinge, Barsche und Stichlinge auf großer Strecke elendig verendeten.

  Opfer der Güllesilo-Havarie in der Bade: Unzählige Meerforellen, Bachforellen, Häslinge. Gründlinge, Barsche, Rotaugen, Stichlinge usw.

  Stehen der Gewässerkatastrophe in der Bade fassungslos gegenüber: Hans Peter Wennholz und Ralf Behrens vom Angelverein Badenstedt/Bademühlen, mit einem kleinen Teil der verendeten Fische.

Ähnlich wie bei der havarierten Biogasanlage in Schultenwede steht auch in Badenstedt der Güllebehälter direkt auf der Talkante der Badeniederung und weist keinerlei (!!!) Rückhalteeinrichtungen auf, die den Gülleeintrag in den Bach verhindern könnten. Stattdessen läuft 4 m neben der Anlage ein Graben entlang, der dafür sorgt, dass die tödliche Fracht auf schnellstem Wege in die Bade floss.

Ursache der Havarie war nach ersten Ermittlungen der Polizei ein durch mechanische Einwirkung abgerissener Verschlussschieber am Güllebehälter, das zudem noch in unfassbarer Holz-!!!-Bauweise errichtet wurde. Die Sicherheit des ganzen Bachsystems der Bade hing hier an einem maroden Schieber, ohne dass es irgendwelche Sicherungsmaßnahmen gab....                                       Für uns ist es unfassbar, dass solche "Gewässerkiller" immer noch ohne erkennbare behördlichen Gewässerschutz-Auflagen weiterbetrieben werden !

  Ursache der Havarie: Durch den abgerissenen Verschlusschieber flossen 200 m³ Gülle in die Bade

    Die Sicherheit des ganzen Bachsystems hing an diesen einen, nun gebrochenen Verschlussschieber ....

   Ohne von irgendwelchen Schutzwällen aufgehalten zu werden, flossen die 200 m³ Gülle in den nur 4 m vom Silo entfernten Graben, der nach weiteren 30 m in die Bade mündet. Von der Gülle ist übrigens nicht mehr viel zu sehen, da der gesamte Bereich offensichtlich mit viel Wasser intensiv gereinigt wurde.

Wie zuvor in Schultenwede hat der Betreiber der Anlage nach dem Unfall keine Meldung an die Polizei oder Wasserbehörde gemacht, sondern versuchte das Problem auf eigene Faust in den Griff zu bekommen.

Die Bade ist übrigens eines der besten Aufwuchsgewässer für die Meerforellenpopulation des Oste-Systems, die bekannter Weise als Lachs-Fluss Nr. 1 in Deutschland gilt. Das alles scheint beim Betrieb und Überwachung gewässergefährdender Anlagen offenbar aber keine Rolle zu spielen. Für uns sind das skandalöse Zustände, die offenbar nicht nur Einzelfälle darstellen. Wenn nun keine rechtlichen und politischen Konsequenzen aus den Havarien der letzten Tage gezogen werden, ist der Gewässerschutz bei uns offenbar keinen Pfifferling mehr wert !

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5.4.2012: Biogas-Havarie - Fischpopulationen im Lünzener Bruchbach ausgelöscht, Sanierungsarbeiten laufen; Umweltminister Birkner vor Ort

Seit gestern laufen die ersten Kontrollbefischungen, um den Schaden an Lünzener Bruchbach und Veerse durch die Biogashavarie am 1.4.2012 zu  dokumentieren - bisher mit vernichtender Bilanz; die Gegenstand der gerade herausgegebenen Pressmitteilung ist (hier auch als pdf-Datei PM vom 5.4.2012 Wertvolle Fischpopulationen ausgelöscht).

Pressemitteilung vom 5.4.2012:

Biogashavarie: Wertvolle Fischpopulationen ausgelöscht                         Erste Untersuchungsergebnisse dokumentieren eine vernichtende Bilanz

Westervesede/Ostervesede (r). Nach der Havarie an der Biogasanlage in Schultenwede (Heidekreis) hat der Landessportfischerverband nun begonnen, zusammen mit der Naturschutzbehörde die im Lünzener Bruchbach angerichteten Schäden eingehend zu dokumentieren.

  Gewässerwart Ralf Gerken auf der Suche nach überlebenden Fischen im Lünzener Bruchbach .....

    Ergebnis: Nur tote Fische; außer drei kleinen Aalen, die deutliche Schäden (große Blutungen in der Haut) zeigen

Wie Ralf Gerken, Sprecher des Landessportfischerverbandes, mitteilt, laufen zur Zeit die gutachterlichen Beweissicherungen aber erst an. In ersten Befischungen am Lünzener Bruchbach bei Ostervesede konnten die Angler in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde den völligen Zusammenbruch der Bestände aber bereits dokumentieren. So herrscht auf einer 400 m langen Teilstrecke des Baches, wo in den vergangenen Jahren bei Bestandskontrollen bis zu mehrere Tausend Klein- und Jungfische von Elritze, Mühlkoppe, Bachschmerle, Meerforelle, Bachneunauge u. a. Arten dokumentiert wurden, nun eine gespenstische Leere.

       Vernichtete Artenvielfalt aus dem Lünzener Bruchbach

Der größte Teil der abgestorbenen Fische sei bereits von der Strömung abgetrieben worden oder liegt verborgen im Schlamm des Bachgrundes. „Außer drei, teilweise stark geschädigten Aalen und einem Bachneunauge, ist hier kein lebender Fisch mehr vorhanden“, so Gerken. „In den nächsten Tagen und Wochen werden wir mit Hilfe eines Sachverständigen auch an anderen Strecken den Schaden genau dokumentieren. Nach meiner Einschätzung sind von der Havarie vermutlich Zehntausende Individuen betroffen, davon zum erheblichen Teil stark gefährdete und geschützte Arten.

                                                        Vernichtete Artenvielfalt am Lünzener Bruchbach

Vor allem der Zusammenbruch des Elritzen-Bestandes ist für die Angler und Gewässerschützer eine Katastrophe. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Naturschutz hat der Angelverein Westervesede durch Renaturierungsmaßnahmen die letzte Population dieser bis zu 8 cm langen Fische im oberen Wümmegebiet vor dem Zusammenbruch gerettet. „Nachdem wir zahlreiche Laichplätze aus Kies angelegt haben, konnten wir hier vor drei Jahren erstmals Tausende Jung-Elritzen nachweisen, die sich nach und nach auch in andere Abschnitte des Lünzener Bruchbaches ausgebreitet haben. Diese wertvolle Population ist nun wohl ausgelöscht “, bestätigt Heike Vullmer von der Stiftung Naturschutz des Landkreises die traurigen Erkenntnisse.

Dank der Wiederanlage von Kiesbetten im Bereich Ostervesede hatten auch die stark gefährdeten Flussneunaugen in den vergangenen Jahren immer größere Bereiche des Lünzener Bruchbaches zurückerobert. Die Anfang April zum Laichen vom Meer aufwandernden Tiere hat die Dreckwelle vermutlich voll erwischt. Mehrere Gruppen von Flussneunaugen, die während des laufenden Laichgeschäfts dahingerafft wurden, konnten von den Anglern noch geborgen werden.

Auch für die seit Jahren laufende Wiederansiedlung der Meerforelle hat der Havariefall enorme Folgen. Denn 2010 konnte im Lünzener Bruchbach dank der Renaturierungsmaßnahmen erstmals seit Jahrzehnten wieder eine natürliche Fortpflanzung dieser eindrucksvollen und bis zu 100 cm langen Wanderfische beobachtet werden. Von den kleinen Meerforellen, Grundstock für das Wiederansiedlungsprojekt der Angelvereine, ist jetzt nichts mehr zu finden, so Gerken, der das vernichtende Fazit zieht: „Die Schäden im Lünzener Bruchbach sind eine herber Rückschlag für den Gewässer- und Fischartenschutz im Landkreis und das gesamte Wümmegebiet, der nur scher wieder auszugleichen ist!“

                                  Zahlreiche tote Meerforellen trieben im Lünzener Bruchbach - der zerstörte Grundstock für einen Bestand, der anfing sich selbst zu reproduzieren.

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Vier Tage nach der verheerenden Biogas-Havarie laufen die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Grabensanierung auf Hochtouren. Wie der Heidekreis mitgeteilt hat, sind sogar ca. 400 m³ Gärreste aus der Anlage entwichen und in den angrenzenden Graben geflossen.

                                        Die inzwischen schon weitgehend geräumte Hoffläche mit Resten der 400 m³ ausgetretenen Gärsubstrats

Auf Anordnung der Unteren Wasserbehörde des Heidekreises wurden die enormen Gärrestemassen nun auf mehreren Kilometern Graben und von der Hoffläche entfernt und großflächig auf den hoffnahen Ackerflächen ausgebracht. Der kontaminierte Graben ist bis auf Weiteres vollständig abgeriegelt worden, um den weiteren Austritt von Schmutzwasser in den Lünzener Graben zu unterbinden.

   Ansicht der Biogasanlage: links die bei vollständiger Füllung 125m x 45m lange (!) Silolagerfläche, in der Mitte die Biogasanlage, rechts der inzwischen geräumte Graben, über den die Schadstoffwelle in den Lünzener Bruchbach geflossen ist.

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Inzwischen hat die Biogas-Havarie auch die von uns bewusst angestrebte politische Aufmerksamkeit erregt. Überraschender Weise ist gestern der Nds. Umweltminister Stefan Birkner persönlich vor Ort gewesen, um sich beim zuständigen Heidekreis über den Sachstand zu informieren. Über das Ergebnis des Besuchs wissen wir noch nichts, werden aber in den nächsten Tagen beim Umweltminister nachhaken.

Anläßlich des aktuellen Vorfalls wird der Landessportfischerverband Niedersachsen im Laufe der nächsten Woche in Hannover zu einer Pressekonferenz einladen, um die aus seiner Sicht zum Teil skandalösen Genehmigungs- und Überwachungspraktiken beim Bau und Betrieb von Biogasanlagen zu thematisieren. Aus Verbandssicht sind dringend grundlegende rechtliche, ordnungsbehördliche und bauliche Verbesserungen im Sinne eines vorbeugenden und nachhaltigen Gewässerschutzes erforderlich. Auch bestehende Biogasanlagen müssen alle auf den Prüfstand gestellt werden, damit es nicht wieder zu derartigen Katastrophren kommt.

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3.4.2012: Biogas-Havarie - "Eimerweise tote Fische", gewaltiges Medienecho & Nds. Umweltministerium schaltet sich ein

Zwei Tage nach der Biogas-Havarie ist das Medienecho unerwartet groß. Zahlreiche regionale und überregionale Printmedien berichteten umfassend über den katastrophalen Biogasunfall in Schultenwede, z. B. die Rotenburger Rundschau, die Rotenburger Kreiszeitung, die Schneverdinger Zeitung, aber auch HAZ, NWZ und v.m. Auch die TAZ recherchiert in dem Fall und hinterfragt insbesondere die vielfach fragwürdige und skandalöse Genehmigungs- und Überwachungspraxis bei Biogasanlagen.

   Kurz-Filme über das Fischsterben im Lünzener Bruchbach auf NDR-Online

Die Brisanz des Vorfalls ist inzwischen auch beim Nds. Umweltministerium erkannt worden: Die betroffenen Landkreise Rotenburg und Heidekreis wurden heute aufgefordert, umfassend über die Umstände und die geplanten Maßnahmen zu berichten. Ein Verschleiern und Verharmlosen des Vorfalls ist damit nun wohl unmöglich geworden. Auch die Fraktion der LINKEN im Nds. Landtag stellte heute eine Anfrage an die Landesregierung.

  Anfrage der LINKEN vom 2.4.2012 an die Landesregierung - richtige Fragen, richtige Feststellungen

Auch auf unserem Gästebuch wird gepostet: "Wenn man Heizöl lagert oder andere Grundwasser gefährdende Stoffe,so ist eine entsprechend dimensionierte Auffangvorichtung gesetzlich vorgeschrieben. Und hier in diesem Fall gibt es offensichtlich nichts, nicht mal eine technische Warneinrichtung die meldet, dass etwas überläuft, bei den Volumenmengen mit denen hier gearbeitet wird? Wenn es nicht so traurig wäre, was hier an Schaden entstanden ist, müßte man den zuständigen Kontrollorganen ein Denkmal aus Gärresten vor die Tür stellen! Zumal es in 2010 schon einen Störfall in dieser Anlage gegeben hat."

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Der Unteren Wasserbehörde des Heidekreises hatten wir übrigens bereits vor 2 Jahren an der gleichen Biogasanlage und dem gleichen Graben eine massive Gewässer-verschmutzung gemeldet. Hier ein Auszug aus unserer email vom 26.4.2010:

Sehr geehrter Herr ...,

bei einer Gewässerbegehung bei Schultenwede (siehe Anlage) habe ich gestern eine massive Verschmutzung eines Grabens im Einzugsbereich des Lünzener Bruchbaches festgestellt. Die Grabensohle ist durchgehend mit einer ca. 20-30 cm starken, übel riechenden Faulschlammschicht bedeckt.

Wir vermuten hier die Quelle für die seit 1-2 Jahren festzustellende, z. T. extreme Veralgung und teilweise Verödung von Kieslaichplätzen unserer letzten Elritzenpopulation im Lünzener Bruchbach bei Ostervesede.

Aus dem Kartenausschnitt ergeben sich ggf. Anhaltspunkte zur Ermittlung des Verursachers und die erforderliche Sanierung des Gewässers.

Da wir vorerst noch davon absehen wollen, den Tatbestand zur offiziellen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft zu bringen, bitte ich um vertrauliche Behandlung, Danke !

Mit freundlichen Grüßen

(....)
Landessportfischerverband Niedersachsen / Bez. 18

Möge sich jeder seinen Teil dazu denken, was diese email nachhaltig bewirkt hat .....

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Ab Mittwoch beginnen wir zusammen mit der Naturschutzbehörde in der Veerse mit den ersten Elektrobefischungen, um festzustellen, ob und wie viele Fische das Biogas-Inferno überstanden haben. Die mit Spannung und Angst erwarteten Ergebnisse werden in die Bewertung des Gewässerschadens einfließen und das Ausmaß des finanziellen Schadenersatzes mitbestimmen.

Im schlimmsten Fall stehen wir auch in der Veerse vor den Trümmern jahrelanger Hege- und Renaturierungsarbeit, die nicht mit Geld auszugleichen ist.

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2.4.2012 - Biogas-Havarie Teil 2: Befürchtungen bestätigen sich.

Nach einem ereignisreichem Tag, hier ein kurzer Zwischenbericht zur Biogas-Havarie am Lünzener Bruchbach. Nach Verschicken der Pressemitteilung, u.a. an die Deutsche Presseagentur, hat sich im Gegensatz zu anderen derartigen Havarie-Fällen innerhalb von wenigen Stunden ein enormes Medieninteresse aufgebaut. Zwei Fernsehteams des NDR sowie diverse Reporter und Fotografen begleiteten die gemeinsam von Anglern und Stiftung Naturschutz im LK ROW durchgeführte Bergung der toten Fische aus dem Lünzener Bruchbach. Das NDR-Fernsehen, die Deutsche Presseagentur sowie mehrere Radiostationen berichteten heute übrigens bereits über die Biogashavarie. Auch zuweilen selten gesehene Akteure tauchten angesichts des von uns angefachten öffentlichen Interesse in großer Zahl am Gewässer auf...

Was heute im Oberlauf des Lünzener Bruchbach in Ostervesede an Fischleichen geborgen wurde, entsprach unseren größten Befürchtungen: Hunderte Elritzen, Meerforellen, Bachforellen, Mühlkoppen,  Bachschmerlen, Gründlinge, vereinzelte Barsche und Rotaugen sowie einige laichbereite Flussneunaugen wurden auf elende Weise Opfer der tödlichen Gärreste aus der Biogasanlage. Die Suche nach den Fischen gestaltete sich allerdings schwieriger als erwartet. Zum einen steckten die Fischleichen in den dicken Gärrestepolstern, die sich in ruhigen Kolken ablagerten. Zum anderen treiben die Fische augenscheinlich sehr schnell am Grund stromab, bis sie im immer noch leicht trüben Wasser jeglichen Blick entschwinden.

  Artenreiche Opfer der Biogashavarie im Lünzener Bruchbach

   Jeder einzelne Fisch wurde in stundenlanger Arbeit aus dem mit Gärresten durchsetzten Grund herausgesucht.

  Gewässerwart Ralf Gerken mit einem Teil der geborgenen Fischleichen

         Symptome der akuten Vergiftung: Aufgeplatzte Bauchhöhlen, offene Blutungen, offenbar im Todeskampf gebrochene Wirbelsäulen bei den Forellen, grotesk scharz verfärbte Mühlkoppen-Köpfe etc. ....

                                                                                 Auf mehreren Kilometern haben sich die sauerstoffzehrenden Gärreste abgelagert und gefährden langfristig eine Wiederbesiedlung des Lünzener Bruchbaches.

In den nächsten Tagen werden wir in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde mit Elektro-befischungen beginnen, um den tatsächlich noch vorhandenen Fischbestand zu ermitteln. Während für den Lünzener Bruchbach vermutlich eine vollständige Auslöschung des Fischbestandes wahrscheinlich ist, bleibt die Situation der Fische in der Veerse ohne nähere Untersuchungen weiterhin unklar.

Was klar ist: Jeglichen Versuch der Relativierung und Verharmlosung werden wir entschieden unterbinden. Neben einer umfassenden Beweissicherung werden wir unsere Schadensersatz-ansprüche sowie die sog. Biodiversitätsschäden nach Umweltschadensgesetz geltend machen. Außerdem werden wir uns deutlich dafür einsetzen, dass die auszubaggernden Gär-Schlamm-Strecken wieder naturnah restrukturiert werden (z. B. mit Kies !).

        Was nun ...?

Die Rolle der zuständigen Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden wird von uns ggf. mit rechtlicher Unterstützung genau unter die Lupe genommen. Es ist nämlich uns völlig schleierhaft, wie eine durch andere Schadstoffeinleitungen bereits in Erscheinung getretene Anlage offensichtlich ohne ein wirksames Präventiv- und Schutzsystem direkt an einem Vorfluter im Quellbereich eines FFH-Gebietes weiterbetrieben und genehmigt werden konnte. Die vor Ort gewonnenen und dokumentierten Eindrücke vermitteln den Eindruck, dass wirksame Gewässerschutzaspekte beim Betrieb der Anlage keine Rolle spielen.

Anläßlich des aktuellen Schadens wird immer deutlicher: Im Umfeld unserer Bäche müssen endlich gewässerverträglichere Formen der Landwirtschaft und Biogaserzeugung eingehalten werden. Dazu ist zwingend erforderlich, dass endlich mit der nachlässigen bis fahrlässigen Überwachung bestehender Regeln im Wasser-/Agrarrecht Schluss gemaht wird. Denn: Wenn sich nicht bald etwas Grundlegendes ändert, sind alle Versuche vielfältige, ertragreiche Fischbestände in naturnahen Bächen zu entwicklen, zum Scheitern verteilt....

      Ein Blick zwei Jahre zurück: Aus der gleichen Biogasanlage trat über längere Zeit stark verunreinigtes Silagewasser aus und machte den in den Lünzener Bruchbach fließenden Graben zu einer Todeszone mit 30-40 cm Faulschlammauflage ....

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2.4.2012: Biogas-Havarie = Veerse und Lünzener Bruchbach tot !?

Am 1.4. (leider kein Aprilscherz) ist es bei Schultenwede (Heidekreis) zu einer Havarie an einer Biogasanlage gekommen, die zu einem massiven Fischsterben im Lünzener Bruchbach und der Veerse geführt hat. 

Hier die eilig erstellte Pressmitteilung:

Unfall an Biogasanlage führt zu katastrophalem Fischsterben im Lünzener Bruchbach und der Veerse

Westervesede/Ostervesede (r). Durch den Austritt enorm großer Mengen von Gärresten und Gülle an einer Biogasanlage in Schultenwede (Heidekreis) ist es am Sonntag, den 1. April (leider kein Aprilscherz) zu einer katastrophalen Gewässerverunreinigung im Lünzener Bruchbach und nach ersten Augenschein auch an der Veerse gekommen. Die örtlichen Angelvereine und der Landessportfischerverband Niedersachsen befürchten, dass das fischökologisch wertvollste und artenreichste Gewässersystem des Landkreises Rotenburg (W.) auf einer Strecke von etwa 20 km nun ökologisch tot ist.

Davon sind insbesondere die in jahrelanger Renaturierungs- und Hegearbeit von den Angelvereinen und auch der Stiftung Naturschutz im LK ROW aufgebauten Bestände stark gefährdeter Arten, wie Meerforelle, Bachforelle, Mühlkoppe, Elritze, Steinbeißer, Flussneunauge, Bachneunauge, Bachforelle, Aal etc. betroffen. Welche Auswirkungen die Verschmutzung auf die Bestände des hier heimischen Fischotters und des Eisvogel haben, ist noch unklar. „Wenn sich die ersten Erkenntnisse bewahrheiten und verfestigen“, so Ralf Gerken vom Landessportfischerverband, „sind aber wohl ganze Populationen bedrohter und geschützter Arten im fischökologisch wertvollsten Gewässer des Landkreises und des Wümmegebietes heute vernichtet worden.“

    Austrittsbereich des Gärreste-Gülle-Gemisches aus der defekten Pumpenanlage (rechts)

  Das Gärreste-Gülle-Gemisch floss in enormen Mengen und dank fehlender Auffangeinrichtungen ungehindert über die Hofstelle ab…

Nach Hinweis besorgter Anwohner und Fischteichbesitzer in Westervesede und Ostervesede, die am frühen Sonntag-Abend einen beißenden Güllegeruch und viele tote Fische festgestellt hatten, nahm die Untere Wasserbehörde des Landkreises Rotenburg sofort die Ursachenermittlung und Schadensdokumentation auf. Durch einen Hinweis des Fischereibeauftragen des Landessportfischerverbandes Ralf Gerken konnte die Quelle der Gewässerverschmutzung schnell aufgefunden werden.

 
…. und ergoss sich in den Quellbereich des Lünzener Bruchbaches

Im Zuge der Gefahrenabwehr haben die Mitarbeiter des Landkreises Rotenburg (Herr Keusen und Herr Lack) vor Ort unverzüglich und gründlich mit der Beweissicherung und Befragung des Anlagenbetreibers begonnen. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Havarie offensichtlich schon in der Nacht zuvor ereignet hat und erst am Morgen des 1. April vom Anlagenbetreiber bemerkt wurde. Der Anlagenbetreiber hat bis Eintreffen der Landkreis-Mitarbeiter (1.4. gegen 18.42 Uhr) keine Mitteilung an den zuständigen Landkreis oder die Polizei gemacht, sondern versuchte stattdessen die Gewässerverunreinigung mit eigenen Mitteln vergeblich zu beheben. Die zuständige Wasserbehörde des Heidekreises wusste bis gegen 19.10 Uhr (Anruf R. Gerken bei der UWB) nichts von dem Vorfall.

Bei der Befragung gab der Anlagenbetreiber an, im Laufe des Tages bereits etwa 100 m³ (!) verunreinigtes Material aus dem Lünzener Bruchbach entfernt zu haben, in den das Gärreste-Gülle-Gemisch hineingeflossen ist. Die Havarie ist nach Angaben des Betreibers durch ein defektes Pumpensystem verursacht worden, was dazu führte, das das Gärreste-Gülle-Gemisch über den Hof in den unmittelbar angrenzenden Lünzener Bruchbach geflossen ist. Wirksame Auffangvorrichtungen (wie Bodenwälle, ausreichend dimensionierte Sickergruben o.ä.), die die Schadenswirkung der Havarie vermindert hätten, sind auf der Hofstelle augenscheinlich nicht vorhanden.

Bis in die Abendstunden konnten von den Landkreismitarbeitern zahlreiche Wasserproben gezogen werden, die aufgrund ihrer enormen Trübung und des beißenden Gülle-Geruchs an allen untersuchten Probestellen der Veerse und des Lünzener Bruchbachs auf eine massive Verunreinigung hinweisen. Eine eingehende Untersuchung und Auswertung der Wasserproben erfolgt in den nächsten Tagen beim Wasserlabor des Landkreises Rotenburg (W.).

                                                   Probenahme an der Veerse bei Westervesede (12 km unterhalb der Havariestelle, 1.4.2012, 20.01 Uhr)                       = enorme Trübung – beißender Güllegeruch !

Die Auswirkungen auf den Fischbestand konnten aufgrund der anbrechenden Dunkelheit bisher nur ansatzweise ermittelt werden. Mehrere kurze Sicht- und Kescherproben der Angler im Lünzener Bruchbach gaben Hinweise darauf, dass es zu einem katastrophalen Fischsterben gekommen ist. Eine Kescherbefischung der örtlichen Angler im Lünzener Bruchbaches bei Ostervesede (ca. 7 km unterhalb der Havariestelle) ergab z. B. auf einer Strecke von etwa 50 m 55 tote Fische, wobei nur die Fische gekeschert wurden, die im flachen Uferbereich sichtbar waren. Aufgrund der enormen Trübung waren alle Sohlbereiche mit einer Tiefe von > 10 cm nicht einsehbar. Auch an der Veerse bei Westervesede (ca. 12 km unterhalb der Havarie) konnten am späten Abend bei Taschenlampenlicht im Uferbereich zahlreiche tote Fische gesichtet werden.

    Ergebnis einer kurzen Kescherung im Uferbereich (50 m) im Lünzener Bruchbach bei Ostervesede (ca. 7 km unterhalb Havariestelle, 1.4.2012 ca. 19.30 Uhr) = 55 tote Fische ; u. a. Forellen, Gründlinge und Elritzen. Das geschädigte Artensspektrum ist vermutlich wesentlich größer und wird in den nächsten Tagen ermittelt.

Die Angelvereine Westervesede, Lauenbrück und Fintel, die das Gewässersystem Lünzener Bruchbach und Veerse im Rahmen des Meerforellenprojektes gemeinsam betreuen, werden nun umfassende Maßnahmen zur Beweissicherung und Schadensermittlung einleiten. Darüber hinaus wird ein Sachverständiger beauftragt, der Schadensersatzansprüche ermittelt, die ggf. auf rechtlichem Wege von den Angelvereinen eingefordert werden. Weiterhin erfolgt über den Landessportfischerband in Hannover in den nächsten Wochen eine umfassende rechtliche Prüfung, ob seitens des Betreibers oder der Genehmigungs- und Aufsichtbehörden möglicher Weise gegen gesetzliche Auflagen zum Gewässerschutz verstoßen wurde. Dabei ist ggf. von besonderer Relevanz, dass der Landessportfischerverband bereits im Jahr 2009 im Bereich der Biogasanlage eine enorme Gewässerverunreinigung durch illegale Einleitung gewässerschädigender Stoffe bei der zuständigen Wasserbehörde angezeigt hatte. Dennoch gebe es, wie der aktuelle Fall eindeutig zeigt, offenbar bis heute keinerlei Schutzmaßnahmen für das Gewässer im Havariefall.

Die Angler und Gewässerschützer sind angesichts des offensichtlich entstandenen Schadens frustriert und wütend. „Auch wenn wir möglicher Weise eine angemessene Entschädigung erwirken können, bleibt der entstandene Schäden für das Ökosystem aber möglicher Weise irreparabel“, so Gerken.

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29.3.2012: Außergewöhnlich früh - Auch Flussneunaugen laichen bereits. Zwar erst in kleinen Gruppen von 5-6 Tieren, haben heute die ersten Flussneunaugen mit dem Laichgeschäft begonnen. In den Vorjahren waren die ersten Tiere erst ab der zweiten Aprilwoche beim Bau der Laichgruben und der Eiablage zu beobachten.

  Das erste Flussneunauge des Jahres an der Veerse 

Da über die landesweite Verbreitung des stark gefährdeten und geschützten Flussneunauges bis vor kurzem nur lückenhafte Erkenntnisse vorlagen, werden nach 2010 nun auch 2012 zahlreiche niedersächsische Gewässer nach laichenden Tieren bzw. nach Laichgruben abgesucht. Die Arbeit wird im Auftrag des LAVES, Dez. Binnenfischerei von Gutachterbüros und Fischereibiologen durchgeführt, die im April u.a. auch die Bestände an Veerse, Lünzener Bruchbach und Fintau sowie Untere Wümme, Wörpe und Oste untersuchen.

Wer bisher unbekannte Fluss- oder sogar Meerneunaugenbestände kennt, kann diese Hinweise an die LAVES, Dezernat Binnenfischerei senden; Ansprechpartner dort ist:

Christian Edler, Tel. 120 - 8902, email: christian.edler@laves.niedersachsen.de

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25.3.2012: Erste Bachneunaugen laichen. In den ersten warmen Tagen im März sind die kleinen Bachneunaugen auch dieses Jahr die ersten Neunaugen, die auf kiesig-steinigem Grund mit dem Laichgeschäft beginnen. In kleinen Gruppen von meist nur 5-15 Tieren kann man die Hochzeits-gesellschaften gut beobachten.

   Mit den ersten warmen Märztagen zegit sich das erste zaghafte Grün.

  Am Bach sind dann die ersten Bachneunaugen sofort kräftig dabei, mit dem Laichgeschäft zu beginnen.

Auch die ersten Flussneunaugen sind im oberen Wümmegebiet angekommen, halten sich aber noch relativ gut versteckt und träge am Bachgrund auf. Ab dem 9.-12. April beginnt dann an Veerse. Lünzener Bruchbach und Fintau erfahrungsgemäß das Laichgeschäft der stark gefährdeten Flussneunaugen.

Die Neunaugen sind übrigens "Fisch des Jahres 2012", Grund genug in den nächsten Wochen intensiver über die im Wümmegebiet wieder zunehmenden Bestände von Bach-, Fluss- und Meerneunauge zu berichten.

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23.3.2012: Sandmassen unterwegs - für die Forellenbrut wird`s brenzlig. Gegen Ende des Winters wird überall sichtbar, welche Sandmassen sich in unseren Bächen stromab wälzen. Nach jedem Hochwasser sind die Ufer von breiten Sandfächern gesäumt, die aus den vegetationslosen Ackerflächen erodiert sind oder auch das Ergebnis intensiver Gewässerunterhaltung sein können. Für die noch im Kiesgrund verharrenden Forellenlarven wird`s nun brenzlig. Das Kieslückensystem füllt sich mit jedem Tag mehr mit Sand, der vielfach zu letalen Sauerstoffbedingungen und schließlich zum Absterben der kleinen Fische führen kann.

   An der Fintau zeigen die hellen Uferstreifen den beim Hochwasser in großen Mengen verfrachteten Sand.

Ein Grund für die starke Versandung der Bäche liegt auch im zunehmenden Ausbau von Gräben entlang der großflächigen Maisäcker. Aus diesen oft kleinsten Wasserläufen werden nach Baggereinsatz oft erstaunlich große Sandfrachten in die Vorfluter und Bäche geleitet, wie das folgende aktuelle Beispiel eindrucksvoll zeigt.

                                 Grabenausbau, der große Mengen an Sand mobilisiert, der in den nächsten Vorfluter treibt.

    Oberhalb führt der Vorfluter kaum Sand; nach Zufluss des ausgebauten Grabens ist die Sohle nun von tödlichem Treibsand überdeckt, der sich den Weg in den nächst größeren Bach sucht.

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18.3.2012: Neue Lachs-Lebensräume am Wümme-Nordarm in Planung. Aufgrund der überraschenden Nachweise natürlicher Lachs-Reproduktion bei Fischerhude und Ottersberg im Sommer und Herbst 2011 hat nun der Landkreis Verden weitere Renaturierungsmaßnahmen ins Auge gefasst. Zusammen mit dem NLWKN Verden und dem Landessportfischerverband wurden mehrere Flussabschnitte kürzlich in Augenschein genommen, um geeignete Strecken auszuwählen. Am Wümme-Nordarm sowie im Mündungsbereich der Walle sollen 2013-2014 nun auf mehreren Hundert Metern weitere Laichplätze für den Lachs angelegt werden.

   Strecke für weitere Lachs-Laichplätze - der Wümme-Nordarm bei Fischerhude

Die geplanten Maßnahmen ergänzen die im Bereich der zahlreichen Sohlgleiten des Wümme-Nordarmes nachgewiesenen Laichplätze von Lachs, Meerforelle sowie Fluss- und Meerneunauge.

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18.3.2012: Naturnahe Gewässer- und Waldentwicklung im NSG Oberes Fintautal bei Eggersmühlen. Auf Einladung von Revierförster Hannes Steiger konnte der ASV Fintel heute eindrucksvolle Einblicke in die umfangreichen Naturschutzmaßnahmen im Bereich des Forstorts Eggersmühlen bei Fintel gewinnen, dessen Fläche fast vollständig im Naturschutzgebiet Oberes Fintautal liegt.

   Förster Hannes Steiger gestaltet die Waldflächen bei Eggersmühlen großflächig um - auch zum Wohle der Fintau !

Auf großer Fläche wird hier seit einigen Jahren v. a. die nicht standortgerechte Fichte sukzessive entnommen, um Platz für eine naturnahe und standortgerechte Waldentwicklung mit Eiche, Buche, Esche, Erle und Flatterulme zu schaffen. Entlang der Fintau kommt nun die Erle endlich wieder zum Zuge und sorgt zunehmend für gewässertypische Uferbefestigung, Sohlstrukturbereicherung und Laubeintrag.

      Die standortfremden und hoch labilen Fichtenmonokulturen werden großflächig entfernt,

  und machen Platz für eine ungestörte Entwicklung zum ungenutzten Urwald; als erstes fassen bereits Birken, Vogelbeeren sowie einzelne Eichen und Buchen Fuß.

   Auch die Fintauaue soll sich nach bereits erfolgter Entnahme der Fichten zu einem ungenutzten Erlen-Urwald entwicklen.

In Abstimmung mit dem Unterhaltungsverband soll hier nun auch die inzwischen überflüssige Gewässerunterhaltung eingestellt werden, um eine weitgehend ungestörte eigendynamische Gewässerentwicklung zu ermöglichen.

Auch der seit Jahren für massive Sandverfrachtungen sorgende Schwallbetrieb der Wasserkraftanlage wird in diesem Jahr auf unser anhaltendes Drängen endlich eingestellt ! Ergänzend werden wir in den nächsten Jahren den geplanten Einbau großer Mengen an Kiesen und Steinen begleiten.

       In Teilbereichen zeigt die Sohle der Fintau bereits fast Referenzcharakter für sehr naturnahe Bäche - durch die beabsichtigte Einstellung der Gewässerunterhaltung und den Einbau von Kiesbänken soll diese Entwicklung weiter gefördert werden.

An der oberen Fintau sind damit Rahmenbedingungen für eine im Wümmegebiet bisher einmalige  naturnahe Gewässerentwicklung gegeben. Dem Revierförster Hannes Steiger als Initiator, Moderator und Förderer dieses beispielhaften Projektes gilt dafür unser größer Respekt und Dank !

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14.3.2012: Fischotter weiter auf dem Vormarsch. An fast allen Bächen im Wümmegebiet kann das geübte Auge seit wenigen Jahren Spuren von Fischottern entdecken. Bemerkenswert aber, wenn man gleich zwei Otter (vermutlich Fähe und Jungtier) antrifft und diese auch filmen kann. So geschehen in den letzten Tagen an der Veerse.

  Otter an der Veerse, hier auch eine Otterfähe mit Jungtier, auf Video

Wie uns regelmäßig berichtet wird, profitiert der Fischotter offenbar stark von fischereilicher Nutzung und Hege. An zahlreichen Forellen- und Karpfenteichen entlang der Bäche findet er leichte Beute. Und unsere Forellenbäche bieten den Fischottern "sportlichere" Feinschmeckerkost, nicht immer zur uneingeschränkten Freude des Anglers. Dank seiner sehr großen Reviere (für Rüden bis zu 40 km Flusslauf), in denen außer den Jungtieren keine Artgenossen geduldet werden, ist der Einfluss der Fischotter auf die Fischbestände im Vergleich zu anderen Beeinträchtigungen, wie Gewässerausbau, Sandfracht oder Kormoran aber eher zweitrangig.

   Fraßreste des Fischotters, hier ein Karpfen, dort (leider) ein Meerforellenrogner

Die Anwesenheit von Anglern scheint den Fischotter nicht wesentlich zu stören. Auch der Nds. Landesbetrieb für Naturschutz (NLWKN) kommt in den Vollzugshinweisen zum Fischotterschutz zu diesem Schluss:    "Die immer noch weit verbreitete Ansicht,  dass der Fischotter natürliche, nährstoffarme Gewässer und störungsfreie Gebiete nutzt, stimmt nicht mit der Realität überein. Die Verbreitung in NE-Deutschland zeigt, dass die Art wesentlich anpassungsfähiger ist. Allerdings ist die  Verfügbarkeit eines großen, zusammenhängenden, miteinander vernetzten Gewässersystems existenzielle Voraussetzung."

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9.3.2012: "Goldrausch auf dem Acker" gefährdet die Wiederansiedlung von Lachs & Stör. Kein anderer Faktor hat Flora und Fauna unserer Region so schnell und so nachhaltig beeinträchtigt wie die Vermaisung der Landschaft zugunsten einer durch Subventionen forcierten und fehl-gesteuerten Biogas-Produktion. Am Montag, 12. März, 22 Uhr, greift auch das NDR-Fernsehen das Thema auf. Der Beitrag von Tim Boehme trägt den Titel "Goldrausch auf dem Acker - Streitfall Biogas" - hier der Trailer zur Reportage.

 "Goldrausch auf dem Acker - 12.3.2012, 22 Uhr auf N3

Aktuelle Untersuchungen an der Oste zeigen erschreckende Ergebnisse: Nach einer Pressemitteilung des VSR-Gewässerschutz  zeigen die Nitratgehalte in Grundwasser und Oberflächengewässern einen alarmierenden Trend, der alle Wiederansiedlungsbemühungen für die Wanderfische Stör und Lachs scheitern lassen könnte.

Die Website Oste.de hat aufgrund dieser drängenden Probleme eine eigene Website "Vermaisung stoppen" eingerichtet.

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8.3.2012:  Artenschutz auch unter der Wasseroberfläche. Dank unserer guten Zusammenarbeit mit der Kreisjägerschaft Rotenburg hatten wir die Möglichkeit unser Projekt im jährlichen Mitteilungsblatt der Jägerschaft "Waidblatt" wieder einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. In einer Sonderbeilage der Rotenburger Rundschau mit einer Auflage von über 35.000 Exemplaren erschien der  Artikel "Artenschutz auch unter der Wasseroberfläche".

Bericht zum Modellprojekt Wümme . Phase III (2007-2009). Zum bereits 2009 abgeschlossenen Modellprojekt Wümme ist 2011 der Abschlussbericht der letzten Projektphase veröffentlicht worden. Wesentliche Inhalte des vom Nds. Umweltministerium finanzierten und von der AG der Unterhaltungsverbände an der Wümme getragenenen Projekts wurden von unseren Angelvereinen initiiert und zum Teil umgesetzt. Von den zahlreichen Renaturierungsmaßnahmen an Veerse, Fintau, Ruschwede und Lünzener Bruchbach profitieren bis heute Meerforelle, Flussneunaugen, Mühlkoppe und Elritze.

 

Jetzt mit funtionierendem Link: http://www.wasserblick.net/servlet/is/115275/

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4.3.2012: Aalbesatz an der Wümme wird deutlich erhöht. Angesichts des auch an der Wümme massiv zurückgehenden natürlichen Glasaalaufstiegs wird auch dieses Jahr der Aalbesatz zum fünften Mal  in Folge deutlich erhöht. Die in der Besatzgemeinschaft Wümme zusammengeschlossenen Angelvereine besetzen dieses Jahr vsl. 234 kg vorgestreckte Aale (sog. Farmaale, ca. 8 g / St., insgesamt ca. 23.400 Stück). Möglich wird diese Steigerung vor allem durch erhebliche Eigenmittel der Angelvereine sowie durch ein seit 2011 bestehendes Förderprogramm des Europäischen Fischereifonds, durch das 60 % der Netto-Besatzkosten bezuschusst werden.

   Entwicklung des Aalbesatzes durch die Besatzgemeinschaft Wümme 2008-2012

Hintergründe zur Situation des Aals finden Sie hier und hier,

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4.3.2012: Nachlese zur Gülle-Ausbringungspraxis. Die nach Auffassung der Landwirtschafts-kammer legale Gülle-Ausbringung auf nur oberflächlich aufgetaute Böden (vgl. Aktuelles vom 13.2.2012) und der anschließende Regen hat in weiten Teilen unserer Feldfluren zur erheblichen Gülleabschwemmung in Oberflächengewässer geführt. Der beim Einsetzen des Regens Ende Februar oft nur 2-3 cm angetaute Boden hatte so gut wie keine Speicherkapazität, so dass die Gülle vielfach in Gräben, Vorfluter und Bäche einsickerte. Was das mit ordnungsgemäßer Landwirtschaft und bedarfsgerechter Düngung zu tun hat, bleibt ein Rätsel .....

  Kratzprobe Ende Februar: Der Acker ist ca. 2-3 cm aufgetaut...

    d.h. nach Auffassung der Landwirtschaftskammer ausreichend, um legal Gülle aufzubringen (hier allerdings unter Missachtung des 3-m Abstand zu Gewässern)

  Wenn der Regen kommt, bilden sich wie hier selbst auf grundwasserfernen Geestkuppen kleine Seenlandschaften.

    Das Wasser-Gülle-Gemisch, das nicht in den Boden eindringen, geschweige denn von den Pflanzen verarbeitet werden kann,

. ...sucht sich - oft mit Unterstützung handgeschaufelter Entwässerungsrinnen -  den Weg in Gräben und Bäche.

Zur Erinnerung:  Die Zahlung von Agrarsubventionen an Landwirte (im Schnitt ca. 50 % des Einkommens) wird u.a. mit besonderen gesellschaftlichen Leistungen, insbes. im Gewässerschutz, begründet:

"Landwirte erhalten Geld von der öffentlichen Hand, um öffentliche Güter zu produzieren, wie z.B. eine gepflegte Landschaft, die hohen Umweltnormen entspricht."                                                                 EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer-Boel

„Die Direktzahlungen sind keine Preisausgleichszulagen, sondern Zahlungen für gesellschaftlich erwünschte Leistungen, die am Markt nicht oder nur sehr eingeschränkt entgolten werden. Das sind vor allem hohe Standards in den Bereichen Umwelt, Futtermittel-und Lebensmittelsicherheit sowie Tiergesundheit und Tierschutz.“
Agrar-und Umweltminister von Brandenburg  D. Woidke

- siehe auch WWF-Präsentation :Chancen und Risiken der Cross-Compliance Regelung für den Umwelt-und Naturschutz

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2.3.2012: Gewässerschäden durch den Bau der NEL-Pipeline. Seit einigen Monaten laufen in unserer Region die Arbeiten zum Bau der Nordeuropäische Erdgasleitung NEL, die Deutschland und Nordwesteuropa über die Nord-Stream-Pipeline mit den Erdgasreserven in Sibirien verbinden soll. Bei Lubmin bei Greifswald übernimmt die NEL das Erdgas von der Ostesse-Pipeline Nord Stream und transportiert es über 440 Kilometer weiter Richtung Westen bis in die Nähe von Diepholz. .

Da die Pipeline auch zahlreiche Gewässer quert, hat der Landessportfischerverband (LSFV)Niedersachsen im Vorfeld erhebliche Befürchtungen geäußert. Im Fokus der Kritik standen u.a. mögliche Sandeinschwemmungen, die zu einer massiven Beeinträchtigung der Gewässerökologie führen würden.

An zahlreichen Gewässerquerungen sind die befürchteten Sandeinträge und Uferschäden nun in erschreckendem Maße eingetreten. Durch unzureichende Schutzvorkehrungen wurden im Bereich des Landkreis Diepholz bei 11 Gewässerkreuzungen massive Sandeinschwemmungen und Ufererosionen festgestellt - siehe auch Artikel der Diepholzer Kreiszeitung vom 22.2.2012. und vom 3.2.2012. Aber auch an der Mittleren Wümme wurden vom Unterhaltungsverband erhebliche Sediment-einschwemmungen in Reithbach, Scheeßel-Everinghäuser Kanal u.a. festgestellt.

Nach Intervention des LSFV Niedersachsen wurden vom Vorhabensträger WINGAS nun erhebliche Nachbesserungen  bei  den  Rekultivierungs-  und Sanierungsmaßnahmen zugesichert. In diesen Tagen werden z. B. in der Hache bei Syke-Barrien auf einer Länge von 400 m mit Strömungslenkern  und Kiesbetten Initialmaßnahmen zu einer naturnäheren Gewässerentwicklung hergerichtet. Auch an anderen Gewässern sollen als Ausgleich nun Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur umgesetzt werden.

   Ausgleich für die angerichteten Schäden: An der Hache bei Syke wurden auf 400 m Länge aus monotoner, versandeter Tristesse...

   durch Einbau von diversen Kiesbetten und Strömungslenkern vielfältig strukturierte Bachabschnitte

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13.2.2012: Es stinkt zum Himmel - und fließt ins nächste Gewässer. Nach der Nds. Düngeverordnung ist das Aufbringen stickstoff- und phophathaltiger Dünger auf sog. nicht aufnahmefähige Böden verboten, auch wenn seit dem 1. Februar die generelle Sperrfrist zur Gülleausbringung abgelaufen ist.

Was ein sog. nicht aufnahmefähiger Boden ist, erklärt dieser Tage die Landwirtschaftskammer (LWK) Oldenburg. Obwohl die Böden trotz des leichten Tauwetters noch bis in über 40 cm Tiefe bretthart gefroren sind, reicht nach Interpretation der LWK ein minimales Auftauen der obersten Bodenschicht auf einer Teilfläche eines Ackerschlages, um legaler Weise Gülle ausbringen zu können.

Da die aktuell auf zahlreiche Flächen aufgefahrene Gülle nicht in den Boden eindringen kann, werden die erwarteten starken Niederschläge in den nächsten Tagen erhebliche Mengen des Düngers in die angrenzenden Gräben und Bäche spülen.

Welche Folgen das für Gewässer hat, kann man dann spätestens im April beobachten, wenn aus einst artenreichen Grabenlebensräumen grüne Algenbrühen werden.

   Obwohl der tief gefrorene Boden nur oberflächlich angetaut ist, wird seit dem Wochenende wieder kräftig Gülle gefahren - mit Segen der Landwirtschaftskammer.

  Wie im Winter 2010 und 2011 erwarten wir auch dieses Jahr leider wieder solche Bilder:  Sperrfristen zu Gülleausbringung und Mindestabstände zu Gewässern werden häufig (folgenlos) ignoriert

   Die Folge: Zahlreiche Gewässer verwandeln sich in tote Algenbrühen.

Vorbeugender Gewässerschutz hat bei der akutellen Güllekampagne für die Landwirtschaftskammer offenbar keine große Bedeutung. Auch die Süddeutsche Zeitung meint wie wir: Es stinkt zum Himmel ! 

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10.2.2011: Turbulenter Winter sorgt für Abwechslung an unseren Bächen. Nach äußerst trockenem Spätherbst, milden Dezembertagen und starkem Hochwasser im Januar sorgt nun seit 2 Wochen der Frost wieder mal für veränderte Verhältnisse an unseren Bächen.

Die Nachttemperaturen von bis zu -18°C führen auch bei schnellfließenden Bäche auf die Dauer zur Bildung einer fast geschlossenen Eisschicht. Was für die Fische in den Bächen relativ unproblematisch ist, stellt den Eisvogel auch diesen Winter wieder vor große Probleme. Da alle Teiche seit Tagen zugefroren sind, stehen bei zunehmend geschlossener Eisdecke auf den Bächen für den fischfressenden Vogel keine Nahrungsquellen mehr zur Verfügung. Es ist zu befürchten, dass es auch diesen Winter wie in den Vorjahren im Wümmegebiet wieder enorm hohe Bestandseinbrüche beim Eisvogel geben wird. An naturnahen, fischreichen und schnell fließenden Bächen haben die Vögel allerdings noch die besten Chancen zu überleben.

                                        Selbst schnellfließende Bäche, wie hier die Veerse, frieren in diesen Tagen stellenweise fast zu.

   Das Frostwetter schafft aber auch interessante Eisformationen im Großen wie im Kleinen...

                                 - und bietet schöne Sonnenuntergänge !

Dabei sah es bis Ende Januar nicht nach einem Kälteeinbruch aus. Wochenlanger Regen führte im gesamten Wümmegebiet zu erheblichen Überschwemmungen, die auf der Hompepage der Rotenburger Kreiszeitung gut dokumentiert sind.

Inzwischen sind die Pegel aber soweit gesunken, dass wieder ein Blick auf die von November bis Januar angelegten Laichgruben der Meerforellen möglich ist. Jedes Gramm Kies in Fintau, Ruschwede und Veerse ist scheinbar von den Meer- und Bachforellen genutzt worden, um hier ihre Eier abzulegen. Im Sommer kontrollieren wir wieder mit Elektrobefischungen, wie hoch der natürliche Bruterfolg in diesem Jahr ausgefallen ist. Die überraschend guten Ergebnisse des Vorjahres (vgl. Aktuelles vom 8.10.2011), lassen uns hoffen, dass wir wieder viele kleine "Natur-"Forellen finden werden.

            Nach dem Absinken des Hochwassers überall wieder sichtbar: Frische Laichbänke von Meerforellen.

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29.1.2012: Biogasunfall - Wümme knapp an der Katastrophe vorbeigeschlittert. An einer Biogasanlage am Rand von Lauenbrück kam es kürzlich zu einem Austritt von erheblichen Mengen stark verunreinigten Sickerwassers, das illegaler Weise in die Regenwasserkanalisation eingeleitet wurde. Die Menge an Sickerwasser war so groß, dass die Kläranlage der Samtgemeinde umkippte und vermutlich über mehrere Wochen nicht in der Lage war, ihre Reinigungsfunktion zu erfüllen.

Dank des anhaltenden Hochwassers in der Wümme, war der Verdünnungseffekt nach Angaben der Unteren Wasserbehörde vermutlich so groß, dass ein großes Fischsterben bisher ausgeblieben ist.

Der aktuelle Fall zeigt wieder einmal, dass von der Lagerung von Silage an Biogasanlagen und anderen landwirtschaftlichen Flächen eine enorm hohe Gewässergefährdung ausgeht. Vielen Betreibern scheint nicht klar (oder egal ...?) zu sein, daß Silagesickerwasser eine um 70-350-fach erhöhte Sauerstoffzehrung im Gewässer auslöst, als häusliche Abwässer !

Zahlreiche ähnliche Unfälle oder vorsätzliche Einleitungen weisen darauf hin, dass eine wirksame behördliche Überwachung von Silagelagerflächen nach unserer Erfahrung nicht stattfindet. In der Regel werden die Überwachungsbehörden erst dann aktiv, wenn es zu einem Störfall gekommen ist. Ansonsten vertraut man einfach auf die Einschätzung des Anlagenbetreibers, ob das anfallende Oberflächenwasser verunreinigt ist (getrennte Entsorgung erforderlich) oder nicht verunreinigt (Versickerung oder Einleitung in Vorfluter möglich) ist.

Interessanter Weise wurden fast alle Biogas-Gewässerverunreinigungen in unserer Region (z..B. Schwalingen, Schultenwede, Bötersen, Schwitschen, Lamstedt u.a.) durch Anwohner/Angelvereine und nicht durch die zuständigen Überwachungsbehörden aufgedeckt .....

Der Fachverband Biogas versucht zwischenzeitlich die Bemühungen des Bundes zur Verbesserung des Gewässerschutzes bei Biogasanlagen durch intensive Lobbyarbeit zu verwässern.

Besonders beunruhigend ist das vor dem Hintergrund, dass der Landkreis Rotenburg in der Zahl der Biogasanlagen inzwischen Spitzenreiter in Niedersachsen ist. Warten wir auf das nächste Fischsterben; den Überwachungsbehörden wünschen wir derweil einen geruhsamen Schlaf !

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9.1.2012: TödlicheSchlammlawine rollt die Veerse runter. Welchen Stellenwert Gewässerökologie und Naturschutz bei der Beurteilung von Stauanlagen haben, wurde uns in diesen Tagen eindrucksvoll vor Augen geführt. Am vergangenen Wochenende wurde der Mühlenteich in Lünzen (Heidekreis) illegal von Schlammmassen befreit: Durch vollständiges Ziehen der Stauschotte wurde der Teich fast völlig trockengelegt. Die sedimentierten Sand- und Schlammmassen im Teich wurden innerhalb kürzester Zeit in die unterhalb liegende Veerse mitgerissen und überdecken nun die Sohle auf großer Länge mit lebensfeindlichem und stark sauerstoffzehrendem Sediment.

    Der zur Hälfte wieder aufgestaute Lünzener Mühlenteich einen Tag nach der Trockenlegung. Die Idylle trügt....

   Sichtbare Zeichen der Schlammlawine: Berge von schlammigen Wasserpflanzen zeugen unterhalb der Stauanlage von der katastrophenartigen Spülung des Mühlenteiches.

                             Das Wasser der Veerse ist unterhalb des Mühlenteiches eine stinkende Schlammbrühe - mit tödlichen Folgen für zahlreiche empfindliche Arten

Was für die empfindlichen Lebensgemeinschaften in der Veerse mit zahlreichen nach FFH-Richtlinie geschützten und zum Teil hochgradig bedrohten Arten eine Katastrophe , auch für die Fischfauna darstellt, ist für den Staubetreiber eine billige und behördliche bisher geduldete Art, seine Abfallstoffe zu entsorgen. Nach Aussagen des Teichbesitzers wird der Mühlenteich regelmäßig auf diese Weise behandelt.

Obwohl das Wasserhaushaltsgesetz diese Form des Staubetriebs eindeutig untersagt und das schwallartge Abführen großer Schlammmassen in einen nährstoffarmen Bach eine Straftat (Gewässerverunreinigung - § 324 StGB)  darstellt, hat diese Tat für den Verursacher vermutlich keinerlei Folgen. Arten- und naturschutzrechtliche Belange, wie z. B. der Schutz kiesiger Laichhabitate und landesweit bedeutender Fischpopulationen (Mühlkoppe, Bach- und Flussneunauge, Meerforelle) als wertgebende Arten des FFH-Gebiets Wümmeniederung / Teilgebiet Veerse spielen bei der behördlichen Beurteilung des Sachverhaltes offenbar keinerlei Rolle.

In den nächsten Tagen erwarten wir die Schlammlawine auch im Bereich der ca. 10 km stromab liegenden Kiesbetten in Westervesede. Die hier abgelegten Bach- und Meerforelleneier werden vermutlich durch die Schlammmassen letal geschädigt. Viel dramatischer werden die Folgen für das Makrozoobenthos sein, das anders als die Fische der Schlammlawine nicht entweichen kann. Davon sind v.a. die zahlreichen Reinwasserarten betroffen, die wie eine Köcherfliegenart, landesweit nur noch in der Veerse vorkommen.

Damit werden alle, mit erheblichen öffenlichen Mitteln und Vereingsgeldern finanzierten Bemühungen zur Gewässersanierung in der Veerse ad asurdum geführt.

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9.1.2012: Agrar- und Wasserrecht wird mit Füßen getreten. Nahezu flächendeckend haben in den letzten Jahren auch im Wümmegebiet massive Verstösse gegen agrar- und wassserrechtliche Bestimmungen Raum gegriffen. Im Winter, wenn kein sattes Ackergrün die schlimmsten Auswüchse des Biogas-Mais-Systems kaschiert, ist dies besonders auffällig.

Die folgenden Bilder sind im Laufe eines 10-minütigen Spazierganges entstanden. Sie zeigen beispielhaft, dass die Einhaltung von Abstandsregelungen zu Gewässern, das Verbot des Grünlandumbruchs, das Verbot des illegalen Gewässerausbaus und das Gebot einer erosionsmindernden Bewirtschaftung in der landwirtschaftlichen Praxis in unzähligen Fällen unterlaufen wird. Überflüssig zu erwähnen, dass diese erosionsfördernde und gewässerzerstörende Bewirtschaftung vom Steuerzahler hoch subventioniert wird.

  Bei der Round-up-Anwendung wird nicht einmal der vorgeschriebene 1 m Randstreifen zu Gewässern eingehalten.

  Illegaler Ausbau eines Vorfluters ohne Plangenehmigung = Der Rohrdurchlass zeigt die inzwischen eingetretene Sohleintiefung von über 1 Meter ! Die Böschung wird instabil und erodiert.

   Hier wurde illegaler Weise mit Roundup auch der Böschungs- und Sohlbereich des Grabens sauber gemacht.

   Hier wurde der bis vor einigen Jahren mit Grünland bestandene 5m-Randstreifen am Gewässer 2. Ordnung illegaler Weise zu Acker umgebrochen.

                               Ordnungsgemäße Gewässerunterhaltung und gute landwirtschaftliche Praxis? Oder eher ein Erosionsinferno?

                                                   Hier wurde im Jahr 2011 Grünland illegal in Ackerland umgebrochen, was (von wenigen Ausnahmen abgesehen) seit 2009 in Niedersachsen verboten ist. Aktuell wird der Boden mit einer schönen Rinne in den nächsten Vorfluter entsandet. Auch die vor einigen Wochen aufgebrachte Gülle findet unter Missachtung der Düngeverordnung schnell den Weg ins nächste Gewässer.

  Auf absolutem Grünlandstandort wird hier offenbar der Umbruch zum Maisacker vorbereitet.

  Dieser Graben ist infolge einer bis vor kurzem unsachgemäß betriebenen Silolagerflächen-Entwässerung auf fast ganzer Länge biologisch tot.

Aus Platzgründen verzichten wir hier auf die Veröffentlichung vieler weiterer Beispiele, die alle klare Verstösse gegen gesetzliche Bestimmungen dokumentieren und die trotz Überwachungspflicht der Wasser- und Agrarbehörden in der Regel nicht sanktioniert werden.